Verdi will mit Warnstreik am Donnerstag FlughÀfen lahmlegen
30.01.2024 - 16:37:49Mit einem bundesweiten Warnstreik der LuftsicherheitskrÀfte könnte an diesem Donnerstag (1. Februar) der Flugverkehr in weiten Teilen Deutschlands zum Erliegen kommen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Belegschaften der privaten Sicherheitsunternehmen an elf FlughÀfen zu einem ganztÀgigen Warnstreik aufrufen. Zuerst hatte der Hessische Rundfunk berichtet.
Gestreikt wird an den FlughĂ€fen Hamburg, Bremen, Hannover, Berlin, Köln, DĂŒsseldorf, Leipzig, Dresden, Erfurt, Frankfurt/Main und Stuttgart. Ausnahmen sollen der Flughafen MĂŒnchen und einige kleinere FlughĂ€fen sein.
Die rund 25 000 BeschĂ€ftigten privater Sicherheitsdienste sind an den Kontrollen fĂŒr Passagiere, GepĂ€ck und Personal zumeist im Auftrag der Bundespolizei tĂ€tig. Ohne sie ist kein Zugang und damit auch kein Betrieb der Sicherheitsbereiche an den FlughĂ€fen möglich. Daher dĂŒrfte der Flugverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahmgelegt werden. Das AusmaĂ der Flugabsagen war zunĂ€chst noch nicht bekannt. Am Dienstag liefen noch Verhandlungen zu Notdienstvereinbarungen.
Der Luftverkehrsbranchenverband BDL klagt schon lĂ€nger ĂŒber die hohen Kosten am Luftverkehrsstandort Deutschland. Der Verband kritisierte das Vorgehen der Gewerkschaft scharf: "Das Lahmlegen des Luftverkehrs in Deutschland durch einen Warnstreik der LuftsicherheitskrĂ€fte ist unangemessen. Es sollte stattdessen alles unternommen werden, um eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden oder im Wege einer Schlichtung", erklĂ€rte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Matthias von Randow.
Zuletzt war es im MĂ€rz vergangenen Jahres zu Warnstreiks auch in der Luftsicherheit gekommen. Damals ging es um die Arbeitsbedingungen der BeschĂ€ftigten, die in den vergangenen Jahren deutliche Lohnsteigerungen durchgesetzt hatten. In der Zwischenzeit ist der Manteltarifvertrag unterschrieben worden. Jetzt geht es um die VergĂŒtung.
Verdi fordert in dem Tarifkonflikt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten eine pauschale Erhöhung des Stundenlohns um 2,80 Euro und schnellere ZuschlĂ€ge. Derzeit verdienen die Luftsicherheitsassistenten in der untersten Entgeltgruppe 20,60 Euro in der Stunde, was sich bei 160 Monatsarbeitsstunden auf ein Brutto-Gehalt von knapp 3300 Euro addiert. Dazu kommen noch ZuschlĂ€ge fĂŒr Nachtarbeit, Sonn- und Feiertage sowie Mehrarbeit. Die Forderung berĂŒcksichtige den Kaufkraftverlust durch die Inflation und beinhaltet einen Lohnzuwachs, erklĂ€rte Verdi zur BegrĂŒndung.
Es gehe auch um die kĂŒnftige Gewinnung von FachkrĂ€ften, mahnte Verdi-VerhandlungsfĂŒhrer Wolfgang Pieper. "Schon jetzt gibt es einen Mangel an qualifizierten ArbeitskrĂ€ften, die bereit sind, rund um die Uhr, an Wochenenden und an Feiertagen Ă€uĂerst flexibel an den FlughĂ€fen zu arbeiten - die Sicherheit im Luftverkehr ist nicht zum Nulltarif zu haben."
Die Arbeitgeber vom Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) haben nach eigenen Angaben fĂŒr dieses Jahr 4 Prozent und fĂŒr das kommende Jahr 3 Prozent mehr Geld angeboten. Zudem sollen MehrarbeitszuschlĂ€ge zu einem frĂŒheren Zeitpunkt gezahlt werden als bislang. Die Forderungen der Verdi summierten sich auf 250 Millionen Euro zusĂ€tzliche Kosten allein im laufenden Jahr, sagte eine BDLS-Sprecherin. Anders als von der Gewerkschaft Verdi sei aber nicht jede Lohnerhöhung ĂŒber die LuftsicherheitsgebĂŒhren refinanzierbar.
FĂŒr die weiteren Verhandlungen sind bereits zwei weitere Runden fĂŒr den 6./7. und 21./22. Februar vereinbart.
Eine ursprĂŒnglich fĂŒr diesen Februar von der Bundesregierung geplante Erhöhung des maximalen GebĂŒhrensatzes von 10 auf 15 Euro pro Passagier ist kĂŒrzlich im Bundesrat steckengeblieben. Die LĂ€nderkammer wies auf die hohe Kostenbelastung des Luftverkehrs in Deutschland hin und will die Erhöhung auf das Jahr 2025 verschieben.

