Börse Frankfurt-News: Schafft US-Wirtschaft die sanfte Landung? (Wochenausblick)
23.09.2024 - 10:48:26Kurzzeitige RĂŒcksetzer seien aber immer wieder möglich.
23. September 2024. Dass die US-Notenbank am Mittwoch die Leitzinsen um 50 und nicht nur 25 Basispunkte gesenkt hat, befeuert zunĂ€chst die MĂ€rkte. Am Donnerstag kletterten Dow Jones, S&P 500 und auch der DAX auf neue Allzeithochs. Nur der Nasdaq 100 ist von seinem Rekordhoch aus dem Juli noch ein ganzes StĂŒck entfernt. "Die Zinswende in den USA wurde mit einer kleinen Verzögerung gebĂŒhrend gefeiert", kommentiert Christian Henke von IG.
"Immer mehr Investoren sind ĂŒberzeugt, dass der unerwartet forsch agierenden US-Notenbank tatsĂ€chlich eine sanfte Landung der US-Wirtschaft gelingen dĂŒrfte", erklĂ€rt Thorsten Weinelt von der Commerzbank. Konjunkturdaten wĂŒrden darauf abgeklopft, ob sie das Szenario einer anhaltend robusten US-Konjunktur unterstĂŒtzten. "FĂŒr Aktien wird entscheidend sein, ob der US-Notenbank tatsĂ€chlich die weiche Landung gelingt", meint Weinelt.
Nach dem neuen DAX-Allzeithoch von 19.045 Punkten am Donnerstag waren es am Freitag zu Handelsschluss wieder nur 18.720 ZÀhler. Die Gewinnwarnung von Mercedes-Benz lastete auf dem Index. Am Montagmorgen steht der DAX bei 18.767 ZÀhlern. Die US-Börsen schlossen nach den Allzeithochs am Donnerstag am Freitag kaum verÀndert.
Zinssenkungen mit zwei "angenehmen Perspektiven"
"Die Fed hat die Nummer gegen Herbstdepressionskummer", erklÀrt Robert Halver von der Baader Bank. Er geht davon aus, dass die Zinssenkungswelle bis 2026 anhalten wird, was Aktien zwei "angenehme Perspektiven" biete: Zum einen erhöhten sinkende Zinsen ihre relative AttraktivitÀt. Und zum anderen stÀrkten sie die wirtschaftlichen AuftriebskrÀfte und damit die GewinnqualitÀt vor allem der konjunktursensitiven Unternehmen.
"GrundsĂ€tzlich gehören in den kommenden Wochen allerdings Konsolidierungen und vorĂŒbergehend erhöhte Kursschwankungen zur Tagesordnung", betont Halver mit Blick auf weitere US-Zinssenkungen und die nahende US-PrĂ€sidentschaftswahl. Sie böten aber gĂŒnstige Einstiegsgelegenheiten, da sie die lĂ€ngerfristig attraktiven Marktbedingungen nur zeitweise verdeckten. "Mindestens sollten Anleger ihre AktiensparplĂ€ne fortsetzen oder damit beginnen."
"TemporÀre Verschnaufpause"
Den Charttechnikern der DZ Bank zufolge hat die mit dem Rekordhoch einhergehende AnnĂ€herung an das obere Bollinger-Band eine technische Gegenreaktion ausgelöst. Die habe am Freitag weitere KursrĂŒcksetzer ausgelöst. "Die temporĂ€re Verschnaufpause könnte im DAX als Basis fĂŒr den nĂ€chsten Trendschub fungieren." BestĂ€tigt werde dieses Szenario derzeit durch Kaufsignale von gleitenden Durchschnitten und der Slow Stochastik. Nun markiere das Tageshoch vom 20. September bei 18.910 Punkten die erste Barriere, die zweite sei das jĂŒngste Allzeithoch. "Das Long-Szenario ist hinfĂ€llig, wenn der DAX die Marke von 18.537 Punkten auf Schlusskursbasis unterschreitet."
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche
Montag, 23. September
Neue Indexzusammensetzung: Ab heute gelten die Anfang September bekannt gegebenen ?"nderungen in der Zusammensetzung der DAX-Indizes: Neu im MDAX sind Hypoport und Schott Pharma. DafĂŒr verlassen Encavis und Evotec den Index, die nun dem SDAX angehören. Neu im SDAX ist auĂerdem Deutsche EuroShop. Den SDAX verlassen neben Hypoport und Schott Pharma auch Baywa. DAX und TecDAX bleiben unverĂ€ndert.
10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex September.
Dienstag, 24. September
10.00 Uhr. Deutschland: ifo-GeschÀftsklimaindex September. Nach Sentix- und ZEW-Klima wird auch das ifo-GeschÀftsklima seinen AbwÀrtstrend fortsetzen, meint die DekaBank. Schwache Konjunkturindikatoren, abwÀrtsrevidierte Konjunkturprognosen und unklare Perspektiven lasteten auf der Unternehmensstimmung.
16.00 Uhr. USA: Verbrauchervertrauen Conference Board. Am Markt wird mit einer stabilen Entwicklung gerechnet.
Donnerstag, 26. September
14.30 Uhr. USA. AuftragseingĂ€nge langlebige GĂŒter August. Erwartet wird ein Minus von 2,8 Prozent gegenĂŒber dem Vormonat.
Freitag, 27. September
14.30 Uhr. USA: Preisindex Konsumausgaben ohne Lebensmittel und Energie. Im Jahresvergleich dĂŒrfte der Index von 2,5 auf 2,3 Prozent gesunken sein, meint die Deutsche Bank. Die Kernrate sei wohl leicht von 2,6 Prozent auf 2,7 Prozent gestiegen.
14.30 Uhr. USA: Konsumausgaben August. Erwartet wird, dass die US-Konsumausgaben um 0,3 Prozent im Monatsvergleich gewachsen sind, wie die Commerzbank erklÀrt, nach dem Zuwachs von 0,5 Prozent im Juli.
Von Anna-Maria Borse, 23. September 2024, © Deutsche Börse AG
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

