Gescheiterte, NDR-Intendantenwahl

Gescheiterte NDR-Intendantenwahl: Auswahlverfahren Àndern?

06.04.2025 - 15:15:56

Nach der vorerst nicht zustande gekommenen Intendantenwahl beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) fordern PersonalrÀte und Redaktionsausschuss ein transparenteres Auswahlverfahren.

"Die gescheiterte Wahl belegt deutlich, dass großer Reparaturbedarf besteht", heißt es in einer Stellungnahme der Personalvertretungen. Die einzige Kandidatin, die frĂŒhere Bertelsmann-Managerin Sandra Harzer-Kux, hatte die erforderliche Mehrheit am Freitag verfehlt.

Die Mitarbeitendengremien kritisierten, dass die BeschĂ€ftigten zwar ihre VorschlĂ€ge fĂŒr ein Stellenprofil einreichen durften, aber danach nicht mehr in den Auswahlprozess einbezogen wurden. "Keines der Gremien hatte auch nur die Chance, eine Frage an die vorgeschlagene Kandidatin zu stellen", schreiben die Vertreterinnen und Vertreter. Sie wollen ein Rederecht in Rundfunk- und Verwaltungsrat. Dies könnte auch externen Kandidatinnen und Kandidaten Einblicke in Themen von BeschĂ€ftigten ermöglichen, so die Idee.

Externe an der Spitze eher selten

Die externe Personalie Harzer-Kux galt als Überraschung. HĂ€ufig kommt es vor, dass die Topposten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch wegen der komplexen Struktur mit FĂŒhrungskrĂ€ften aus den eigenen HĂ€usern besetzt werden. Die 52 Jahre alte Managerin arbeitete zuvor viele Jahre im Bertelsmann-Kosmos.

Binnen eines Monats kann der Verwaltungsrat erneut einen Personalvorschlag unterbreiten. Es darf nach Gremienangaben nicht dieselbe Person sein wie im ersten Wahlgang. Wie es ganz konkret weitergeht, ist unklar. Die nÀchste regulÀre Sitzung des Rundfunkrats ist Mitte Mai.

Das Kontrollgremium Rundfunkrat, das die Senderspitze wÀhlt, kritisierte im Anschluss unter anderem, dass es keine Wahl zwischen mehreren Kandidaten gab. Das liegt am NDR-Staatsvertrag, der festlegt, dass der Verwaltungsrat einen Personalvorschlag machen kann.

Gremien: Darf ein Wahlvorschlag wirklich nur eine Person enthalten?

PersonalrĂ€te und Redaktionsausschuss schlugen in ihrer ErklĂ€rung vor, die Auslegung des Staatsvertrages erneut zu prĂŒfen: "Ist es wirklich so, dass ein Wahlvorschlag nur einen Kandidaten oder eine Kandidatin enthalten darf? Oder könnte ein solcher Vorschlag auch mehrere Namen enthalten, damit der Rundfunkrat eine echte Wahl hat?"

Gesucht wird eine Nachfolge fĂŒr Senderchef Joachim Knuth. Der 65-JĂ€hrige hatte einen vorzeitigen Übergang zum 1. September angeboten. Knuth ist seit Januar 2020 Intendant des drittgrĂ¶ĂŸten ARD-Senders. Sein Vertrag lĂ€uft eigentlich regulĂ€r bis Mitte Januar 2026.

Es fehlten vier Ja-Stimmen

Laut Verwaltungsrat gab es zunĂ€chst ein engeres Bewerberumfeld von vier Frauen und vier MĂ€nnern. Am Ende habe sich der Rat zwischen zwei MĂ€nnern und Harzer-Kux entschieden. Sie hĂ€tte 34 Ja-Stimmen benötigt. Es stimmten aber nur 30 RundfunkrĂ€te fĂŒr sie. Zudem gab es 14 Neinstimmen und 6 Enthaltungen. Man sei froh, dass der Rundfunkrat deutlich zeige, dass er sich der Bedeutung des Amtes der Intendantin oder des Intendanten fĂŒr die Zukunftssicherung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bewusst sei, kommentierten PersonalrĂ€te und Redaktionsausschuss in ihrer ErklĂ€rung.

Der Rundfunkrat, der wĂ€hlte, ist das zweite Kontrollgremium des Senders und soll verschiedene gesellschaftliche Gruppen reprĂ€sentieren. In dem Rat sitzen Vertreter aus Organisationen, Politik, Wirtschaft und religiösen Gemeinschaften. Er kontrolliert, ob der Sender die programmlichen Vorgaben einhĂ€lt, und kann nach der Ausstrahlung RĂŒckmeldungen geben.

@ dpa.de