ROUNDUP, EU-Krisensitzung

EU-Krisensitzung wegen Trumps Zollandrohung

18.01.2026 - 11:35:18

Nach der Zollandrohung von US-PrÀsident Donald Trump gegen Deutschland und sieben weitere europÀische LÀnder im Grönland-Konflikt ringt die EuropÀische Union um eine schnelle Antwort.

In einer Krisensitzung kommen heute Nachmittag in BrĂŒssel Vertreter der EU-Staaten auf Botschafterebene zusammen. Ob dabei mögliche Gegenmaßnahmen besprochen werden, blieb zunĂ€chst unklar.

In einem beispiellosen Schritt hatte Trump am Samstag unter Verweis auf den Konflikt um Grönland ab Februar zusĂ€tzliche Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europĂ€ische Staaten angekĂŒndigt - alle von ihnen Nato-LĂ€nder. Die gestaffelten Zölle sollen so lange gelten, bis ein Abkommen ĂŒber den vollstĂ€ndigen Kauf der Arktisinsel erzielt werde, schrieb Trump auf Truth Social.

Der US-PrĂ€sident hat wiederholt deutlich gemacht, dass Amerika sich die Insel einverleiben will - was die europĂ€ischen Nato-Partner vehement ablehnen. Trump zufolge wĂŒrden ansonsten Russland oder China die Insel ĂŒbernehmen. Grönland ist weitgehend autonom und gehört zum Staatsgebiet des Nato-Mitglieds DĂ€nemark.

Die Nato-VerbĂŒndeten sind dagegen ĂŒberzeugt, dass Grönland nicht von den USA ĂŒbernommen werden mĂŒsse, um die Arktis zu schĂŒtzen. Trump stĂ¶ĂŸt sich auch daran, dass Deutschland und andere europĂ€ische Nato-Staaten jĂŒngst Soldaten fĂŒr eine Erkundungsmission vor einer MilitĂ€rĂŒbung auf die Insel geschickt haben.

EU-Spitzen warnen nach Zollandrohung

Die EU-Spitzen warnten nach der Zollandrohung davor, "Zölle wĂŒrden die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefĂ€hrliche AbwĂ€rtsspirale riskieren". EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa teilten beide weiter in den sozialen Netzwerken mit: "Europa wird weiterhin geeint und koordiniert vorgehen und sich fĂŒr die Wahrung seiner SouverĂ€nitĂ€t einsetzen".

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas teilte in den sozialen Medien mit, China und Russland wĂŒrden sich ins FĂ€ustchen lachen. "Sie sind diejenigen, die von den Spaltungen unter den VerbĂŒndeten profitieren." Ähnlich Ă€ußerte sich die EU-ParlamentsprĂ€sidentin Roberta Metsola. Die von Trump angekĂŒndigten Maßnahmen riskierten, gemeinsame Feinde zu ermutigen. Grönland stehe nicht zum Verkauf, daran Ă€nderten auch Zölle nichts.

WĂ€hrend andere Regierungschefs wie Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron oder der britische Premierminister Keir Starmer öffentlich den Vorstoß Trumps kritisierten, Ă€ußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zunĂ€chst nicht dazu. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte lediglich, die Bundesregierung befinde sich in engster Abstimmung mit den europĂ€ischen Partnern. Auch die Nato reagierte zunĂ€chst nicht.

Widerstand auch in den USA

Auch im US-Kongress in Washington regte sich Widerstand gegen Trumps Zollandrohung. Der demokratische MinderheitsfĂŒhrer im US-Senat, Chuck Schumer, kĂŒndigte an, die angedrohten Zölle stoppen zu wollen. "Die Demokraten im Senat werden ein Gesetz einbringen, um diese Zölle zu blockieren, bevor sie der amerikanischen Wirtschaft und unseren VerbĂŒndeten in Europa weiteren Schaden zufĂŒgen", teilte Schumer mit. Die törichten Zölle Trumps hĂ€tten die Preise bereits in die Höhe getrieben und der US-Wirtschaft geschadet.

Jetzt verschlimmere Trump die Lage nur noch mehr, teilte Schumer mit. Die Demokraten sind im Senat zwar in der Minderheit, zu Trumps Zoll-PlĂ€nen haben sich aber auch bereits Republikaner kritisch geĂ€ußert.

Die beiden Co-Vorsitzenden der parteiĂŒbergreifenden Nato-Beobachtergruppe des Senats, die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, erklĂ€rten: Eine solche Rhetorik helfe Gegnern wie Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, "die eine Spaltung der Nato sehen wollen". "Zu einer Zeit, in der viele Amerikaner bereits ĂŒber steigende Lebenshaltungskosten besorgt sind, wĂŒrden diese Zölle die Preise sowohl fĂŒr Familien als auch fĂŒr Unternehmen erhöhen."

Fraktionen im EU-Parlament wollen Zoll-Deal nicht mehr

Die EU und die USA hatten sich im vergangenen Jahr im Zollkonflikt auf einen Deal verstĂ€ndigt, dem das EU-Parlament noch zustimmen muss. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent fĂŒr die meisten europĂ€ischen Produkte gelten. Zölle auf US-IndustriegĂŒter dagegen sollen vollstĂ€ndig abgeschafft werden, und Barrieren fĂŒr den Import von bestimmten Lebensmitteln sollen fallen.

Der Chef der EuropĂ€ischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, teilte mit, seine Fraktion befĂŒrworte den Zoll-Deal, doch eine Zustimmung sei angesichts der Drohungen durch Trump zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. "Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte mĂŒssen ausgesetzt werden", erklĂ€rte der CSU-Politiker. Die EVP ist die grĂ¶ĂŸte Fraktion im EuropĂ€ischen Parlament.

Auch die Chefinnen der Fraktion der Sozialdemokraten und der liberalen Renew-Fraktion lehnen die Einigung mit den Vereinigten Staaten nun ab. Eine Annahme des Zoll-Deals bei der Abstimmung im EU-Parlament nÀchste Woche scheint damit nun ausgeschlossen.

Expertin: Trump will mit Zoll-Drohung EuropÀer spalten

Nach Ansicht der Forschungsgruppenleiterin Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) will Trump mit seiner Zollandrohung die EuropĂ€er spalten. "Trump macht das, weil er es kann und weil Grönland fĂŒr ihn eine wichtige "TrophĂ€e" ist", sagte Laura von Daniels der Deutschen Presse-Agentur. Er nutzte die Zölle gegen einzelne europĂ€ische Staaten, "um maximal Druck aufzubauen und die EuropĂ€er, die bisher in der Grönland-Krise eng zusammenstehen, zu spalten."

Erkundungsmission auf Grönland lÀuft

Auf Grönland lĂ€uft aktuell unter Beteiligung der Bundeswehr eine Erkundungsmission. Deutschland und weiteren Nationen geht es zunĂ€chst um eine Erkundungsmission vor einer eigentlichen MilitĂ€rĂŒbung. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen die deutschen Soldatinnen und Soldaten auf der Insel Bedingungen fĂŒr gemeinsame MilitĂ€rĂŒbungen prĂŒfen. Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit seinen Nato-Partnern dazu beitragen könne, sagte ein Sprecher.

Das deutsche Team - 15 MÀnner und Frauen - besteht demnach aus Logistikern und Experten unterschiedlicher Bereiche. Es war am Freitag auf Grönland eingetroffen.

Trump kritisierte die Entsendung der Soldatinnen und Soldaten. "DĂ€nemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland sind nach Grönland gereist, fĂŒr unbekannte Zwecke", schrieb Trump. Dies sei eine "sehr gefĂ€hrliche Situation" fĂŒr die Sicherheit, den Schutz und das Überleben des Planeten. Die Zölle wĂŒrden fĂŒr alle genannten LĂ€nder gelten.

Demos gegen US-Annexion

Am Samstag hatten in DĂ€nemark und auf Grönland Tausende Menschen gegen die AnnexionsplĂ€ne des US-PrĂ€sidenten demonstriert. In Kopenhagen kĂŒndigten US-Parlamentarier an, das GesprĂ€ch mit US-Außenminister Marco Rubio suchen zu wollen.

Trump hatte angekĂŒndigt, ab dem 1. Februar sollten Strafzölle in Höhe von 10 Prozent gelten, ab dem 1. Juni Zölle in Höhe von 25 Prozent - auf alle Waren, die in die USA gesendet werden - bis ein Abkommen ĂŒber den Kauf Grönlands erzielt werde. Aktuell gilt seit Sommer fĂŒr die meisten EU-Exporte nach Amerika ein Zollsatz von 15 Prozent.

@ dpa.de