Ergebnisse, Produktion/Absatz

Infineon stimmt auf weitere RĂŒckgĂ€nge ein

12.11.2024 - 11:11:55 | dpa.de

Nach einem schwachen GeschÀftsjahr blickt der Chiphersteller Infineon DE0006231004 vorerst mit wenig Zuversicht auf die weitere Entwicklung.

Umsatz und ProfitabilitĂ€t dĂŒrften weiter sinken, kĂŒndigte das Unternehmen bei der Vorlage seiner Jahreszahlen an. Die LĂ€ger der Kunden sind weiterhin voll. Die Kundschaft konzentriert sich angesichts der mauen Konjunktur zunĂ€chst weiter auf den Abbau der BestĂ€nde und bestellt allenfalls kurzfristig.

"Aktuell bieten unsere EndmĂ€rkte, mit der Ausnahme von kĂŒnstlicher Intelligenz, kaum Wachstumsimpulse, die zyklische Erholung verzögert sich", sagte Konzernchef Jochen Hanebeck. Deswegen stelle sich Infineon auf einen verhaltenen GeschĂ€ftsverlauf ein.

Der Umsatz dĂŒrfte im GeschĂ€ftsjahr 2024/25 (per Ende September) leicht sinken, teilte das Unternehmen am Dienstag in Neubiberg mit. Die Segmentergebnismarge, die die operative RentabilitĂ€t misst, soll dabei im mittleren bis hohen Zehner-Prozentbereich liegen. Das liegt deutlich unter den Erwartungen der Analysten.

Nach EinschĂ€tzung von Finanzvorstand Sven Schneider dĂŒrften die Leerstandskosten, also Kosten fĂŒr eine Unterauslastung der Produktion, auf etwa eine Milliarde Euro steigen. Dies koste rund fĂŒnf Prozent an ProfitabilitĂ€t, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz. Dabei erwartet das Unternehmen einen traditionell schwachen Jahresstart.

Im ersten GeschĂ€ftsquartal bis Ende Dezember dĂŒrfte der Umsatz auf 3,2 Milliarden Euro sinken. Im Vorquartal waren es noch 3,9 Milliarden. Die Segmentergebnismarge dĂŒrfe nach EinschĂ€tzung der Konzernspitze im mittleren Zehner-Prozentbereich liegen - nach 21,2 Prozent in den drei Monaten zuvor.

Investoren zeigten sich zunĂ€chst unentschieden und schickten die Aktie am Morgen auf Schlingerkurs. FĂŒr die im Dax notierten Papiere des Chipkonzerns ging es bereits in den ersten Handelsminuten krĂ€ftig auf und ab. Zuletzt lag ihr Kurs am Vormittag mit mehr als fĂŒnf Prozent im Plus.

In der Theorie habe der Konzern die Aktien mit dem avisierten leichten UmsatzrĂŒckgang fĂŒr 2025 fĂŒr Anleger wieder investierbar gemacht, sagte ein Börsianer. Es werde wohl ausreichend tief gestapelt. Ähnlich sieht es Janardan Menon vom Analysehaus Jefferies. Eine schwache Prognose reduziere das Risiko weiterer KĂŒrzungen. Damit könne die Basis fĂŒr eine Neubewertung der Aktien gelegt werden.

Analystin Sara Russo vom US-Analysehaus Bernstein Research hob dennoch den enttÀuschenden Ausblick hervor - trotz der schon niedrigen Erwartungen. Sie geht zwar davon aus, dass Infineon seine Chancen im Bereich von KI-Servern ausnutzen wird. Dies scheine aber nicht auszureichen, um die anhaltende SchwÀche in den anderen EndmÀrkten wie dem Automobilsektor auszugleichen.

Um dem schwachen Marktumfeld zu begegnen, hatte Infineon im Sommer ein Sparprogramm aufgelegt, das auch Arbeitsplatzabbau und die Verlagerung von Jobs aus HochlohnlĂ€ndern vorsieht. Hier sieht sich Infineon im Plan. FĂŒr das neue GeschĂ€ftsjahr erwartet das Management um Hanebeck erste positive Auswirkungen. Richtig Fahrt aufnehmen soll es jedoch erst im Jahr darauf. Gestrichen werden sollen dabei weltweit 1.400 Stellen, noch einmal so viele will Infineon in gĂŒnstigere Regionen verlagern. In Deutschland sollen insgesamt rund 1.300 Stellen abgebaut oder verlagert werden, sagte Hanebeck.

Dazu sollen im kommenden Jahr die Investitionen auf 2,5 Milliarden Euro gesenkt werden. Dies entspricht Hanebeck zufolge einer KĂŒrzung um zehn Prozent.

Im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr 2023/24 verzeichnete Infineon einen Umsatz- und ErgebnisrĂŒckgang. Dies galt fĂŒr alle Bereiche, auch fĂŒr das zentrale GeschĂ€ft mit der Automobilindustrie. Dabei schloss Infineon mit einem versöhnlichen vierten Quartal, in dem sich die operative Entwicklung im Vergleich zu den drei Monaten zuvor verbesserte.

Der Umsatz sank 2023/24 jedoch insgesamt von 16,1 Milliarden auf knapp 15 Milliarden Euro, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Die Segmentergebnismarge verschlechterte sich um 6,2 Prozentpunkte auf 20,8 Prozent. Damit erreichte das Management seine mehrfach gesenkten Ziele. Unter dem Strich verdiente der Chipkonzern 1,3 Milliarden Euro und damit deutlich weniger als die 3,1 Milliarden Euro aus dem Vorjahr.

Im Schlussquartal verbuchte Infineon sogar einen Verlust von 84 Millionen Euro. Hier machte sich allerdings eine Altlast bemerkbar, derer sich der Konzern nun entledigt hat. Seit Ende 2010 hatte sich Infineon mit dem Insolvenzverwalter des 2006 abgespaltenen SpeichergeschÀfts Qimonda in einem Rechtsstreit befunden. Anfang 2009 hatte Qimonda Insolvenzantrag gestellt. In dem Rechtsstreit ging es unter anderem um den Vorwurf, dass das von Infineon ausgegliederte SpeichergeschÀft nicht werthaltig gewesen sei. Im August hatten sich Infineon und der Insolvenzverwalter dann auf einen Vergleich geeinigt, der den Konzern im vierten Quartal mit mehr als 400 Millionen Euro belastete.

Ungeachtet des GewinnrĂŒckgangs sollen AktionĂ€re eine unverĂ€nderte Dividende von 0,35 Euro je Aktie erhalten.

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