GDL beendet Streik bei der Bahn - Weselsky droht lÀngere AusstÀnde an
12.01.2024 - 19:06:55"Nach Abschluss dieser StreikmaĂnahmen lassen wir dem Unternehmen ein StĂŒck weit Zeit, um zur Besinnung zu kommen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitagabend in Berlin zum Ende des jĂŒngsten Ausstands. "Tun sie das nicht, wird die nĂ€chste ArbeitskampfmaĂnahme folgen. Sie wird lĂ€nger sein und sie wird das Unternehmen noch hĂ€rter treffen." Ein Datum fĂŒr den nĂ€chsten Ausstand nannte Weselsky nicht.
Der Streik bei der Deutschen Bahn endete um 18.00 Uhr. Auch danach war aber noch mit EinschrĂ€nkungen zu rechnen. Die Bahn bereitete sich nach eigenen Angaben auf den Betriebsstart am Samstag vor, um dann wieder planmĂ€Ăig fahren zu können. DB-Sprecherin Anja Bröker gab den FahrgĂ€sten den Rat, fĂŒr Fernverkehrsfahrten am Wochenende SitzplĂ€tze zu buchen, da nach drei Tagen Streik mit vollen ZĂŒgen zu rechnen sei.
Beim DB-Konkurrenten Transdev endete der Streik ĂŒberraschend schon am Freitag um 12.00 Uhr. Das Unternehmen habe der Gewerkschaft in einem neuen Angebot zugesichert, "ĂŒber sĂ€mtliche Kernforderungen der aktuellen Tarifrunde ernsthaft zu verhandeln", teilte die GDL mit. Transdev bestĂ€tigte das neue Angebot und kĂŒndigte Verhandlungen fĂŒr den kommenden Montag an. Das Unternehmen betreibt Regionalbahnlinien unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Bayern.
Weselsky erwartet ZugestÀndnisse der DB bei der Arbeitszeit
Kernforderung der GDL bei beiden Unternehmen ist die Absenkung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden fĂŒr Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich. Das lehnten Bahn und Transdev bisher ab. Bei beiden Unternehmen hatte die GDL die Verhandlungen deshalb noch vor dem Jahreswechsel fĂŒr gescheitert erklĂ€rt. Bei einigen kleineren Bahnunternehmen, Netinera und Go Ahead, gibt es bereits einen Abschluss, in dem sich die Forderung der GDL wiederfindet.
Eine Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen könne es nur geben, wenn die Bahn sich fĂŒr die Kernforderung offen zeige, sagte Weselsky. Die Bahn hat bisher lediglich die Erweiterung bestehender Arbeitszeit-Wahlmodelle angeboten. Wer in diesem Rahmen seine Arbeitszeit reduziert, muss aber finanzielle EinbuĂen in Kauf nehmen.
Die Bahn rief wiederum die GDL auf, an den Verhandlungstisch zurĂŒckzukehren. "Wir sind verhandlungsbereit, wir sind gesprĂ€chsbereit", sagte DB-Sprecherin Bröker. "Es ist jetzt auch an der GDL, an den Tisch zurĂŒckzukehren. Streiken, um alle Forderungen durchzusetzen - so funktionieren Tarifverhandlungen nicht."
GDL darf nach Urabstimmung auch unbefristet streiken
Der dritte und bisher lĂ€ngste Arbeitskampf im Tarifstreit mit der Bahn begann im Personenverkehr am frĂŒhen Mittwochmorgen und im GĂŒterverkehr am Dienstagabend. Die Bahn brachte mit einem Notfahrplan nach eigenen Angaben gut 20 Prozent des sonst ĂŒblichen Fernverkehrsangebot auf die Schiene, im Regionalverkehr waren die Auswirkungen des Streiks je nach Bundesland sehr unterschiedlich.
Die GDL hat sich im Dezember per Urabstimmung das Votum ihrer Mitglieder fĂŒr unbefristete Streiks abgeholt - daher kann Gewerkschaftschef Weselsky recht frei entscheiden, wann und wie lange er zum Arbeitskampf aufruft. Details zur Streikbeteiligung gab die GDL bisher nicht bekannt. Weselsky zeigte sich aber zufrieden mit dem Arbeitskampf und seinen Auswirkungen.
PĂŒnktlichkeit im Fernverkehr im Jahresvergleich gesunken
Neben den ZugausfĂ€llen wegen ArbeitskĂ€mpfen mussten die FahrgĂ€ste im vergangenen Jahr auch die schlechteste PĂŒnktlichkeitsquote im DB-Fernverkehr seit mindestens 15 Jahren hinnehmen. Wie der Konzern mitteilte, wurden 2023 lediglich 64 Prozent der Fernverkehrshalte pĂŒnktlich erreicht - das heiĂt mit einer VerspĂ€tung von maximal 5:59 Minuten. ZugausfĂ€lle werden in der Statistik nicht berĂŒcksichtigt.
Als Hauptgrund nannte ein DB-Sprecher die vielen Baustellen im Schienennetz. "Rund 75 Prozent der FernverkehrszĂŒge wurden Ende des Jahres auf ihrer Fahrt durch mindestens eine Baustelle ausgebremst", hieĂ es. Das Netz gilt als marode, viele Strecken sind dadurch sehr störanfĂ€llig. Das zunĂ€chst ausgegebene PĂŒnktlichkeitsziel von mehr als 70 Prozent im Fernverkehr hatte der Konzern schon vor einigen Monaten einkassiert.

