MilliardÀr Lynch tot aus Jacht geborgen
22.08.2024 - 16:17:32Der Leichnam des 59-jÀhrigen Unternehmers wurde von Spezialtauchern aus seinem Segelboot "Bayesian", das in 50 Metern Tiefe auf Grund liegt, an die OberflÀche gebracht. Vermisst wird jetzt nur noch seine 18 Jahre alte Tochter.
Insgesamt kamen bei dem UnglĂŒck am Montag aller Wahrscheinlichkeit nach sieben Menschen ums Leben, darunter zwei mit Lynch befreundete Ehepaare. Inzwischen mehren sich die VorwĂŒrfe gegen den KapitĂ€n des riesigen Segelboots, einen NeuseelĂ€nder mit viel Erfahrung auf den Weltmeeren. Die Staatsanwaltschaft lieĂ zunĂ€chst aber offen, ob sie Ermittlungen einleiten wird.
Lynch wollte mit Familie und Freunden Freispruch feiern
Lynch, einer der reichsten Briten, wollte auf der Segeltour zusammen mit der Familie und reichen Freunden eigentlich feiern, dass er nach jahrelanger Auseinandersetzung um den Verkauf seiner Firma vor Gericht letztlich gewonnen hatte. Seine Ehefrau, die ebenfalls an Bord war, gehört zu den 15 Ăberlebenden. Die 56 Meter lange "Bayesian" - benannt nach einem britischen Mathematiker aus dem 18. Jahrhundert - war eine der gröĂten Segeljachten weltweit.
Der genaue Hergang des UnglĂŒcks ist bis heute nicht geklĂ€rt. Möglicherweise wurden Crew und GĂ€ste am Montagmorgen vor dem Hafen Porticello unweit der Inselhauptstadt Palermo von einem schweren Unwetter ĂŒberrascht. Die Jacht befand sich nur eine halbe Seemeile - etwa 900 Meter - entfernt vom Ufer. Angeblich dauerte es keine 60 Sekunden, bis sie unterging. Der neuseelĂ€ndische KapitĂ€n behauptete: "Wir haben es nicht kommen sehen." Allerdings gibt es erhebliche Zweifel an dieser Darstellung.
Passagiere in Kabinen gefangen
Mit Ausnahme des Schiffskochs ĂŒberlebte die gesamte Besatzung. Von den zwölf Passagieren ist jedoch wohl die HĂ€lfte tot. Darunter sind neben Lynch und seiner Tochter Hannah zwei befreundete Ehepaare: einer der Chefs der Investmentbank Morgan Stanley, Jonathan Bloomer, mit seiner Frau Anne Elizabeth sowie der Anwalt Chris Morvillo und seine Frau Nada. Sie alle hielten sich wĂ€hrend des UnglĂŒcks am Morgen noch in ihren Kabinen auf, aus denen sie sich nicht mehr befreien konnten.
Vermutet wird, dass die riesige Jacht von einer Monsterwelle erfasst wurde und nicht stabil genug im Wasser lag. Angeblich sank sie innerhalb einer einzigen Minute. Spekuliert wird ĂŒber eine offen gelassene Luke auf dem Oberdeck oder ein falsch eingestelltes Schwert am Rumpf, mit dem der Tiefgang des Schiffes reguliert werden kann. Die "Bayesian" gehörte der Familie Lynch.
Segeljacht mit regulierbarem Tiefgang
Das 15 Jahre alte Schiff - gebaut von der italienischen Werft Perrini- war mit einem System ausgestattet, mit dem sich Tiefgang mehr alshalbieren lieĂ: Unter normalen Segelbedingungen hatte es eine Kieltiefe von annĂ€hernd zehn Metern, wenn das bewegliche Schwert vollstĂ€ndig ausgefahren war. Damit konnten die GegenkrĂ€fte des 75 Meter hohen Mastes ausgeglichen werden. Der Tiefgang konnte jedoch auf etwa vier Meter reduziert werden - beispielsweise, um in einen Hafen zu kommen. Möglicherweise wurde das nun zum VerhĂ€ngnis.
Der MiteigentĂŒmer der Perrini-Werft, Giovanni Costantino, machte KapitĂ€n und Besatzung fĂŒr den Untergang mitverantwortlich. "Alles, was getan wurde, offenbart eine sehr lange Reihe von Fehlern", sagte Costantino der Zeitung "Corriere della Sera" (Donnerstag). "Die Leute hĂ€tten nicht in den Kabinen sein dĂŒrfen, das Schiff hĂ€tte nicht vor Anker liegen dĂŒrfen. Das Unwetter war auf allen Wetterkarten deutlich zu erkennen." Beispielsweise sei kein einziger Fischer aus Porticello unterwegs gewesen.
Auch Lynch-Freund kam kĂŒrzlich zu Tode
Der Tech-Unternehmer Lynch wurde in seiner Heimat gern als "britischer Bill Gates" bezeichnet. Lynch hatte die Softwarefirma Autonomy 2011 fĂŒr elf Milliarden US-Dollar (aktuell fast zehn Milliarden Euro) an Hewlett-Packard verkauft - eines der schlimmsten Ăbernahme-Debakel im Silicon Valley. Zusammen mit dem frĂŒheren Finanzmanager Steve Chamberlain soll er den US-Konzern ĂŒber den Zustand ihres Unternehmens getĂ€uscht haben. Ein Geschworenengericht sprach die beiden jedoch frei. Chamberlain kam vor wenigen Tagen ebenfalls zu Tode: Er wurde beim Joggen von einem Auto erfasst.

