EU unterzeichnet Freihandelsabkommen mit Mercosur
18.01.2026 - 11:35:05 | dpa.deNach ĂŒber 25 Jahren Verhandlungen haben Vertreter der EuropĂ€ischen Union und von vier sĂŒdamerikanischen LĂ€ndern des Staatenbunds Mercosur das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken unterzeichnet.
An der Zeremonie in der Zentralbank in der paraguayischen Hauptstadt AsunciĂłn nahmen EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa, Argentiniens PrĂ€sident Javier Milei, Paraguays Staatschef Santiago Peña und der uruguayische PrĂ€sident YamandĂș Orsi teil.
Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern und einer gemeinsamen Wirtschaftsleistung von rund 22 Billionen US-Dollar (19 Billionen Euro) wird eine der gröĂten weltweit sein.
EU rechnet mit Export-ZuwÀchsen von 39 Prozent
Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und dem Mercosur angekurbelt werden. Die EU rechnet durch das Abkommen mit einer Steigerung der jÀhrlichen Exporte in den Mercosur um 39 Prozent. Damit ist die neue Freihandelszone auch ein Zeichen gegen die protektionistische Zollpolitik von US-PrÀsident Donald Trump.
Kurz vor der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU und dem Mercosur kĂŒndigte Trump wegen des Grönland-Konflikts zusĂ€tzliche Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europĂ€ische LĂ€nder an. Ab dem 1. Februar wĂŒrden zunĂ€chst 10 Prozent fĂŒr in die USA gesendete Waren fĂ€llig. Ab dem 1. Juni steige der Zollsatz auf 25 Prozent, wenn kein Abkommen zu der Arktisinsel erzielt werde. Trump betont immer wieder, dass die ressourcenreiche Insel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA ĂŒbergehen mĂŒsse.
"Wenn wir Wohlstand wollen, mĂŒssen wir MĂ€rkte öffnen, nicht schlieĂen. Wir mĂŒssen Zonen der wirtschaftlichen Integration schaffen und nicht die Zölle erhöhen", sagte EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa bei einer Pressekonferenz auf die Frage nach Trumps Zoll-AnkĂŒndigung. "Die EU war immer sehr entschlossen in der Verteidigung des Völkerrechts - und natĂŒrlich besonders im Gebiet eines Mitgliedstaats."
EU-KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen stellte den Vertrag als klare Entscheidung fĂŒr Freihandel und offene MĂ€rkte dar. "Dieses Abkommen sendet ein starkes Signal an die Welt. Wir entscheiden uns fĂŒr fairen Handel statt Zölle, wir entscheiden uns fĂŒr eine produktive, langfristige Partnerschaft, und vor allem wollen wir unseren BĂŒrgern und Unternehmen echte und greifbare Vorteile verschaffen", sagte sie in ihrer Rede.
Freihandel mit Mercosur als Antwort auf US-Zollpolitik
Nach EinschĂ€tzung des Ifo-Instituts kann das Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur die EinbuĂen aus der US-Zollpolitik zumindest teilweise kompensieren. "Die Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten ist ein wichtiger erster Schritt", sagte die Leiterin des Ifo-Zentrums fĂŒr AuĂenwirtschaft, Lisandra Flach. "Es sind aber zusĂ€tzliche Handelsabkommen mit weiteren Handelspartnern nötig, um die negativen Folgen der US-Zollpolitik zu kompensieren."
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sprach von einem starken Signal fĂŒr den Freihandel. Besonders wichtig sei auch der Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium und Kupfer etwa fĂŒr ElektromobilitĂ€t und Erneuerbare Energien. GroĂe Chancen werden auch fĂŒr die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen. Auf Autoimporte in die Mercosur-LĂ€nder wird beispielsweise derzeit ein Zoll in Höhe von 35 Prozent fĂ€llig.
Die Verhandlungen ĂŒber das Mercosur-Abkommen waren bereits 1999 gestartet worden. Die EU-Kommission hatte sie dann im Dezember 2024 trotz anhaltender Kritik aus LĂ€ndern wie Frankreich abgeschlossen. Zuletzt brachte der Zollstreit der EU mit den USA noch einmal neue Dynamik in den Prozess. Viele LĂ€nder wollen jetzt zeigen, dass die Zeiten des freien Handels nicht vorbei sind - zu ihnen gehört insbesondere Deutschland.
EuropĂ€ische Bauern fĂŒrchten gnadenlosen Wettbewerb
Gegner des Abkommens kritisieren allerdings, dass Bauern in Europa in einen harten Preiskampf mit den besonders wettbewerbsfĂ€higen sĂŒdamerikanischen Farmern gezwungen wĂŒrden. Immer wieder gingen Landwirte in Europa gegen den Deal auf die StraĂe.
Kurz vor der Einigung wurden deshalb Sicherheitsklauseln in das Abkommen eingearbeitet, nach denen im Fall eines starken Anstiegs der Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines ĂŒbermĂ€Ăigen Preisverfalls rasch GegenmaĂnahmen in Gang gesetzt werden können.
UmweltschĂŒtzer warnen vor Folgen fĂŒr Regenwald und Tiere
UmweltschĂŒtzer befĂŒrchten zudem, dass durch eine stĂ€rkere Nachfrage landwirtschaftlicher Produkte in Europa die Abholzung des Regenwaldes in SĂŒdamerika befeuert werden könnte. AuĂerdem rechnen sie mit negativen Folgen fĂŒr die Artenvielfalt und die traditionelle Lebensweise indigener Gemeinschaften.
Wie geht es jetzt weiter?
Um den Freihandelsvertrag zum Abschluss zu bringen, hatte ihn die EU in ein politisches Partnerschaftsabkommen und ein Interimsabkommen ĂŒber den Handel aufgespalten. Da das Handelsabkommen in die ausschlieĂliche ZustĂ€ndigkeit der EU fĂ€llt, konnte der Rat der Mitgliedsstaaten in der vergangenen Woche per Mehrheitsentscheidung den Abschluss und die Unterzeichnung beschlieĂen. Auch eine Ratifizierung durch nationale Parlamente ist nicht erforderlich.
Bevor das Freihandelsabkommen in Kraft treten kann, muss es noch vom EuropĂ€ischen Parlament gebilligt werden. Es gebe bislang keine PlĂ€ne, den Vertrag bereits zuvor vorlĂ€ufig zur Anwendung kommen zu lassen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Es gehe nun darum, im EU-Parlament um UnterstĂŒtzung fĂŒr den Deal zu werben.
Das politische Partnerschaftsabkommen wiederum tritt erst in Kraft, wenn es von den EU-Mitgliedsstaaten und den beteiligten Mercosur-LĂ€ndern ratifiziert wurde.
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