Ukraine erwartet rasch nÀchste Verhandlungen in den USA
06.02.2026 - 06:35:03Die nĂ€chste Verhandlungsrunde ĂŒber ein Kriegsende werde wahrscheinlich in den USA stattfinden, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft aus Kiew.
Seit Mittwoch hatten UnterhĂ€ndler der Ukraine, Russlands und der USA in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) miteinander gesprochen. Selenskyj sagte nicht, ob die kĂŒnftigen GesprĂ€che in den USA ebenfalls in diesem Dreierformat stattfinden sollen.
Die Ukraine sei bereit zu allen GesprĂ€chsformaten, "die den Frieden wirklich nĂ€her bringen und ihn zuverlĂ€ssig und dauerhaft machen können, so dass Russland den Appetit verliert, weiterzukĂ€mpfen", sagte er. "Es ist wichtig, dass dieser Krieg so endet, dass Russland keinen Lohn fĂŒr seine Aggression erhĂ€lt."
USA loben GesprÀche in Abu Dhabi
Zum Inhalt des Treffens in Abu Dhabi wurden keine detaillierten Angaben gemacht. "Die Diskussionen waren konstruktiv und konzentrierten sich darauf, Vorbedingungen fĂŒr einen dauerhaften Frieden zu schaffen", schrieb der von PrĂ€sident Donald Trump eingesetzte US-Sondergesandte Steve Witkoff auf der Plattform X.
Von russischer und ukrainischer Seite nahmen viele MilitĂ€rvertreter an den GesprĂ€chen teil. Witkoff erklĂ€rte, es sei ĂŒber Methoden gesprochen worden, um eine Waffenruhe zu erreichen und die Einstellung militĂ€rischer AktivitĂ€ten zu ĂŒberprĂŒfen. Neben den DreiergesprĂ€chen mit der Ukraine vereinbarten die USA und Russland bilateral, ihren 2021 ausgesetzten MilitĂ€rdialog wiederzubeleben.
Selenskyj bleibt bei Territorialfrage hart
Ein Thema am Golf dĂŒrfte die Moskauer Forderung gewesen sein, dass die ukrainische Armee aus den noch von ihr beherrschten Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk abzieht. Moskau verlangt, dass die internationale Gemeinschaft die Zugehörigkeit dieser Territorien zu Russland anerkennt.
"Selbst wenn jemand unsere Gebiete als russisch anerkennt, wird das nichts bringen", kommentierte Selenskyj in Kiew. Denn nicht alle Staaten wĂŒrden dies tun, und kein Verzicht sei gĂŒltig ohne seine Unterschrift als PrĂ€sident. "Deshalb gehören unsere Gebiete zu uns, auch wenn sie vorĂŒbergehend besetzt sind", sagte Selenskyj bei einer Pressekonferenz mit Polens MinisterprĂ€sident Donald Tusk in Kiew. Selenskyj und Tusk vereinbarten, die RĂŒstungskooperation ihrer LĂ€nder zu verstĂ€rken.
157 gegen 157: Moskau und Kiew tauschen Gefangene aus
Einziges greifbares Ergebnis wĂ€hrend des Treffens in Abu Dhabi war der erste Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine seit mehreren Monaten. Jede Seite entlieĂ 157 gefangene Soldaten in die Heimat. Selenskyj teilte mit, es seien Soldaten der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und der Grenztruppen zurĂŒckgekehrt. Einige seien seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen.
Der Austausch zeige, dass "ein nachhaltiges diplomatisches Engagement greifbare Ergebnisse liefert und die BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine vorantreibt", lobte US-Vertreter Witkoff. Allerdings haben die Kriegsparteien mittlerweile 71 Mal Gefangene ausgetauscht, und das fast immer ohne Beteiligung der USA.
Die Vereinigten Arabischen Emirate hĂ€tten seit Kriegsbeginn 18 Mal zwischen Moskau und Kiew vermittelt und den Austausch von 5.000 Gefangenen ermöglicht, teilte das emiratische AuĂenministerium der Staatsagentur WAM zufolge mit.
Ukraine will russisches RaketentestgelÀnde beschossen haben
Selenskyj griff eine Mitteilung seines Generalstabs auf, wonach die Ukraine mit ihrem selbst entwickelten Marschflugkörper Flamingo das RaketentestgelĂ€nde Kapustin Jar bei Astrachan in SĂŒdrussland beschossen habe. "Unsere Flamingos haben ihre Arbeit getan", sagte Selenskyj und dankte den beteiligten Soldaten. Von Moskauer Seite gab es dazu keine Angaben. Von Kapustin Jar aus hatte die russische Armee zweimal die zerstörerische neue Mittelstreckenrakete Oreschnik auf die Ukraine abgeschossen.
Zahlreiche HĂ€user in Kiew dauerhaft ohne Heizung
Mehr als 1.100 Wohnblocks in Kiew können wegen der Zerstörung eines Heizkraftwerks in diesem Winter absehbar nicht mehr beheizt werden. Das teilte BĂŒrgermeister Vitali Klitschko mit. Die Verwaltung der Drei-Millionen-Stadt veröffentlichte eine Liste mit 1.126 betroffenen GebĂ€uden, die alle in den Stadtteilen Darnyzja und Dniprowskyj auf dem östlichen Ufer des Dnipro liegen.
Das Heizkraftwerk fĂŒr diese Stadtteile sei bei einem russischen Luftangriff am Dienstag so beschĂ€digt worden, dass die Reparatur mindestens zwei Monate dauern werde, schrieb Klitschko.
In der ukrainischen Hauptstadt mĂŒssen die Menschen schon seit schweren Luftangriffen Anfang Januar teils ohne Strom, Heizung und Wasser ausharren. Dabei herrscht strenger Frost. Die ukrainische FĂŒhrung wirft Russland vor, die Menschen mit KĂ€lte und Dunkelheit zu terrorisieren. Die Ukraine hĂ€lt seit fast vier Jahren einer groĂangelegten russischen Invasion stand.

