Nationale Krise in der Landwirtschaft
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 16:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDeshalb will der CSU-Politiker den Agrarbetrieben im Umfang von einer Milliarde Euro finanziell unter die Arme greifen. Im Zentrum der Hilfen stehen zwei LiquiditĂ€tsprogramme, bei denen Landwirte ohne bĂŒrokratischen Aufwand Darlehen zu niedrigen Zinsen erhalten sollen. Der Deutsche Bauernverband hĂ€lt das allerdings fĂŒr nicht ausreichend.
Ein formales "Schadensereignis von nationalem AusmaĂ" wie bei der DĂŒrre 2018 oder dem Hochwasser 2021 rief Rainer nicht aus. Nur dann leistet der Bund nĂ€mlich parallel zu den LĂ€ndern finanzielle Hilfe zum Schadensausgleich.
Aber auf eine UnterstĂŒtzung der Landwirtschaft will Rainer trotzdem nicht verzichten. "Wenn die Substanz unserer Betriebe dauerhaft gefĂ€hrdet ist, dĂŒrfen wir nicht einfach zur Tagesordnung ĂŒbergehen", erlĂ€uterte der Minister in Berlin. Die Landwirte mĂŒssten handlungsfĂ€hig bleiben, um die ErnĂ€hrungssicherheit in Deutschland zu gewĂ€hrleisten.
Neben den LiquiditĂ€tsprogrammen soll es unter anderem steuerliche Erleichterungen sowie gezielte DĂŒngemittelhilfen geben. AuĂerdem kĂŒndigte Rainer an, die Direktzahlungen an die deutsche Landwirtschaft im kommenden Jahr einmalig auf 700 Millionen Euro zu erhöhen.
Bauernverband fordert zusĂ€tzliche MaĂnahmen
Der Bauernverband reagierte enttĂ€uscht. Die angekĂŒndigten LiquiditĂ€tsprogramme zeigten Handlungswillen, seien aber nicht ausreichend, sagte GeneralsekretĂ€rin Stefanie Sabet. "Die Betriebe brauchen kurzfristig liquide Mittel im Herbst, um die nĂ€chste Ernte zu finanzieren."
DarĂŒber hinaus forderte sie, die DĂŒngemittelhilfen von 60 Millionen auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Ăberdies mĂŒssten 80 Prozent der zugesagten Direktzahlungen schon vorzeitig im Oktober flieĂen.
Der Verbraucherorganisation Foodwatch gehen hingegen schon die jetzigen Hilfen zu weit. "Die Antwort der Bundesregierung auf die Krise der Landwirte darf nicht sein, Millionen an Steuergeld ohne Bedingungen in den Sektor zu pumpen", betonte Foodwatch-Expertin Annemarie Botzki. Wer öffentliche Hilfe bekommt, mĂŒsse auch mehr Verantwortung fĂŒr Wasser- und Klimaschutz ĂŒbernehmen - etwa durch weniger Nutztierhaltung und weniger Pestizide.
"Verheerende Spuren" in der Erntebilanz 2026
Hintergrund der MaĂnahmen ist die Erntebilanz, die wegen des DĂŒrre-Sommers vielerorts enttĂ€uschend ausgefallen ist. In einigen Regionen hĂ€tten Trockenheit und Hitze teils "verheerende Spuren" hinterlassen, sagte Rainer.
Die Erntemenge beim Getreide sank demnach mit rund 37,4 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent; in Bayern lag das Minus bei 8,6 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern - dem gröĂten Rapsanbauland - gingen die HektarertrĂ€ge sogar um rund 25 Prozent zurĂŒck.
Dazu kommen steigende Produktionskosten - vor allem bedingt durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten - bei gleichzeitig sinkenden Erzeugerpreisen. Die Landwirtschaft stehe deshalb vor "multifaktoriellen Herausforderungen", sagte Rainer: "Es geht um die wirtschaftliche Existenz unserer Betriebe."
