Nebius, Aktie

Nebius Aktie: 775-Millionen-Kredit bis 2030

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 07:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nebius setzt auf besicherte Kredite statt Aktienverwässerung, um das rasante Wachstum im KI-Infrastrukturgeschäft zu finanzieren.

Nebius Aktie: Kreditstrategie und Milliarden-Wachstum im KI-Sektor
Eine abstrakte Darstellung eines langfristigen Finanzabkommens mit sanftem Licht und einer subtilen aufwärts gerichteten Kurve. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Aktie legte um 3,62 Prozent zu und schloss bei 155,52 Euro. Der Sprung ändert wenig am Gesamtbild: Auf Monatssicht steht ein Minus von 36,83 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch fehlen dem Titel noch rund 40 Prozent. Der jüngste Ausschlag fällt in eine Phase, in der Anleger die Finanzierungsmodelle der gesamten KI-Infrastrukturbranche neu bewerten.

Kredit ohne Verwässerung als Reaktion auf Kapitalbedarf

Auslöser der jüngsten Turbulenzen war ein 775 Millionen Dollar schwerer besicherter Kredit, den Nebius Mitte Juli aufgenommen hat. Das Darlehen ist durch bereits ausgelieferte GPU-Infrastruktur sowie durch Cashflows von Kunden mit Investment-Grade-Rating gedeckt, es läuft zu SOFR plus 250 Basispunkten und wird am 31. Oktober 2030 fällig. Nach Unternehmensangaben decken die zugrunde liegenden Kundenverträge mehr als 100 Prozent der damit finanzierten Investitionen ab, die Schuldendienstdeckung liegt bei 1,15x. Der Vorteil aus Aktionärssicht: Das Unternehmen umgeht damit eine Verwässerung über neue Aktien oder Wandelanleihen, ein Modell, das laut Berichten wiederholbar für künftige kundengebundene Finanzierungen angelegt ist.

Der Markt reagierte zunächst skeptisch. In der Woche zum 17. Juli verlor die Aktie in Dollar gerechnet 19,1 Prozent, bevor sie an jenem Freitag um rund 8 Prozent von ihrem Tagestief zulegte. Damit traf Nebius keineswegs ein Einzelschicksal: Im selben Zeitraum brach CoreWeave um 17,6 Prozent ein, IREN verlor 18,3 Prozent, während der Nasdaq Composite insgesamt um 2,9 Prozent nachgab. Positiv wertete der Markt, dass Nvidia zuvor bereits 2 Milliarden Dollar über vorfinanzierte Warrants in das Unternehmen investiert hatte – ein Signal, das viele Beobachter als Vertrauensbeweis in das Geschäftsmodell lesen.

Auftragsbestand wächst schneller als der Cashflow

Operativ liefert Nebius weiterhin hohe Wachstumsraten. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 684 Prozent auf 399 Millionen Dollar, das AI-Cloud-Segment legte sogar um 841 Prozent auf 389,7 Millionen Dollar zu. Das Unternehmen verfügt über mehr als 40 Milliarden Dollar an zusätzlichen vertraglich gesicherten Erlösen von Microsoft und Meta und peilt bis Jahresende eine annualisierte Umsatzrate von 7 bis 9 Milliarden Dollar an. Für 2026 plant Nebius Investitionen von 20 bis 25 Milliarden Dollar, ein Analystenhaus beziffert die Leitlinie konkreter mit 22,5 Milliarden Dollar. Ergänzend hat das Unternehmen eine 1,7 Milliarden Dollar schwere Initiative mit Bloom Energy für Brennstoffzellen angestoßen, um den Strombedarf der Rechenzentren zu decken.

Zum Ausbau der physischen Kapazitäten zählt eine geplante 310-Megawatt-KI-Fabrik im finnischen Lappeenranta, deren erste Kapazität 2027 ans Netz gehen soll, sowie eine Erweiterung in New Jersey um 300 Megawatt. Ziel ist eine vertraglich gesicherte Stromkapazität von mehr als 3 Gigawatt. Zusätzlichen Rückenwind lieferte Mitte Juli ein Auftrag über mehr als 1 Milliarde Dollar mit dem KI-Start-up Reflection AI für Rechenkapazität samt aktueller Nvidia-Chips. Nebius verfügte zum Ende des ersten Quartals über eine Kassenposition von 9,3 Milliarden Dollar, dem stehen 8,43 Milliarden Dollar an langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber. Der Vermögensverwalter Jennison Associates baute im ersten Quartal eine neue Position von 1.700.223 Aktien im Wert von rund 176,4 Millionen Dollar auf und hält damit 0,68 Prozent des Unternehmens; die institutionelle Beteiligung insgesamt liegt bei 21,9 Prozent. Unter den Analysten überwiegen mit neun Kaufempfehlungen gegenüber sechs Halteeinstufungen positive Stimmen, während die Aktie mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 70 und einer Leerverkaufsquote von 17,6 Prozent weiterhin als hoch bewertet und umstritten gilt.

Die ganze Branche steht unter Schuldendruck

Nebius' Finanzierungsstrategie ist Teil eines größeren Trends: Die fünf großen Hyperscaler Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Oracle planen für 2026 gemeinsame Investitionen von 725,1 Milliarden Dollar, fast das Fünffache des Niveaus von 2023. Die Anleiheemissionen der Branche summierten sich 2026 bereits auf 194,1 Milliarden Dollar, nach nur 20,1 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Oracle wurde am 9. Juli von S&P nur noch eine Stufe über Ramschniveau eingestuft, die Aktie verlor seit Jahresbeginn bis zum 17. Juli mehr als 35 Prozent. Auch IBM büßte am 17. Juli 25,2 Prozent ein, begründet mit einer Neuausrichtung der KI-Investitionen. Vor diesem Hintergrund wird Nebius' Weg über besicherte, kundengebundene Kredite statt klassischer Anleihen von Beobachtern als vergleichsweise konservativer Ansatz gewertet – die Abhängigkeit von wenigen Großkunden und die Notwendigkeit ständig neuen Kapitals bleiben jedoch zentrale Risiken für die Aktie.

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