BER, Hauptstadtflughafen

FĂŒnf Jahre BER: Wie lĂ€uft es am Hauptstadtflughafen heute?

27.10.2025 - 05:39:57

Neun Jahre Bauverzögerung, Corona-Krise, Klimaproteste, Ferienchaos, Hackerangriff: Der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt - kurz: BER - wurde zwar erst vor fĂŒnf Jahren eröffnet.

Doch blickt er bereits auf eine turbulente Historie zurĂŒck.

Der BER war am 30. Oktober 2020 eröffnet worden - mit neun Jahren VerspĂ€tung wegen schwerer Bau- und PlanungsmĂ€ngel. Die Baukosten lagen mit 6,5 Milliarden Euro dreimal so hoch wie ursprĂŒnglich geplant.

Die Flughafengesellschaft inszeniert den Standort inzwischen als Innovationsfeld fĂŒr technische Neuerungen: Mit buchbaren Sicherheits-Slots und neuen Scannern sollen FluggĂ€ste möglichst schnell in der Luft sein. Doch die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt und was die Passagierzahlen angeht, ist der Flughafen noch weit vom Nachfrageniveau frĂŒherer Jahre entfernt. So steht es um den BER:

Wie lĂ€uft der Betrieb fĂŒnf Jahre nach der Eröffnung?

Der Betrieb am BER ruckelte in den ersten Jahren nach Inbetriebnahme zum Teil erheblich. Besonders in den Herbstferien 2021 stieß der Flughafen an KapazitĂ€tsgrenzen. Personalmangel und Platzprobleme fĂŒhrten zu einem Abfertigungschaos. Reisende warteten stundenlang auf den Check-in. Einige verpassten ihren Flug. Damals erschwerten die Corona-EinschrĂ€nkungen die Abfertigungsprozesse zusĂ€tzlich.

Inzwischen haben sich die AblĂ€ufe eingespielt. Selbst zu Stoßzeiten rund um die Ferien mĂŒssen die Passagiere selten ĂŒbermĂ€ĂŸig lange beim Check-in oder den Sicherheitskontrollen warten. Lediglich wegen Streiks kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Betriebsbehinderungen. Zuletzt sorgte zudem ein Hackerangriff auf einen IT-Dienstleister fĂŒr tagelanges Chaos beim Check-in.

Um die Prozesse zu beschleunigen, setzt die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) auf technische Neuerungen: Sogenannte CT-Scanner an den Kontrollstraßen sorgen dafĂŒr, dass Passagiere FlĂŒssigkeiten und elektronische GerĂ€te nicht mehr extra auspacken mĂŒssen. Mittelfristig sollen die Scanner gewĂ€hrleisten, dass FluggĂ€ste wieder grĂ¶ĂŸere Flaschen oder Kosmetiktuben mitnehmen können. Außerdem fĂŒhrte die FBB kostenlos buchbare Zeitfenster fĂŒr die Sicherheitskontrollen ein. FluggĂ€ste können damit ohne grĂ¶ĂŸere Wartezeit zur gebuchten Zeit durch die Kontrollen.

Wie viele Menschen reisen ĂŒber den BER?

Der Flughafen eröffnete mitten in der Pandemie und damit in einer der grĂ¶ĂŸten Krisen in der Geschichte der Luftfahrt. Aufgrund der ReisebeschrĂ€nkungen war die Nachfrage nahezu bei Null. Seitdem reisen die Menschen zwar wieder deutlich mehr. Vor wenigen Tagen begrĂŒĂŸten die Betreiber den 100-Millionsten Fluggast am Airport. Allein zwischen Januar und September dieses Jahres flogen der FBB zufolge rund 19,4 Millionen Menschen ĂŒber den Standort vor den Toren Berlins.

Vom Vor-Corona-Niveau sind diese Zahlen aber weit entfernt. 2019, dem bisherigen Rekordjahr fĂŒr den Luftverkehr in der Hauptstadtregion, waren es rund 36 Millionen Reisende an den damaligen Standorten Schönefeld und Tegel. Flughafenchefin Aletta von Massenbach und Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) fordern immer wieder mehr Langstreckenverbindungen am BER - um die Nachfrage anzukurbeln und die Hauptstadtregion fĂŒr internationale Reisende attraktiver zu machen.

Wie geht es dem Flughafen finanziell?

Die wirtschaftliche Lage der Flughafengesellschaft ist nach wie vor angespannt. Das Unternehmen fuhr im vergangenen Jahr unterm Strich einen Verlust von mehr als 134 Millionen Euro. Noch kann sich die FBB nicht selbst finanzieren und ist auf die UnterstĂŒtzung ihrer EigentĂŒmer - dem Bund sowie den LĂ€ndern Berlin und Brandenburg - angewiesen.

Mit ihnen hatte das Unternehmen vor einigen Jahren einen Teilentschuldungsplan in Höhe von insgesamt mehr als 2 Milliarden Euro ausgearbeitet. Darin enthalten waren rund 1,7 Milliarden Euro zum Ausgleich der Corona-SchĂ€den. Weitere 660 Millionen Euro sollen im Jahr 2026 fließen. BER-Chefin von Massenbach ist zuversichtlich, dass sich die FBB dann wieder selbst mit Krediten am Kapitalmarkt refinanzieren kann.

Welche Herausforderungen muss der BER in Zukunft meistern?

Der BER ist fĂŒr die Hauptstadtregion einer der wichtigsten Arbeitgeber. Rund 20.000 Menschen arbeiten dort, 2.000 davon bei der Flughafengesellschaft FBB. In den kommenden Jahren geht es fĂŒr das Unternehmen vor allem darum, die Nachfrage weiter anzukurbeln. Kein leichtes Unterfangen: Aletta von Massenbach kritisiert immer wieder die hohen staatlichen Steuern und GebĂŒhren fĂŒr FlughĂ€fen in Deutschland. Diese fĂŒhrten dazu, dass preissensible Fluggesellschaften wie Ryanair IE00BYTBXV33 Verbindungen am BER abbauten.

Ein weiteres Ziel der Betreiber ist der klimaneutrale Betrieb bis 2045. Schon bis 2030 soll sich der CO2-Ausstoß im Verantwortungsbereich der FBB um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 reduzieren. Dabei geht es etwa um die Elektrifizierung von Flughafenfahrzeugen und die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen.

@ dpa.de