News Corp Class B: UnspektakulÀr im Kurs, strategisch im Umbruch
05.01.2026 - 05:21:52WĂ€hrend Technologiewerte und KI-Geschichten die Schlagzeilen dominieren, segelt News Corp mit der Class-B-Aktie weitgehend unter dem Radar vieler Anleger. Der Medien- und Informationskonzern, zu dem unter anderem das "Wall Street Journal", Dow Jones, HarperCollins und groĂe Immobilienportale gehören, zeigt derzeit ein gemischtes Bild: operativ solide, aber wachstumsarm; bilanziell vergleichsweise robust, an der Börse jedoch ohne klare Trenddynamik. FĂŒr Investoren im deutschsprachigen Raum stellt sich damit die Frage, ob die News-Corp-Class-B-Aktie eine unterschĂ€tzte Value-Story oder eher ein klassischer SeitwĂ€rtswert bleibt.
Ein-Jahres-RĂŒckblick: Das Investment-Szenario
Wer vor rund einem Jahr in News Corp Class B eingestiegen ist, blickt heute auf eine ĂŒberwiegend enttĂ€uschende Kursentwicklung. Laut Kursdaten von Yahoo Finance und Google Finance lag der Schlusskurs der B-Aktie von News Corp vor etwa einem Jahr bei rund 24 US-Dollar. Der jĂŒngste Schlusskurs notiert â basierend auf den ĂŒbereinstimmenden Angaben mehrerer Kursportale â nur geringfĂŒgig darĂŒber beziehungsweise in einer engen Spanne um diese Marke. In der Tendenz ergibt sich damit auf Jahressicht ein sehr moderates, teils sogar leicht negatives Ergebnis, grob im Bereich von rund minus fĂŒnf bis plus fĂŒnf Prozent, je nach genauem Einstiegszeitpunkt.
Anders formuliert: Wer vor einem Jahr eingestiegen ist, freut sich heute nicht ĂŒber einen Kursverdoppler, sondern eher ĂŒber eine holprige SeitwĂ€rtsfahrt mit zwischenzeitlichen Schwankungen. Die 52-Wochen-Spanne der Aktie bestĂ€tigt dieses Bild. Die Notierung pendelte im vergangenen Jahr in einer relativ engen Bandbreite, mit einem 52-Wochen-Tief im Bereich von etwas ĂŒber 20 US-Dollar und einem Hoch im mittleren 20er-Bereich. Von einem dynamischen Bullenmarkt kann also keine Rede sein. Das Sentiment ist eher neutral bis leicht verhalten: Die Aktie hat sich besser gehalten als viele klassische Zeitungsverlage, bleibt aber deutlich hinter groĂen Wachstumswerten und einigen Medien-Tech-Hybriden zurĂŒck.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
In den vergangenen Tagen und Wochen stand News Corp vor allem mit seiner strategischen Ausrichtung im Fokus. Internationale Wirtschaftsmedien wie Bloomberg, Reuters und das "Wall Street Journal" selbst berichteten ĂŒber den anhaltenden Umbau des Konzerns hin zu margenstĂ€rkeren, digitalen GeschĂ€ftsmodellen. Der Bereich Dow Jones â mit professionellen Finanz- und Wirtschaftsdaten â gilt als Wachstumstreiber und entwickelt sich besser als das klassische PrintgeschĂ€ft. Auch die digitalen Abonnements des "Wall Street Journal" und anderer Titel haben sich weiter stabilisiert und bilden mittlerweile das RĂŒckgrat des Nachrichtensegments.
Gleichzeitig bleibt der konjunktursensible Anzeigenmarkt eine Belastung. Vor wenigen Wochen betonten Analysten und Kommentatoren erneut, dass vor allem in den traditionellen Nachrichtensparten der Druck durch rĂŒcklĂ€ufige Werbeerlöse anhĂ€lt. News Corp reagiert mit Kostensenkungsprogrammen, Straffung von Strukturen und fokussierten Investitionen in Technologie, Datenanalyse und Plattformen. In Australien und GroĂbritannien wurden im Nachrichtenbereich bereits wiederholt Personal und KapazitĂ€ten angepasst, um die ProfitabilitĂ€t zu stĂŒtzen. Hinzu kommen Schwankungen im BuchverlagsgeschĂ€ft HarperCollins, wo hohe Vergleichszahlen nach der Pandemie und ein intensiver Wettbewerb im Online-Buchhandel Spuren hinterlassen.
Ein weiterer Impuls kommt aus dem Immobiliensegment: Die Beteiligung an digitalen Immobilienportalen wie REA Group und Realtor.com bleibt ein strategischer Baustein, der immer wieder in den Blick langfristig orientierter Investoren gerÀt. In Analystenkommentaren der vergangenen Wochen wird hervorgehoben, dass die Immobilienplattformen zwar unter zyklischen SchwÀchen im Immobilienmarkt leiden, langfristig aber strukturell attraktive Margen aufweisen. Der Markt versucht derzeit abzuschÀtzen, wie stark sich eine mögliche Belebung im Immobiliensegment in den kommenden Quartalen auf Umsatz und Ergebnis von News Corp niederschlagen könnte.
Bemerkenswert ist, dass es zuletzt keine spektakulĂ€ren Einzelmeldungen wie groĂe Ăbernahmen, Abspaltungen oder Deals mit Tech-Giganten gab, sondern eher eine Serie kleinerer, strategischer Weichenstellungen. Das erklĂ€rt auch, warum sich die Aktie kursseitig in einer Art technischen Konsolidierungsphase bewegt: Weder Bullen noch BĂ€ren dominieren klar, viel Kapital wartet ab, bis sich ein neuer, fundamental getriebener Trend abzeichnet.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Die Wall Street zeigt sich gegenĂŒber News Corp Class B ĂŒberwiegend konstruktiv, wenn auch ohne grenzenlose Euphorie. In den vergangenen Wochen bestĂ€tigten mehrere groĂe HĂ€user â darunter nach Daten aus gĂ€ngigen Finanzportalen Institute wie Morgan Stanley, JPMorgan oder auch regionale US-Broker â ihre Einstufungen ĂŒberwiegend im Bereich "Overweight" oder "Kaufen". Die Minderheit der Analysten plĂ€diert fĂŒr "Halten"; klare Verkaufsempfehlungen sind selten.
Die Kursziele, die in den zurĂŒckliegenden Wochen aktualisiert wurden, liegen im Durchschnitt spĂŒrbar ĂŒber dem aktuellen Kurs. Viele Banken sehen das faire Wertpotenzial im oberen 20er-Bereich bis in die niedrigen 30er-US-Dollar-Region. GegenĂŒber dem letzten Schlusskurs entspricht dies â je nach Institut â einem geschĂ€tzten AufwĂ€rtsspielraum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. BegrĂŒndet wird diese EinschĂ€tzung vor allem mit drei Argumenten: Erstens der strukturellen StĂ€rke von Dow-Jones-Daten- und Informationsdiensten, zweitens der fortschreitenden digitalen Transformation im Nachrichtenbereich mit wachsender Abo-Basis und drittens dem mittelfristigen Hebel einer Erholung der ImmobilienmĂ€rkte auf die Plattformbeteiligungen.
Einige Research-HĂ€user weisen allerdings auch auf Risiken hin. So wird immer wieder betont, dass das klassische Nachrichten- und PrintgeschĂ€ft trotz aller Digitalisierung weiterhin einem strukturellen Schrumpfungsprozess unterliegt. Zudem macht die zyklische AbhĂ€ngigkeit vom Werbemarkt die Ergebnisentwicklung konjunkturanfĂ€llig. Entsprechend setzen manche Analysten ihre Empfehlung zwar auf "Kaufen", koppeln diese jedoch an den Hinweis, dass Geduld gefragt sei und kurzfristige RĂŒckschlĂ€ge einkalkuliert werden mĂŒssten.
Ausblick und Strategie
FĂŒr die kommenden Monate steht News Corp an einer Weggabelung: Der Konzern muss beweisen, dass er nach Jahren des Umbaus in der Lage ist, aus seinen digitalen Assets nachhaltiges Wachstum zu generieren. Strategisch scheint die Richtung klar: Mehr Fokus auf abonnementbasierte GeschĂ€ftsmodelle, professionelle Informationsdienste, Datenplattformen und digitale MarktplĂ€tze; weniger AbhĂ€ngigkeit von Printauflagen und klassischen Werbeanzeigen. FĂŒr Investoren ist dabei entscheidend, ob die Skaleneffekte im Digital- und Datenbereich stark genug sind, um die strukturellen RĂŒckgĂ€nge im PrintgeschĂ€ft ĂŒberzukompensieren.
Operativ dĂŒrfte das Management weiter an mehreren Stellschrauben drehen: Kostenkontrolle in verlustanfĂ€lligen oder wachstumsschwachen Einheiten, selektive Investitionen in Technologie und Produktentwicklung sowie mögliche Portfoliobereinigungen. Marktbeobachter spekulieren seit LĂ€ngerem darĂŒber, ob News Corp perspektivisch einzelne Beteiligungen teilweise monetarisieren könnte, etwa durch den Verkauf von Minderheitsanteilen oder durch Partnerschaften mit Technologieunternehmen. Offizielle AnkĂŒndigungen in diese Richtung gibt es derzeit jedoch nicht; bislang dominiert der vorsichtige, inkrementelle Ansatz.
Aus Anlegersicht ĂŒberwiegen aktuell die Merkmale eines defensiven Medienwertes mit optionalem AufwĂ€rtspotenzial. Die Bilanz gilt als solide, die Verschuldung ist im Branchendurchschnitt moderat, und das GeschĂ€ftsmodell ist breit diversifiziert. Damit eignet sich die News-Corp-Class-B-Aktie eher fĂŒr Investoren, die auf mittelfristige Wertsteigerung durch operative Verbesserungen und mögliche Neubewertungen der digitalen Assets setzen, weniger fĂŒr Trader auf der Suche nach schnellen KursausschlĂ€gen.
Charttechnisch fĂ€llt auf, dass die Aktie seit einiger Zeit in einer SeitwĂ€rtszone verharrt. RĂŒcksetzer in Richtung des unteren Bereichs der 52-Wochen-Spanne wurden bislang mehrfach von KĂ€ufern aufgefangen, wĂ€hrend Versuche nach oben an der Region des 52-Wochen-Hochs scheiterten. Dieses Muster spricht fĂŒr eine abwartende Haltung des Marktes: Neue Impulse könnten sowohl von der nĂ€chsten Quartalsbilanz als auch von ĂŒberraschenden strategischen Schritten ausgehen. Gelingt es dem Management, das Gewinnwachstum im Digital- und Datenbereich sichtbar zu beschleunigen, wĂ€re eine Neubewertung nach oben plausibel.
FĂŒr Anleger aus der D-A-CH-Region, die ein Engagement in der internationalen Medien- und Informationsindustrie suchen, bleibt News Corp Class B damit ein interessanter, aber kein risikoloser Baustein. Die Aktie bietet Exponierung zu hochwertigen Marken und digitalen Plattformen, verlangt jedoch die Bereitschaft, kurzfristige EnttĂ€uschungen auszuhalten. Wer einsteigt, sollte nicht auf das schnelle Momentum spekulieren, sondern auf die stille, aber stetige Transformation eines traditionellen Verlagshauses hin zu einem diversifizierten Informations- und Datenkonzern.


