Nokia Aktie: 40,61 Prozent seit Juni verloren
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Tage vor den Quartalszahlen steckt Nokia in einem heftigen Abwärtsstrudel. Der finnische Netzwerkausrüster hat binnen 30 Tagen fast ein Drittel seines Börsenwerts verloren. Anleger zweifeln daran, dass die viel beschworene KI-Transformation die Schwäche im klassischen Telekomgeschäft ausgleichen kann.
Fünf rote Tage in Folge
Nokia schloss am Montag bei 8,89 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen Wochen zeigt aber das eigentliche Drama: Seit dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro am 3. Juni hat die Aktie 40,61 Prozent verloren. Allein in den letzten sieben Handelstagen ging es um 13,40 Prozent nach unten.
Die Aktie kletterte Anfang des Monats noch einmal über die 11-Euro-Marke. Die Erholung hielt nicht lange. Verkäufer übernahmen wieder das Ruder, der Kurs rutschte Richtung 9-Euro-Bereich.
Aktuell notiert Nokia rund ein Viertel unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,90 Euro. Der RSI-Wert von 31,4 signalisiert eine überverkaufte Aktie. Das deutet zwar auf eine mögliche technische Gegenbewegung hin, ändert aber nichts am fundamentalen Zweifel der Investoren.
Ericsson-Warnung schürt Sektor-Sorgen
Ein Teil des Drucks kommt nicht von Nokia selbst, sondern vom schwedischen Rivalen Ericsson. Dessen Quartalsumsatz fiel um 6 Prozent auf 52,7 Milliarden schwedische Kronen. Das operative Ergebnis übertraf zwar mit 6,52 Milliarden Kronen die Erwartungen von 6,42 Milliarden.
Entscheidend war ein Satz von Ericssons Finanzchef, der laut Reuters sagte, der gesamte KI-Ausbau setze die komplette Branche unter Druck – "including us". Genau diese Aussage nährt bei Nokia-Investoren die Sorge, dass KI-getriebene Investitionsgewinne die anhaltende Schwäche in der klassischen Telekominfrastruktur nicht kompensieren.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nokia lag zuletzt 5,2 Prozentpunkte hinter Ericsson und 18,7 Punkte hinter dem finnischen Leitindex OMXH25 zurück. Der Vergleich mit dem Wettbewerber trifft die Aktie damit doppelt.
Donnerstag wird zum Stresstest
Am 23. Juli, gegen 8 Uhr finnischer Zeit, veröffentlicht Nokia die Zahlen zum zweiten Quartal und zum ersten Halbjahr 2026. Der Analysten-Webcast wurde auf 15 Uhr desselben Tages verschoben. Analysten erwarten im Konsens einen Gewinn von 0,07 US-Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 5,59 Milliarden Dollar.
Im Fokus steht vor allem das Optical-Networks-Segment und die Frage, ob KI-getriebenes Wachstum die zyklische Schwäche im Telekomgeschäft wirklich ausgleicht. Genau dieses Narrativ hatte die Aktie über weite Strecken der vergangenen zwölf Monate getragen.
Brisant wird es bei einem Blick auf die Saisonalität: Der erwartete Quartalsgewinn entspricht etwa 16 Prozent der Jahresgewinnerwartung. Das markiert das obere Ende von Nokias historischer Bandbreite von 12 bis 16 Prozent. Jede Enttäuschung würde bedeuten, dass Nokia im zweiten Halbjahr deutlich stärker liefern muss, um die Jahresziele noch zu erreichen.
Währungseffekte dürften kaum helfen. Der Euro-Dollar-Kurs bewegt sich derzeit nahe an Nokias eigenen Planungsannahmen. Das operative Geschäft selbst muss also die Überzeugungsarbeit leisten – nicht der Wechselkurs.
Der Markt wird am Donnerstag vor allem auf Margen, Kostenkontrolle und die Substanz neuer Wachstumsfelder schauen. Erst wenn diese Bereiche die Schwäche des klassischen Geschäfts sichtbar ausgleichen, dürfte sich die Stimmung um die Aktie wieder drehen.
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