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Nokia Aktie: Hotard warnt vor Chips bis 2027

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 20:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nokia ĂŒberzeugt mit Umsatz- und Gewinnwachstum, doch die Aktie fĂ€llt wegen einer Warnung zu Speicherchip-EngpĂ€ssen und hohen Restrukturierungskosten.

Nokia Aktie: Starke Quartalszahlen, aber Chip-Knappheit belastet
Abstrakte Darstellung von moderner Telekommunikationstechnik und Mikrochip-Architektur in einem Rechenzentrum. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Ein Konzern legt starke Quartalszahlen vor. Der Kurs bricht trotzdem ein. Bei Nokia zeigt sich gerade ein Paradox, das viele Anleger verwirrt: Der Wachstumsmotor lÀuft auf Hochtouren, doch der Markt bestraft genau das Unternehmen, das diesen Motor antreibt.

Am Freitag schloss die Nokia-Aktie bei 8,06 Euro, ein Minus von 6,32 Prozent an einem einzigen Tag. Binnen 30 Tagen hat das Papier 33,53 Prozent verloren. Der Grund liegt nicht in schwachen GeschÀftszahlen. Er liegt in einer Warnung von CEO Justin Hotard: Speicherchips werden bis 2027 knapp bleiben.

Zahlen, die eigentlich Grund zur Freude wÀren

Schaut man auf die reinen GeschÀftszahlen, ergibt der Ausverkauf zunÀchst wenig Sinn. Der Umsatz stieg um 8 Prozent auf 4,82 Milliarden Euro. Der vergleichbare operative Gewinn kletterte um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro.

Noch bemerkenswerter: Die Erlöse aus KI- und Cloud-GeschĂ€ft haben sich mehr als verdoppelt und machen inzwischen 9,3 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Nokia sicherte sich zudem KI-bezogene AuftrĂ€ge im Wert von 2,8 Milliarden Euro. Das ist keine Momentaufnahme, sondern ein Beleg dafĂŒr, dass der finnische NetzwerkausrĂŒster mitten im KI-Infrastrukturboom mitspielt.

Und trotzdem hat der Markt sein Urteil gefÀllt. Nicht die Vergangenheit zÀhlt gerade, sondern die Sorge um die Zukunft: Wie lange reicht der Speicherchip-Nachschub, um dieses Wachstum zu tragen?

Ein Branchenproblem, kein Nokia-Problem

Wer glaubt, Nokia stehe mit diesem Problem allein da, irrt. Konkurrent Ericsson hat bereits vor steigenden Kosten durch teurer werdende KI-Speicherchips gewarnt. Der Finanzchef von Ericsson sprach offen davon, dass die gesamte Branche unter Druck steht.

Das verĂ€ndert die Lesart des Nokia-Ausverkaufs entscheidend. Es geht nicht um ein Versagen des Managements, sondern um einen strukturellen Engpass, der den gesamten KI-Infrastrukturaufbau bremst — jenen Trend, der TelekomausrĂŒster-Aktien in diesem Jahr ĂŒberhaupt erst nach oben getrieben hat.

Ein zweiter, leiserer Belastungsfaktor kommt hinzu: die Kosten des eigenen Umbaus. Die berichtete operative Marge fiel um 430 Basispunkte auf minus 1,0 Prozent, weil Nokia sein Restrukturierungstempo erhöht hat. Der Nettogewinn schrumpfte von 90 Millionen auf gerade noch 2 Millionen Euro.

Nokia zieht die Schmerzen der eigenen Transformation quasi vor, um sich fit fĂŒr die KI-Ära zu machen. Anleger sollen dabei ĂŒber einen ausgewiesenen operativen Verlust hinwegblicken und stattdessen das verbesserte bereinigte Gewinnbild erkennen. Das verlangt Vertrauensvorschuss — und genau daran mangelt es dem Markt gerade.

Charttechnik: ĂŒberverkauft, aber im AbwĂ€rtstrend

Wie heftig die Korrektur ausgefallen ist, zeigt der Blick auf die technischen Indikatoren. Der 14-Tage-RSI liegt bei 29,5 und signalisiert damit eine ĂŒberverkaufte Aktie — ein Niveau, das in frĂŒheren Phasen dieses Jahres bereits Stabilisierungsversuche eingeleitet hat. Gleichzeitig notiert der Kurs nur noch 2,84 Prozent ĂŒber dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,84 Euro, einer Linie, die Analysten angesichts des aktuellen Verkaufsdrucks als kritisch einstufen.

Zur Einordnung: Seit Jahresbeginn steht die Aktie trotz allem noch mit 44,19 Prozent im Plus. Die aktuelle Talfahrt ist also eher eine Korrektur innerhalb eines außergewöhnlichen Laufs als eine Trendwende.

Was diese Woche zÀhlt

Die Zahlen sind veröffentlicht, ein neuer Kurstreiber fehlt erstmal. Die entscheidende Frage lautet jetzt: Kann sich Nokia um seine langfristige Trendlinie herum stabilisieren?

Das Unternehmen selbst gibt sich zuversichtlich und rechnet mit einem operativen Gewinn oberhalb der Mitte seiner Jahresprognose. FĂŒr das dritte Quartal erwartet Nokia ein Ergebnis auf Ă€hnlichem Niveau wie im zweiten. Diese Aussage bietet einen Anker — verĂ€ndert aber nichts an der eigentlichen Verschiebung der Marktaufmerksamkeit: weg vom robusten Auftragseingang, hin zu Inputkosten und der Frage, wie lange die Margen dem Lieferkettenengpass standhalten.

FĂŒr eine Aktie, die zum Symbol des europĂ€ischen KI-Infrastrukturbooms geworden ist, bleibt die Spannung zwischen explodierender Nachfrage und begrenzten Lieferketten das bestimmende Thema. Ob sich aus der aktuellen ĂŒberverkauften Lage ein Boden bildet oder nur eine Verschnaufpause in der Korrektur, hĂ€ngt weniger von Nokias eigener Leistung ab — die war zuletzt stark. Es hĂ€ngt davon ab, wie schnell die globale Halbleiter-Lieferkette den Appetit einholt, den sie selbst mit geweckt hat.

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