ROUNDUP, Telekom

Telekom startet bald KI-Assistenten fĂŒr Telefonate

02.03.2026 - 06:35:10 | dpa.de

Ob Live-Übersetzung, Fahrplan-Infos oder GesprĂ€chszusammenfassungen nach dem Auflegen: Bei Telefonaten im Handynetz der Deutschen Telekom DE0005557508 sollen die GesprĂ€chsteilnehmer kĂŒnftig auf eine KĂŒnstliche Intelligenz zurĂŒckgreifen können.

Der Bonner Konzern kĂŒndigte zum Auftakt der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) in Barcelona an, noch in diesem Jahr eine entsprechende Assistenzfunktion in sein Netz zu integrieren. "Es geht zeitnah los", sagt Telekom-Technikvorstand Abdu Mudesir. Ob der "Magenta AI Call Assistant" etwas kostet, ist noch offen.

Die KI soll im Telefonat auf Abruf als Stimme prÀsent sein, sie wird mit "Hey Magenta" aktiviert. Es geht um das Handynetz der Telekom, nicht um das Festnetz. Die Funktion ist auch nutzbar, wenn ein Telekom-Kunde bei einem O2- oder Vodafone GB00BH4HKS39-Kunden anruft. Die Telekom ist nach eigenen Angaben der erste Telekommunikationskonzern weltweit, der KI-Dienste in sein Netz integriert.

Der KI-Assistent hat verschiedene Funktionen, eine davon ist die Live-Übersetzung. Innerhalb von zwölf Monaten sollen 50 Sprachen ĂŒbersetzt werden können. Außerdem kann die KI Zusammenfassungen erstellen, die der Anrufer am Ende des Telefonats schriftlich bekommt.

KI soll Sprachtelefonie stÀrken

Das könne etwa bei Anrufen beim Handwerker oder bei der Versicherung sinnvoll sein, sagt die Produktverantwortliche Lena Drubel, oder bei einem GesprĂ€ch mit dem Arzt, der Details zu einer Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten erlĂ€utert. "Das Thema ist Neuland fĂŒr den Patienten, er ist nervös und muss genau zuhören - dank der KI-Zusammenfassung bekommt er Klarheit, was genau besprochen wurde."

Mit dem KI-Vorhaben möchte der Konzern die Sprachtelefonie stÀrken, die in den vergangenen Jahren etwas aus der Mode gekommen ist: Viele Menschen schicken sich heutzutage lieber Chatnachrichten, anstatt sich anzurufen - die Gesamtzahl der Telefonminuten sinkt daher seit Jahren.

KI-Vorteile auch bei alter Technik

"Wir machen KI den Menschen ohne Barriere zugĂ€nglich - dafĂŒr ist nicht das neueste teure Smartphone und keine App nötig, sondern einfach nur ein Handy, von mir aus auch ein altes Nokia FI0009000681-Tastentelefon", betont Telekom-Vorstand Mudesir. Seine Eltern lebten in Äthiopien und seine Kinder wachsen in Deutschland auf. "Wenn sie ihre Großeltern anrufen, können sie Deutsch sprechen und ihre Großeltern Amhari - dank der KI-Übersetzung können sie sich kĂŒnftig besser verstehen."

Der KI-Assistent kann zudem wĂ€hrend des GesprĂ€chs Fragen beantworten - der Anrufer oder der Angerufene können ihn nach Flugverbindungen, HotelverfĂŒgbarkeiten oder Sport-Informationen fragen. Solche Übersetzungs- und Antwortfunktionen gibt es bereits, hierfĂŒr braucht man bislang aber entsprechende Apps oder gute Hardware, etwa die Apple US0378331005-AirPods-Kopfhörer oder die Kommunikationsplattform Microsoft US5949181045 Teams mit Copilot-KI.

Datenschutz-Bedenken tritt Telekom-Vorstand Mudesir entgegen. Man halte sich an gesetzliche Regeln. "Wir sind Verfechter einer ethischen KI." Man werde nicht abgehört, sondern man aktiviere den Assistenten mit den Worten "Hey Magenta" selbst. Hört der KI-Assistent auf Wunsch das ganze GesprÀch mit und schicke dann eine Zusammenfassung, so werde die Aufnahme direkt wieder gelöscht. Die Telekom starte die neue KI-Dienstleistung in Deutschland und die Datenverarbeitung geschehe in der EU.

Wird Vokabeln lernen ĂŒberflĂŒssig?

Mal angenommen, die Übersetzungsfunktion der Telekom startet in passabler QualitĂ€t und wird dann schrittweise besser - was hĂ€tte das eigentlich fĂŒr Folgen fĂŒr das Interesse an Fremdsprachen? Ist das mĂŒhsame Vokabeln-Pauken und Grammatik-Training ĂŒberhaupt noch nötig, wenn man dank einer KI-Übersetzung gut ĂŒber Sprachgrenzen hinweg kommunizieren kann?

Der technologische Fortschritt verĂ€ndere zwar den Umgang mit Sprache, mache den Erwerb von Sprachkompetenz aber nicht ĂŒberflĂŒssig, sagt die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing. Ein Übersetzungstool könne ein erster motivierender Schritt sein, sich in fremdsprachliche Kommunikation zu wagen.

Zudem könnten Technologien bei der VerstÀndigung helfen, nicht aber beim umfassenden Verstehen. "Solche Tools ersetzen weder eigenstÀndiges Denken in der Fremdsprache noch interkulturelle HandlungsfÀhigkeit, rhetorische Kompetenz oder berufliche DiskursfÀhigkeit." Sprachkenntnisse seien bei echten menschlichen Begegnungen unersetzbar.

Konkurrenz setzt auf Apps und Hardware

Und wie sehen Wettbewerber das Thema? O2 und Vodafone haben so einen Assistenten nicht. Vodafone hĂ€lt ihn nicht fĂŒr nötig. KI sei schon heute fester Bestandteil auf den Handys, sagt der Service-Chef von Vodafone Deutschland, Guido Weissbrich. "Wir setzen auf ein Ökosystem mit starken Partnern, damit Millionen Smartphone-Nutzer Live-Übersetzungen, GesprĂ€chs-Zusammenfassungen und weitere KI-Services, die uns im Alltag helfen, in hoher QualitĂ€t nutzen können."

Branchenexperten sehen das Vorhaben der Telekom positiv. "Das ist ein geschickter Schachzug der Deutschen Telekom", sagt Ben Wood vom Beratungsunternehmen CCS Insight. Dadurch bekÀmen auch Nutzer Àlterer Smartphones Zugriff auf KI-Möglichkeiten. Diesen Service in die Breite zu tragen, werde aber eine Herausforderung sein.

Ob der KI-Dienst im Telekom-Netz ein kommerzielles Potenzial habe, sei noch offen, sagt Wood. Es wĂŒrden aber wichtige Erkenntnisse zur KI-Akzeptanz und KI-Nutzung der Kunden gesammelt.

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