Produktion/Absatz, Zusammenfassung

Mehr Games aus Deutschland? Branche bekommt staatliche Hilfe

20.08.2025 - 06:35:04

Ob Strategie-, Autorenn- oder Action-Spiele: Deutschlands Games-Branche kann sich auf eine stĂ€rkere staatliche UnterstĂŒtzung einstellen.

Nachdem die Union und die SPD im Koalitionsvertrag "steuerliche Anreize" angekĂŒndigt haben, teilte das zustĂ€ndige Bundesforschungsministerium auf Anfrage mit, man wolle diesbezĂŒglich "so schnell wie möglich vorankommen".

Spielehersteller könnten dann bestimmte Kosten geltend machen und mĂŒssten weniger Steuern zahlen. Staaten wie Frankreich, Kanada und Großbritannien haben solche Steuererleichterungen bereits seit langem. Auch deswegen haben sie eine stĂ€rkere Games-Industrie als Deutschland.

Visuelle Möglichkeiten immer besser

Laut dem deutschen Bundesverband Game haben die hiesigen Spielehersteller einen Kostennachteil von circa 30 Prozent. Die Games-Branche ist im Internetzeitalter auf Wachstumskurs, die visuellen Möglichkeiten werden dank neuer Technik immer besser. Kommerziell erfolgreiche Spiele aus Deutschland gibt es aber nur wenige.

Einer Ă€lteren SchĂ€tzung zufolge entfallen weniger als fĂŒnf Prozent des Geldes, das in Deutschland fĂŒr Games ausgegeben wird, auf Spiele aus der Bundesrepublik. Ein bekannter Klassiker ist das Strategiespiel "Anno 1800" von Ubisoft aus Mainz und DĂŒsseldorf. Erfolgreich sind zudem das Survival-Actionspiel "Enshrouded" von Keen Games und "Hunt Showdown" von Crytek, beide Studios kommen aus Frankfurt.

Politiker sind fĂŒr steuerliche Förderung

Politiker aus den Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD und GrĂŒnen sowie aus den BundeslĂ€ndern signalisierten Zustimmung zu dem Vorhaben, deutsche Entwicklerfirmen steuerlich zu entlasten. NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) wertet so ein System als vielversprechende Investition in den Games-Standort Deutschland. AuslĂ€ndische Entwicklerstudios und Produzenten könnten nach Deutschland kommen und ArbeitsplĂ€tze schaffen. "Dies wird sich dann auch positiv auf die Steuereinnahmen auswirken", so Liminski.

Kurzfristig wĂŒrde so ein System allerdings aller Voraussicht nach zu weniger Steuereinnahmen von Bund und LĂ€ndern fĂŒhren. Hierzu sagt Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (Freie WĂ€hler), dass der Bund entsprechende Verluste beim Steueraufkommen der LĂ€nder ausgleichen mĂŒsste.

GrĂŒnen-Abgeordnete: Gaming ist "bedeutendes Kulturgut"

Die GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete Andrea LĂŒbcke sieht Gaming als "eine der zentralen Innovations- und Wachstumsbranchen des 21. Jahrhunderts". "Sie ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein bedeutendes Kulturgut." Steuerliche Anreize fĂŒr die Games-Firmen unterstĂŒtzten die GrĂŒnen prinzipiell, sie wĂ€ren "eine gezielte Investition in die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland" und sollten baldmöglichst kommen. Allerdings komme es natĂŒrlich auf die genaue Ausgestaltung an, schrĂ€nkt die Oppositionspolitikerin ein - und die sei bislang ja nicht bekannt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Joachim Ebmeyer spricht von einem "sehr guten Instrument, um die AttraktivitĂ€t des Standortes Deutschland fĂŒr die Games-Wirtschaft zu erhöhen". Die Steuerregeln sollten zĂŒgig auf den Weg gebracht werden. Auch der Sozialdemokrat Holger Mann fordert Tempo - man solle "schnell in die Umsetzung kommen", sagt er.

Kann sich Deutschland das leisten?

Aber kann sich der Bund solche Steuererleichterungen angesichts knapper Kassen ĂŒberhaupt leisten? Das bejahen der CDU-Bundestagsabgeordnete Ebmeyer und sein SPD-Koalitionskollege Mann. "Wir mĂŒssen auch heute Investitionen ermöglichen, damit die deutsche Wirtschaft wachsen kann und mittelfristig die Kassen des Bundes und vor allem die Menschen in unserem Land profitieren", so Mann.

Um den Anteil Deutschlands an dem aufstrebenden globalen Games-Markt zu erhöhen, stĂ€rkt die Bundesregierung ihre Förderung. Neben der noch unkonkreten Steuerförderung sollen in diesem Jahr 88 Millionen an direkten ZuschĂŒssen fließen und 2026 125 Millionen Euro. Die Branche reagierte erleichtert. Hendrik Lesser von der MĂŒnchner Firma Remote Control Productions sieht die Erhöhung der Mittel als Anzeichen, "dass in dieser Legislaturperiode das Thema so ernst genommen wird wie nie zuvor".

Mehr Hilfe fĂŒr deutsche Spielehersteller gefordert

Branchenfachleute wie Malte Behrmann sehen die PlÀne der Bundesregierung ebenfalls grundsÀtzlich positiv: "Es ist gut, dass internationale Wettbewerbsnachteile in Deutschland endlich ausgeglichen werden sollen."

KĂŒnftig fordert Behrmann aber eine andere Ausrichtung der Förderpolitik. Er prangert an, dass internationale Spielekonzerne bislang zwar deutsches Fördergeld eingesteckt hĂ€tten, ihre Gewinne aus dem Verkauf aber im Ausland versteuert hĂ€tten.

In Zukunft sollten vor allem Games-Firmen steuerlich gefördert werden, die ihre Gewinne auch in Deutschland versteuerten. "Wer das tut, wird stark gefördert - und wer das nicht tut, der wird nur schwach gefördert", sagt Behrmann. Dies sollte sowohl fĂŒr die direkten Fördermittel als auch fĂŒr den Umfang der Steuererleichterungen gelten.

Forschungsministerin BĂ€r als Gastrednerin erwartet

Die staatliche Förderung ist auch bei der am Mittwoch beginnenden Computerspiele-Messe Gamescom ein großes Thema, als Gastrednerin wird Bundesforschungsministerin Dorothee BĂ€r (CSU) erwartet.

@ dpa.de | JP3435000009 PRODUKTION/ABSATZ