OpenAI, Anthropic

OpenAI und Anthropic kämpfen um die Regeln für KI-Haftung

19.04.2026 - 16:00:20 | boerse-global.de

Die KI-Riesen OpenAI und Anthropic unterstützen gegensätzliche Gesetze zur Haftung für KI-Versagen. Während OpenAI auf Haftungsschutz setzt, fordert Anthropic Transparenz und Risikomanagement.

OpenAI und Anthropic kämpfen um die Regeln für KI-Haftung - Foto: über boerse-global.de
OpenAI und Anthropic kämpfen um die Regeln für KI-Haftung - Foto: über boerse-global.de

Im US-Bundesstaat Illinois entscheidet sich derzeit ein Grundsatzstreit, der die Zukunft der Künstlichen Intelligenz prägen könnte. Die beiden KI-Riesen OpenAI und Anthropic unterstützen gegensätzliche Gesetzesvorlagen, die festlegen, wer für katastrophale KI-Versagen haftet. Der Konflikt fällt in eine phase tiefgreifender interner Umbrüche bei beiden Unternehmen.

Zwei Gesetze, zwei Welten: Der Kampf um Haftungsregeln

Im Kern geht es um zwei konkurrierende Gesetzesvorlagen. OpenAI setzt auf SB 3444. Dieser Entwurf würde KI-Entwicklern einen weitreichenden Haftungsschutz gewähren. Unternehmen wären von Schadensersatzforderungen befreit, es sei denn, sie handelten vorsätzlich oder grob fahrlässig. Die Hürden sind hoch: Der Schutz gilt erst bei Massenunglücken mit über 100 Toten oder Sachschäden von mehr als einer Milliarde Euro. Befürworter argumentieren, nur so sei Innovation ohne ruinöse Klagen möglich.

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Während in den USA noch über Haftungsfragen gestritten wird, schafft die EU mit dem AI Act bereits klare Fakten für hiesige Firmen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden hilft Unternehmen, die neuen Risikoklassen und Dokumentationspflichten rechtzeitig zu erfüllen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Anthropic lehnt diesen Ansatz ab und favorisiert SB 3261. Dieses Gesetz verlangt stattdessen Transparenz und aktives Risikomanagement. Entwickler müssten öffentliche Sicherheitspläne vorlegen und ein Meldesystem für Katastrophenrisiken einrichten. Die Schwelle liegt hier bei potenziell 50 Toten. Zudem gibt es spezielle Regelungen zum Schutz von Kindern. Kritiker sehen im OpenAI-Entwurf einen Freibrief für mächtige Tech-Konzerne – vergleichbar mit historischen Privilegien für Pharmaindustrie oder Agrarkonzerne.

Zwischen Weißem Haus und Gerichtssaal: Eine angespannte Beziehung

Während der Gesetzesstreit tobt, ist das Verhältnis der KI-Firmen zur US-Regierung im Fluss. Erst am 18. April 2026 traf sich Anthropic-CEO Dario Amodei im Weißen Haus mit Stabschefin Susie Wiles und Finanzminister Scott Bessent. Die Gespräche über Cybersicherheit und sichere KI-Modelle wurden als „konstruktiv“ beschrieben.

Das markiert eine Kehrtwende. Noch im Februar 2026 hatte die Trump-Administration alle Bundesbehörden angewiesen, die Anthropic-Modelle nicht mehr zu nutzen, und das Unternehmen als „radikal links“ bezeichnet. Ein Richter stoppte diese Order im März. Die Spannungen sind dennoch hoch: Anthropic verklagte im selben Monat das Verteidigungsministerium, nachdem es als Risiko für die Lieferkette eingestuft wurde. Der Grund: Das Unternehmen verweigerte dem Militär uneingeschränkten Zugang zu seinen KI-Modellen.

Verwirrung stiftete zudem eine Aussage von Präsident Trump. Er gab am 17. April an, von einem angeblichen Treffen mit Amodei am 10. März nichts zu wissen. Dieses Gespräch soll sich um das Mythos-Modell gedreht haben, das die Flutvorhersagen der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA um bis zu 22 Prozent verbessern kann. Die Widersprüche nähren Zweifel an einer kohärenten Bundes-Politik für KI.

Strategiewechsel und Führungs-Abgang: Der Druck wächst

Hinter den Kulissen vollziehen beide Unternehmen dramatische Kurskorrekturen. OpenAI steuert entschieden auf den Unternehmensmarkt zu, um profitabel zu werden. Der Umsatzanteil des B2B-Geschäfts stieg von 20 Prozent (2024) auf 40 Prozent (Anfang 2026). Ziel sind 50 Prozent bis Jahresende. Für diesen Fokus opfert das Unternehmen sogar eigene Produkte: Die Verbraucher-Video-App Sora wurde eingestellt, um Rechenleistung für Geschäftsmodelle freizuspielen.

Diese Neuausrichtung kostet Personal. Am 17. April traten drei Top-Manager gleichzeitig zurück: Produktchef Kevin Weil, Sora-Leiter Bill Peebles und Enterprise-CTO Srinivas Narayanan. Der Grund ist der verschärfte Fokus auf Profitabilität und Kostensenkung. OpenAI rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit einem Verlust von 17 Milliarden Euro.

Anthropic scheint hingegen zu stärken. Die Bewertung des Unternehmens soll im April bei rund 800 Milliarden Euro gelegen haben – fast auf Augenhöhe mit OpenAIs 852 Milliarden. Angetrieben wird das Wachstum durch B2B-Erfolge und das leistungsstarke Claude-Mythos-Modell. Der Jahresumsatz liegt bei 30 Milliarden Euro. Für den Herbst 2026 plant Anthropic einen Börsengang (IPO) und strebt positive Cashflows bis 2027 an.

Mythos vs. Spud: Das technologische Duell

Der Wettlauf wird zunehmend von den Fähigkeiten der neuesten Modelle definiert. Anthropics Mythos sorgt für Aufsehen – und Besorgnis. Die KI kann eigenständig Schwachstellen in Code identifizieren und ausnutzen. Das britische KI-Sicherheitsinstitut sprach von einem „signifikanten Technologiesprung“. US-Bankenchefs sollen bereits Krisengespräche mit Anthropic über die Cybersicherheitsrisiken geführt haben.

OpenAI kontert mit seinem Modell Spud. Parallel wird KI alltäglich: 94 Prozent der Produktmanager nutzen sie täglich für Aufgaben wie Datenanalyse. Google startete am 19. April eine native Gemini-App für macOS, um mit den Desktop-Integrationen von ChatGPT und Claude zu konkurrieren.

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Auch in sensiblen Bereichen wie der Gesundheitsbranche schreitet die Integration voran. KI-Systeme werden zunehmend als Medizinprodukte klassifiziert. Studien wie der schwedische MASAI-Versuch zeigen das Potenzial: Der Einsatz von KI in der Mammographie steigerte die Krebsentdeckungsrate um 29 Prozent.

Ausblick: Ein Jahr der Weichenstellungen

Das Jahr 2026 wird entscheidend sein. Wird in Illinois das haftungsbeschränkende Gesetz SB 3444 verabschiedet, könnte dies einen Präzedenzfall für den gesamten US-Markt schaffen und den Einsatz autonomer Systeme beschleunigen. Setzt sich der sicherheitsorientierte Ansatz von SB 3261 durch, droht ein streng reguliertes Umfeld mit Pflicht zur Risikoffenlegung.

Anthropics geplanter Börsengang im Herbst wird zum Stresstest für das Geschäftsmodell der Branche. OpenAIs Fähigkeit, den milliardenschweren Verlust zu stemmen und den B2B-Umsatz zu steigern, wird über seine Spitzenposition entscheiden. Der „KI-Wettlauf“ wird immer weniger ein reines Technologie-Rennen. Es geht zunehmend um die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die ihn überhaupt ermöglichen.

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