Oracle Aktie: 7 Milliarden Dollar Kaution
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 23:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Oracle rutscht am Donnerstag um 4,11 Prozent auf 105,82 Euro ab. Damit nähert sich die Aktie ihrem 52-Wochen-Tief von 105,10 Euro bedrohlich an. Der Auslöser: Ein US-Regulator verlangt Milliarden an Sicherheiten, während sich parallel die Finanzierungskosten für Oracles KI-Expansion auftürmen.
Wisconsin verlangt 7 Milliarden Dollar Kaution
Die Versorgungsbehörde des US-Bundesstaats Wisconsin hat strenge Kreditauflagen bestätigt. Oracle muss demnach mehr als 7 Milliarden Dollar an Sicherheiten hinterlegen, um ein geplantes Rechenzentrum zu bauen. Der Regulator will damit lokale Verbraucher vor steigenden Strompreisen schützen, die durch den enormen Energiebedarf von KI-Anlagen entstehen.
Für Oracle kommt die Forderung zur Unzeit. Der Konzern steckt mitten im teuren Umbau vom klassischen Softwaregeschäft hin zu kapitalintensiver Cloud-Infrastruktur. Die Auflage aus Wisconsin zeigt, wie sehr lokale Netzbetreiber inzwischen an die Grenzen stoßen, wenn Hyperscaler wie Oracle ihre Rechenzentren hochziehen wollen.
50 Milliarden Dollar frisches Kapital geplant
Oracle will im Kalenderjahr 2026 bis zu 50 Milliarden Dollar an neuem Kapital aufnehmen. Geplant ist ein Mix aus unbesicherten Anleihen und aktienähnlichen Instrumenten, darunter ein Aktienprogramm über bis zu 20 Milliarden Dollar.
Die Kreditmärkte reagieren skeptisch auf diese aggressive Verschuldungsstrategie. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf Oracle-Anleihen sind zuletzt auf einen Rekordwert von 198,23 Basispunkten gestiegen. Das signalisiert: Investoren trauen dem Konzern ein höheres Ausfallrisiko zu als noch vor Monaten. Erst kürzlich hatte die Ratingagentur S&P Global das Kreditrating auf BBB- gesenkt — nur eine Stufe über Ramschniveau.
Volle Auftragsbücher, negativer Cashflow
Operativ läuft es für Oracle eigentlich gut. Der Konzern sitzt auf einem Auftragsbestand von rund 638 Milliarden Dollar, getrieben von Großverträgen mit OpenAI und Nvidia. Die Umwandlung dieser Aufträge in echten Cashflow bleibt jedoch die zentrale Sorge an der Wall Street.
Im Geschäftsjahr 2026 gab Oracle 55,7 Milliarden Dollar für Investitionen aus. Der freie Cashflow rutschte dadurch auf minus 23,7 Milliarden Dollar. Analysten von CLSA rechnen damit, dass Oracle bis 2030 insgesamt bis zu 500 Milliarden Dollar an Finanzierung benötigen könnte — eine Summe, die viele Investoren fürchten lässt, dass weitere Verwässerung oder eine massive Schuldenlast folgen.
Charttechnik zeigt tiefen Ausverkauf
Der jüngste Kursrutsch hat den 14-Tage-RSI auf 30,0 gedrückt. Die Aktie gilt damit als überverkauft. Vom Rekordhoch bei 280,70 Euro aus dem September 2025 hat Oracle inzwischen über 62 Prozent verloren.
Einige Analysten, darunter Guggenheim, halten trotz der aktuellen Turbulenzen an hohen Kurszielen fest. Sie verweisen auf das langfristige Potenzial der KI-Infrastruktur. Kurzfristig bleibt der Fokus jedoch auf einer Frage: Kann Oracle den gleichzeitigen Druck aus Rekord-Investitionen und wachsenden regulatorischen Hürden stemmen, ohne die eigene Liquidität zu gefährden?
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