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Oracle Aktie: Herabstufung erzwingt Milliarden-Kaution

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 18:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de

S&P stuft Oracle auf BBB- herab, was eine 7-Milliarden-Dollar-Sicherheitsleistung für ein Rechenzentrum auslöst.

Oracle-Aktie: Herabstufung zwingt zu Milliarden-Kaution
Abstraktes, modernes Hochhaus bei Sonnenuntergang als Symbol für finanzielle Marktveränderungen und Unternehmensdruck. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Oracle-Aktien versuchen eine technische Erholung. Der Kurs steht bei 110,18 Euro, ein Plus von 3,49 Prozent zum Vortag. Erst am 17. Juli 2026 markierte das Papier bei 105,10 Euro ein neues 52-Wochen-Tief.

Der eigentliche Auslöser liegt tiefer. S&P Global Ratings stufte Oracle am 9. Juli 2026 auf BBB- herab. Damit rutscht der Konzern nur noch eine Stufe über den Ramschstatus. Was zunächst wie eine abstrakte Bonitätsfrage klang, hat inzwischen konkrete finanzielle Konsequenzen.

Die Regulierungsbehörde in Wisconsin verlangt von Oracle nun eine Sicherheitsleistung von 7 Milliarden Dollar für das geplante Rechenzentrum in Port Washington mit einer Gigawatt Leistung. Der Grund: Die Kreditwürdigkeit des Unternehmens fiel unter die vorgeschriebene Schwelle von A-. Allein die Gebühren für diese Kaution dürften Oracle künftig mehr als 100 Millionen Dollar pro Jahr kosten.

Die entscheidende Frage: Reicht der Auftragsbestand für die Finanzierungslücke?

Oracles Bewertung hängt nicht mehr nur vom Wachstum der Auftragsbücher ab. Entscheidend ist, wie schnell sich die riesigen vertraglichen Verpflichtungen (RPO) in echten Cashflow verwandeln lassen. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet der Markt mit einem freien Cashflow-Defizit von rund 42 Milliarden Euro.

Die zentrale Frage lautet: Kann Oracle die Investment-Grade-Einstufung halten und gleichzeitig die gigantische Infrastruktur für den 300-Milliarden-Dollar-Vertrag mit OpenAI finanzieren? Der Auftragsbestand wuchs im Jahresvergleich um 363 Prozent auf 638 Milliarden Euro. Die Frage ist, ob sich diese Summe schnell genug in Umsatz verwandelt, um Investitionsausgaben zu decken, die im Geschäftsjahr 2027 auf bis zu 95 Milliarden Euro steigen könnten.

Bullen-Szenario: Überverkauft und mit vollem Auftragspolster

Das Argument für eine Erholung stützt sich auf zwei Säulen: die schiere Größe des künftigen Umsatzpotenzials und die aktuelle Chartlage. Trotz eines Kursrückgangs von 47,13 Prozent binnen zwölf Monaten liefert der RPO-Bestand von 638 Milliarden Euro einen langfristigen Umsatzpuffer, den kaum ein Wettbewerber vorweisen kann.

Der RSI-Wert von 31,7 signalisiert zudem eine überverkaufte Situation. Der Ausverkauf der vergangenen 30 Tage mit einem Minus von 28,25 Prozent könnte damit seinen Höhepunkt erreicht haben.

Optimistische Anleger sehen im aktuellen Kurs von 110,18 Euro einen attraktiven Einstiegspunkt. Das Kursziel des Analystenkonsenses liegt bei 220,61 Euro – ein Aufwärtspotenzial von gut 100 Prozent. Die Ratingherabstufung sorge zwar kurzfristig für Reibung, etwa durch die Kaution in Wisconsin. Die grundsätzliche Nachfrage nach KI-Cloud-Infrastruktur bleibe aber intakt. Als Beleg für operative Stabilität gilt das heute veröffentlichte Juli-Sicherheitsupdate, das 1.455 Schwachstellen schließt und die riesige Kundenbasis im Unternehmenssegment absichert.

Bären-Szenario: Die Kosten der knappen Bonität

Das Risiko liegt in einer möglichen Abwärtsspirale aus steigenden Kapitalkosten und regulatorischen Hürden. Mit BBB- bleibt Oracle kein Bonitätspuffer mehr. Kritiker sehen den Konzern in einer Finanzierungslücke gefangen – verglichen mit besser kapitalisierten Rivalen wie Microsoft (AAA) oder Alphabet (AA+).

Die Kaution in Wisconsin dürfte kein Einzelfall bleiben. Sollten weitere Regulierungsbehörden oder Energieversorger ähnliche Sicherheitsleistungen in Milliardenhöhe fordern, könnte Oracles Liquidität deutlich enger werden.

Hinzu kommen operative Probleme. Der geplante KI-Großcampus in New Mexico im Volumen von 165 Milliarden Dollar stößt auf Umweltauflagen. Ein notwendiger Wechsel zu Brennstoffzellen von Bloom Energy könnte zusätzlich rund 8 Milliarden Dollar kosten. Für das Geschäftsjahr 2026 verbuchte Oracle bereits einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Euro.

Das Bären-Lager argumentiert: Oracle könnte gezwungen sein, entweder das KI-Wachstum zu drosseln oder eine weitere Herabstufung in den Ramschbereich zu riskieren. Letzteres würde institutionelle Verkäufe auslösen und die Finanzierungskosten weiter treiben. Ein zusätzliches Risiko: Ein erheblicher Teil des Auftragsbestands hängt allein am Vertrag mit OpenAI.

Ausblick: Charttechnik gegen Bonitätsdruck

Solange die Unterstützung nahe dem 52-Wochen-Tief von 105,10 Euro hält, könnte der heutige Kurssprung von 3,49 Prozent den Beginn einer Stabilisierung markieren. Der weitere Weg hängt aber maßgeblich von der Kreditlage ab.

Gelingt es Oracle, binnen der nächsten zwölf Monate mehr als die aktuellen 12 Prozent des Auftragsbestands in Umsatz umzuwandeln, könnte sich die Aktie dem 50-Tage-Durchschnitt von 151,58 Euro nähern. Weitet sich das Cashflow-Defizit hingegen aus oder tauchen weitere Kautionsforderungen nach dem Muster von Wisconsin auf, dürfte der Kurs unter Druck bleiben.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der kommende Quartalsbericht. Er zeigt, wie schnell sich der RPO-Bestand von 638 Milliarden Euro tatsächlich in Umsatz verwandelt. Beschleunigt sich diese Umwandlung nicht, dürfte sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch – aktuell bei minus 60,75 Prozent – weiter vergrößern.

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