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Oracle Aktie: S&P stuft auf BBB- herab

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 20:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracles massiver Investitionskurs in KI-Rechenzentren führt zu Kreditrating-Herabstufung und einem neuen 52-Wochen-Tief der Aktie.

Oracle-Aktie: Vom Cash-Riesen zum Schulden-Wettlauf um KI-Infrastruktur
Moderne Glasfassade eines Bürogebäudes bei bewölktem Himmel als Symbol für wirtschaftliche Unsicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Jahrelang galt Oracle als Inbegriff der Cash-Maschine – hohe Margen, Software-Lizenzen, kaum Kapitalbedarf. Diese Geschichte ist gerade auf den Kopf gestellt worden. Der Konzern steckt jetzt mitten in einem kapitalintensiven Wettrüsten um die physische Infrastruktur der KI-Ära, und die Finanzmärkte quittieren das mit wachsendem Misstrauen.

Die Aktie fiel am Dienstag um 4,17 Prozent und markierte bei 100,76 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Nur 0,36 Prozent trennen den aktuellen Kurs von 101,12 Euro noch von dieser Marke. Wer die Rechnung für die vergangenen 30 Tage aufmacht, kommt auf ein Minus von fast 22 Prozent – eine Talfahrt, die sich nicht mit einer einzelnen schlechten Nachricht erklären lässt, sondern mit einem grundlegenden Zweifel am Geschäftsmodell.

Der teure Preis der KI-Dominanz

Oracle sitzt auf einem Rekord-Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar an vertraglich gesicherten künftigen Einnahmen. Genau das aber ist zum Problem geworden. Investoren fragen sich nicht mehr, ob der Konzern genug Aufträge hat – sie fragen, ob er sich die Erfüllung dieser Aufträge überhaupt leisten kann.

Im vergangenen Geschäftsjahr gab Oracle 55,7 Milliarden Dollar für Investitionen aus. Das Management hat bereits signalisiert, dass die Ausgaben im laufenden Jahr auf bis zu 95 Milliarden Dollar steigen könnten. Diese "Bau-es-und-sie-werden-kommen"-Strategie treibt den Konzern immer tiefer in Schulden- und Kapitalmärkte.

Der Wendepunkt kam am 9. Juli 2026. S&P Global Ratings stufte Oracles Kreditrating auf BBB- herab – nur eine Stufe über Ramsch-Niveau. Als Begründung nannte die Agentur einen schwächeren Free Cashflow als erwartet und die wachsenden Geschäftsrisiken durch die massive, konzentrierte Wette auf KI-Rechenzentren.

Kredit am Limit

Die Herabstufung ist längst keine abstrakte Zahl mehr, sie hat konkrete Folgen. Ende Juli bestätigten Regulierungsbehörden in Wisconsin eine Auflage, wonach Oracle für ein Rechenzentrums-Großprojekt Sicherheiten von rund 7 Milliarden Dollar hinterlegen muss. Versorger und Kommunen wollen sich damit gegen das Risiko absichern, dass solche Anlagen zu wertlosen "Stranded Assets" werden, sollte der KI-Boom abkühlen.

Genau diese Finanzierungsreibung spiegelt sich im Chartbild wider. Der 14-Tage-RSI liegt bei 30,6 – technisch überverkauft. Trotzdem notiert die Aktie rund 31 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 145,84 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von fast 40 Prozent zu Buche. Der Markt gibt Oracle beim langfristigen Auftragsbestand offenbar keinen Vertrauensvorschuss mehr, solange die kurzfristige Finanzierung ungeklärt bleibt.

Die Kluft zwischen Kurs und Kursziel

Bemerkenswert ist der Graben zwischen der aktuellen Marktstimmung und den Erwartungen professioneller Analysten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 218,17 Euro – ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von mehr als 115 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Während Anleihegläubiger und kurzfristig orientierte Trader vor dem Kreditrisiko fliehen, glauben viele Analysten offenbar weiterhin, dass sich der gigantische Auftragsbestand irgendwann in einen Gewinnschub historischen Ausmaßes verwandelt.

Wird aus den 638 Milliarden Dollar an Zukunftsversprechen tatsächlich noch ein Comeback, bevor die Kreditwürdigkeit vollends kippt? Die Antwort hängt weniger von Oracles Software-Geschäft ab als von der Fähigkeit, ein enger werdendes Kreditumfeld zu meistern, ohne den Investment-Grade-Status ganz zu verlieren.

Auf Jahressicht hat die Aktie bereits mehr als die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Der Spielraum für weitere Enttäuschungen ist damit denkbar klein geworden.

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