Oracle Aktie: Wisconsin fordert Milliarden-Kaution
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 09:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Oracles KI-Expansion trifft in Wisconsin auf einen hartnäckigen Regulator. Die dortige Energieaufsicht bleibt bei ihrer Forderung nach einer milliardenschweren Sicherheitsleistung für ein neues Rechenzentrum – und bringt damit ausgerechnet jenes Projekt unter Druck, das Oracles Milliarden-Deal mit OpenAI absichern soll.
Kaution als Preis der Bonität
Die Public Service Commission von Wisconsin hat es abgelehnt, ihre strengeren Vorgaben für den Versorger We Energies zu überdenken. Die Folge: Oracle müsste eine Sicherheit von über 7 Milliarden Dollar hinterlegen, um die Stromversorgung für ein rund ein Gigawatt großes Rechenzentrum in Port Washington abzusichern. Die jährlichen Kosten dafür würden mehr als 100 Millionen Dollar betragen.
Grund ist eine Tarifregel für Großkunden, die eine Kaution vorschreibt, sobald das S&P-Rating unter die Schwelle Single-A-minus fällt. Oracle liegt mit seinem Triple-B-Rating zwei Stufen darunter. Das Unternehmen hatte bei einem Bezirksgericht beantragt, die Regel aufzuheben oder We Energies eine Ausnahme zu gestatten, und argumentiert, die Auflage könne künftige Investitionen in dem Bundesstaat gefährden. Die Behörde äußerte sich dazu bislang nur ablehnend zum Prüfantrag, Oracle selbst zeigt sich weiter zuversichtlich, dass die Kommission angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des 15 Milliarden Dollar teuren Projekts noch umschwenkt.
Die OpenAI-Abhängigkeit als zweite Baustelle
Das Rechenzentrum in Wisconsin ist Teil von Oracles 300 Milliarden Dollar schwerem Rechenleistungsvertrag mit OpenAI – und genau diese Verflechtung sorgt für neue Kritik. Der Technologieanalyst Ed Zitron bezeichnet OpenAI als die Lehman Brothers der KI-Blase und warnt, ein Scheitern des ChatGPT-Entwicklers könnte weite Teile der Finanzmärkte erschüttern. Seine These: Die gesamte KI-Euphorie stehe und falle mit einem einzigen Unternehmen.
Besonders verwundbar sieht Zitron Infrastrukturanbieter wie Oracle und CoreWeave, die massiv in Rechenzentren investiert haben, um OpenAIs Rechenlast zu bedienen. Sollte OpenAI Zahlungen einstellen oder sein Geschäftsmodell ändern, drohten diesen Zulieferern nach seiner Einschätzung eigene Finanzierungsprobleme. Eine konkrete Prognose, wann oder ob dieses Szenario eintritt, liefert der Kritiker nicht.
Für Oracle verdichten sich damit zwei Risikostränge zu einem Bild: steigende Finanzierungskosten durch die eigene Bonität und eine wachsende Abhängigkeit von einem einzelnen Großkunden. Ein möglicher Prüfstein für Zitrons These wäre der geplante Börsengang von OpenAI, dessen offengelegte Finanzkennzahlen erstmals belastbare Einblicke in die tatsächliche Zahlungsfähigkeit des Unternehmens liefern würden.
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