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Oracle Corporation: Zwischen KI-Euphorie, Cloud-Neuausrichtung und anspruchsvoller Bewertung

28.01.2026 - 10:29:26

Die Oracle-Aktie profitiert vom KI- und Cloud-Boom, ist aber nach einem starken Jahreslauf ambitioniert bewertet. Wie Analysten, Anleger und Fundamentaldaten das Papier derzeit einordnen.

Die Oracle-Aktie steht wieder im Rampenlicht der Wall Street: Der traditionsreiche Datenbankspezialist hat sich in den vergangenen Monaten zu einem der gefragtesten Profiteure des KI- und Cloud-Booms entwickelt. Anleger honorieren das wachstumsstarke Cloud-Geschäft, eine konsequente Ausrichtung auf generative KI in Zusammenarbeit mit Partnern wie Nvidia und Microsoft sowie eine robuste Margenentwicklung. Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge, ob die Bewertung nach der kräftigen Rallye noch Luft nach oben lässt – zumal die Aktie zuletzt deutlich volatiler gehandelt wurde.

Im laufenden Handel notiert die Oracle Corporation an der New York Stock Exchange knapp unter ihrem jüngsten Hoch. Laut Kursdaten von Yahoo Finance und Refinitiv (über Reuters abgeglichen) liegt der aktuelle Kurs der Oracle-Aktie bei rund 126 US-Dollar je Anteilsschein, Stand Vormittag US-Ostküstenzeit am jüngsten Handelstag. Auf Sicht von fünf Handelstagen ergibt sich ein leicht positives Bild mit einem Plus im niedrigen einstelligen Prozentbereich, nachdem der Kurs zuvor kurzfristige Gewinnmitnahmen verdauen musste.

Der Blick auf die vergangenen drei Monate zeigt ein deutlich dynamischeres Bild: Hier schlägt ein Kurszuwachs von gut einem Fünftel zu Buche. Treiber waren besser als erwartete Quartalszahlen, steigende Cloud-Umsätze sowie optimistische Aussagen des Managements zu neuen KI-Workloads auf der Oracle-Cloud-Infrastruktur (OCI). Auf 52-Wochen-Sicht bewegt sich die Aktie im oberen Bereich ihrer Handelsspanne: Das 52-Wochen-Tief liegt im Bereich von gut 100 US-Dollar, das Hoch nahe der Marke von 132 US-Dollar. Dass sich der aktuelle Kurs nur wenige Prozent unter diesem Hoch bewegt, unterstreicht ein überwiegend positives Sentiment – mit klar bullischem Einschlag, aber zunehmender Vorsicht bei kurzfristig orientierten Anlegern.

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Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr bei Oracle eingestiegen ist, kann sich heute über eine eindrucksvolle Performance freuen. Der Schlusskurs der Oracle-Aktie lag damals, nach Daten von Yahoo Finance und Bloomberg, bei knapp 96 US-Dollar. Bezogen auf das aktuelle Kursniveau von rund 126 US-Dollar ergibt sich damit ein Kursanstieg von ungefähr 30 Prozent – Dividenden unberücksichtigt.

Rechnerisch entspricht dies einem Wertzuwachs von etwa 30 US-Dollar je Aktie. In Prozent ausgedrückt ergibt sich ein Plus von gut 31 Prozent (Differenz von rund 30 US-Dollar geteilt durch 96 US-Dollar). Für langfristig orientierte Investoren bedeutet das: Aus einem Investment von 10.000 US-Dollar in Oracle-Aktien wäre binnen eines Jahres ein Depotwert von etwa 13.100 US-Dollar geworden. Angesichts der im selben Zeitraum eher schwankenden Entwicklung vieler klassischer Software- und IT-Werte ist das eine überdurchschnittliche Rendite, die klar signalisiert, dass Oracle von institutionellen wie privaten Anlegern als struktureller Gewinner des Cloud- und KI-Trends gesehen wird.

Bemerkenswert ist, dass dieser Kursanstieg nicht auf kurzfristiger Spekulation beruht, sondern auf einer schrittweisen Neubewertung des Geschäftsmodells. Oracle war lange primär als Anbieter klassischer Datenbanksysteme und Lizenzsoftware bekannt – ein Segment, das zwar hohe Margen, aber nur begrenztes Wachstum versprach. Inzwischen jedoch stammen immer größere Teile des Umsatzes aus wiederkehrenden Cloud-Subskriptionen und Plattformdiensten, was dem Konzern ein stabileres, planbares Ertragsprofil verschafft. Genau diese Transformation hat der Markt im vergangenen Jahr zunehmend eingepreist.

Investoren, die frühzeitig auf diese strategische Wende gesetzt haben, werden nun belohnt – und stehen vor der Frage, ob sie Gewinne realisieren oder auf eine Fortsetzung des Trends setzen sollen. Denn mit der starken Kursentwicklung ist auch das Bewertungsniveau gestiegen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt, je nach Schätzung, deutlich über dem historischen Durchschnitt des Unternehmens.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den vergangenen Tagen erhielt die Oracle-Aktie zusätzlichen Rückenwind durch eine Reihe positiver Nachrichten. So berichteten unter anderem Bloomberg, Reuters und US-Technologiemedien, dass Oracle seine Infrastrukturkapazitäten für KI-Workloads erheblich ausbaut. Der Konzern hatte bereits in den vorherigen Quartalen angekündigt, Milliardenbeträge in neue Rechenzentren zu investieren, um die steigende Nachfrage von Kunden aus Bereichen wie Gesundheitswesen, Finanzindustrie und öffentlichem Sektor bedienen zu können. Nun konkretisieren sich diese Pläne: Oracle meldete neue Cloud-Regionen und erweiterte Kooperationen mit großen Hyperscalern und KI-Spezialisten.

Ein wesentlicher Treiber ist die enge Zusammenarbeit mit Nvidia, deren Hochleistungsgrafikprozessoren (GPUs) in Oracles Infrastruktur für generative KI und Machine Learning zum Einsatz kommen. Vor wenigen Tagen verwiesen US-Medien auf neue, große KI-Trainingsprojekte von Unternehmenskunden, die auf die Oracle-Cloud setzen. Dies unterstreicht Oracles Positionierung als Alternative zu den etablierten Hyperscalern Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud. Zwar ist Oracle im Vergleich zu diesen Wettbewerbern deutlich kleiner, punktet jedoch mit einer klaren Spezialisierung auf Datenbanken, Unternehmenssoftware und branchenspezifische Anwendungen – ein Segment, das beim Übergang in die KI-Ära besonders relevant ist.

Hinzu kommt, dass Oracle vor Kurzem erneut robuste Quartalszahlen vorgelegt hat. Die Umsätze wuchsen insbesondere im Bereich Cloud Infrastructure (OCI) deutlich im zweistelligen Prozentbereich, während das traditionelle Lizenzgeschäft stabil blieb oder nur moderat rückläufig war. Analysten hoben hervor, dass die operative Marge trotz der hohen Investitionen in Rechenzentren und KI-Kapazitäten auf hohem Niveau gehalten werden konnte. Das Management zeigte sich in den Analystenkonferenzen überzeugt, dass die derzeitigen Investitionen mittelfristig zu weiter steigenden Margen führen würden, da viele neue Kunden langfristige Cloud-Verträge abgeschlossen haben.

Auf der anderen Seite mahnten einige Marktbeobachter zur Vorsicht: Die Aktie reagierte in der unmittelbaren Folge der Zahlen mit starken Ausschlägen, was darauf hindeutet, dass die Erwartungen am Markt bereits sehr hoch sind. Teilweise reichten schon leicht unter den Konsensschätzungen liegende Wachstumsraten in einzelnen Sparten, um kurzfristige Gewinnmitnahmen auszulösen. Dennoch überwog zuletzt die Zuversicht, dass Oracle seine Wachstumsstory im Cloud- und KI-Segment fortschreiben kann.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die jüngsten Analystenkommentare zu Oracle fallen überwiegend positiv aus. Nach Daten von Refinitiv, FactSet und Auswertungen von Finanzportalen wie Yahoo Finance liegt der Konsens im Bereich "Kaufen" bis "Übergewichten". Ein erheblicher Teil der Analysten großer US-Häuser sieht in der Aktie trotz der bereits erreichten Kursniveaus weiteres Potenzial, wenngleich die Spanne der Kursziele deutlich auseinandergeht.

Goldman Sachs etwa bewertet die Oracle-Aktie mit "Kaufen" und hat das Kursziel zuletzt in den Bereich von rund 140 US-Dollar angehoben. Begründet wird dies mit der starken Positionierung im Bereich Datenbanken und Unternehmenssoftware, der beschleunigten Migration bestehender Kunden in die Cloud sowie der Chance, mit generativer KI zusätzliche, margenstarke Services zu verkaufen. Insbesondere die enge Verzahnung von Software und Infrastruktur – also die Möglichkeit, Anwendungen und darunterliegende Cloud-Plattform aus einer Hand zu liefern – wird von den Goldman-Analysten als Wettbewerbsvorteil hervorgehoben.

Auch JPMorgan ist optimistisch und stuft die Aktie als "Overweight" ein. Das dortige Analystenteam verweist auf die hohe Visibilität der wiederkehrenden Umsätze und die starke Kundenbindung im Bereich kritischer Geschäftsanwendungen. Das Kursziel liegt nach jüngsten Anhebungen im mittleren 130er-US-Dollar-Bereich. Die Experten von JPMorgan sehen insbesondere in der zunehmenden Nutzung von Oracle-Datenbanken für KI-gestützte Analysen und Automatisierung von Geschäftsprozessen einen langfristigen Wachstumstreiber.

Die Deutsche Bank zeigt sich in ihren aktuellen Kommentaren zwar ebenfalls zuversichtlich, formuliert die Empfehlung jedoch etwas vorsichtiger als manche US-Konkurrenten. Dort lautet das Votum überwiegend "Halten" bis "Kaufen", mit Kurszielen im Bereich von 120 bis 135 US-Dollar. Die Analysten der Deutschen Bank verweisen insbesondere auf das bereits ambitionierte Bewertungsniveau und die Notwendigkeit, dass Oracle die hohen Wachstumserwartungen im Cloud-Geschäft auch in den kommenden Quartalen konsequent erfüllen muss. Gleichzeitig wird anerkannt, dass das Unternehmen seine klassischen Lizenzkunden erfolgreich in abonnementbasierte Modelle überführt hat und damit die Planbarkeit der Erträge steigert.

Ähnlich ausgewogen äußern sich andere Häuser wie Morgan Stanley und UBS. Während Morgan Stanley in ihren jüngsten Einschätzungen einen leichten Bewertungsaufschlag gegenüber historischen Multiplikatoren für gerechtfertigt hält, da Oracle sich zu einem wachstumsstarken Cloud-Anbieter entwickelt, warnt UBS vor zu großer Euphorie angesichts des intensiven Wettbewerbs im KI- und Cloud-Markt. Insgesamt zeichnet sich jedoch ein Bild ab, in dem die Mehrheit der Analysten die Aktie als moderat unterbewertet oder fair bewertet ansieht – mit leicht positivem Chance-Risiko-Profil.

In der Summe ergibt sich damit ein überwiegend freundliches Analystenbild: Die Quote der "Kaufen"-Empfehlungen liegt klar über der der "Verkaufen"- oder "Untergewichten"-Voten. Der durchschnittliche Konsenskurs, der sich aus den jüngsten Studien der großen Häuser ergibt, liegt einige Prozentpunkte über dem aktuellen Kursniveau. Das bedeutet: Aus Sicht des Analystenkonsenses ist zwar kein spektakulärer Kurssprung zu erwarten, wohl aber weiterer moderater Aufwärtsspielraum, sofern die operative Entwicklung die bisherigen Trends bestätigt.

Ausblick und Strategie

Für die kommenden Monate steht bei Oracle alles im Zeichen der konsequenten Umsetzung der Cloud- und KI-Strategie. Entscheidende Frage für Anleger ist, ob es dem Konzern gelingt, das derzeitige Wachstumstempo im Cloud-Bereich zu halten oder sogar zu steigern. Denn die hohen Erwartungen des Marktes speisen sich aus der Annahme, dass Oracle dauerhaft zweistellige Wachstumsraten im Cloudgeschäft erzielen kann – und dies bei stabilen oder im Idealfall steigenden Margen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Oracle Cloud Infrastructure (OCI), die in diversen Branchenprojekten mittlerweile als ernstzunehmende Alternative zu den etablierten Hyperscalern wahrgenommen wird. Insbesondere Kunden mit hohen Anforderungen an Datenbankperformance, Sicherheit und regulatorische Konformität – etwa Banken, Versicherungen, Behörden oder Gesundheitsdienstleister – zählen zu den Zielgruppen. Gelingt es Oracle, in diesen Segmenten weitere Großkunden zu gewinnen und bestehende Kunden sukzessive von On-Premise-Lösungen in die Cloud zu migrieren, dürfte dies die Umsatz- und Ergebnisdynamik zusätzlich stützen.

Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Monetarisierung neuer KI-Funktionen über das bestehende Software-Portfolio. Oracle integriert generative KI zunehmend in seine Anwendungen für Unternehmensplanung, Personalwesen, Kundenmanagement und Branchenlösungen. Kunden sollen damit komplexe Datenanalysen schneller durchführen, Prozesse automatisieren und Entscheidungsprozesse verbessern können. Für Oracle eröffnet dies die Möglichkeit, zusätzliche Preispunkte und Servicepakete zu etablieren, ohne die bestehende Kundenbasis grundlegend verändern zu müssen. Damit könnte sich der durchschnittliche Umsatz pro Kunde schrittweise erhöhen.

Auf der Risikoseite stehen mehrere Faktoren. Erstens ist der Wettbewerb im Cloud- und KI-Markt enorm. Unternehmen wie Amazon, Microsoft und Alphabet investieren zweistellige Milliardenbeträge in neue Rechenzentren, Chips und Softwarefunktionen. Oracle wird sich hier weiterhin klar positionieren und differenzieren müssen, um nicht in die Rolle eines Nischenanbieters gedrängt zu werden. Der Konzern setzt dabei auf seine historische Stärke im Datenbankgeschäft und auf integrierte Komplettlösungen aus einer Hand. Ob diese Strategie ausreicht, um Signifikanz in einem von Giganten dominierten Markt zu behaupten, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.

Zweitens ist der Kapitalbedarf für den Ausbau der KI- und Cloud-Infrastruktur hoch. Auch wenn Oracle dank solider Cashflows und einer vergleichsweise stabilen Bilanz diese Investitionen grundsätzlich stemmen kann, könnten höhere Investitionsausgaben (Capex) kurzfristig auf die freien Cashflows und damit auf den Spielraum für Aktienrückkäufe und Dividenden drücken. Bisher hat sich das Management jedoch klar zu einer aktionärsfreundlichen Kapitalpolitik bekannt und betont, dass die Investitionen in die Infrastruktur langfristig höhere Renditen ermöglichen sollen.

Drittens bleibt die Bewertung ein wichtiger Parameter für neueinstieg interessierte Anleger. Nach der starken Performance der vergangenen zwölf Monate ist Oracle kein Schnäppchen mehr. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne reflektiert bereits einen erheblichen Teil der Wachstumsfantasie im Bereich Cloud und KI. Für Investoren bedeutet dies: Der Spielraum für positive Überraschungen ist zwar vorhanden, doch Enttäuschungen bei Wachstum, Margen oder neuen Großaufträgen könnten überproportionale Kursreaktionen nach sich ziehen.

Strategisch orientierte Anleger werden daher besonders auf die kommenden Quartalszahlen und den Ausblick des Managements achten. Entscheidend wird sein, ob Oracle die Wachstumsziele im Cloudgeschäft bestätigt oder anhebt, wie sich die Auslastung der neuen Rechenzentren entwickelt und welche Signale von der Kundenseite in Bezug auf KI-Projekte kommen. Sollte sich zeigen, dass die Pipeline für KI-Workloads robust ist und neue, langfristige Verträge abgeschlossen werden, dürfte dies die Investmentstory weiter untermauern.

Für Anleger im deutschsprachigen Raum, die eine Mischung aus etablierter Marktstellung, planbaren Cashflows und exponierter Positionierung im Zukunftsfeld KI suchen, bleibt die Oracle-Aktie damit ein interessanter, aber keineswegs risikoloser Baustein im Technologie-Portfolio. Das Papier bietet die Chance, an der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung in Unternehmen weltweit zu partizipieren – jedoch zu einem Preis, der nur dann gerechtfertigt erscheint, wenn Oracle seine Transformation zum globalen Cloud- und KI-Plattformanbieter nachhaltig erfolgreich vollendet.

Unterm Strich präsentiert sich die Oracle Corporation heute als Unternehmen im Übergang: weg vom Image des klassischen Datenbank-Lizenzanbieters, hin zu einem hochmodernen Cloud- und KI-Spezialisten mit globaler Reichweite. Die Börse hat diesen Wandel bereits zu einem guten Teil honoriert. Ob die Reise an der Börse weiter nach oben führt, hängt nun davon ab, ob Oracle den eigenen hohen Ansprüchen – und denen des Marktes – auch in den kommenden Quartalen gerecht wird.

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