ROUNDUP, Klagen

Klagen gegen Waffenlieferungen nach Israel erfolglos

12.11.2025 - 18:35:23

PalÀstinenser im Gazastreifen sind mit ihrem Versuch gescheitert, deutsche Waffenexporte nach Israel gerichtlich verbieten zu lassen.

Das Verwaltungsgericht Berlin wies ihre Klagen gegen die Genehmigungspraxis der Bundesregierung aus prozessualen GrĂŒnden zurĂŒck. (Az. VG 4 K 45/24 und VG 4 130/24).

Die Richter hatten ĂŒber zwei unterschiedlich gelagerte Klagen zu entscheiden. In einem Fall argumentierte der KlĂ€ger, die Genehmigungspraxis verstoße gegen die völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands. Der Vorsitzende Richter Stephan Groscuth erklĂ€rte, dieser vorbeugende Rechtsschutz könne nur gewĂ€hrt werden, wenn absehbar sei, dass die Bundesrepublik genau so wieder handele. "Das zu erwartende Handeln muss sich abzeichnen."

Davon sei jedoch derzeitig nicht auszugehen. Die Bundesregierung habe ihre Genehmigungspraxis zu Kriegswaffenlieferungen nach Israel ausdrĂŒcklich geĂ€ndert, so das Gericht. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe im August dieses Jahres erklĂ€rt, die Bundesregierung werde bis auf Weiteres keine Genehmigungen mehr fĂŒr die Ausfuhr von Kriegswaffen erteilen. "Aus diesem Grund benötigten die KlĂ€ger derzeit keine gerichtliche Entscheidung."

Ein KlÀger bei Luftangriff gestorben

Im zweiten Verfahren griffen vier im Gazastreifen lebende PalĂ€stinenser - ein weiterer KlĂ€ger ist zwischenzeitlich bei einem Luftangriff gestorben - eine Genehmigung fĂŒr die Ausfuhr von 3.000 tragbaren Panzerabwehrwaffen an. Sie wollten, dass diese nachtrĂ€glich als rechtswidrig eingestuft wird.

Dies sei nur möglich, wenn die Gefahr bestehe, dass die Bundesregierung unter denselben Bedingungen wie im Herbst 2023 erneut so handeln wĂŒrde, argumentierte das Gericht in diesem Fall. Das lasse sich aber schon deswegen nicht vorhersagen, weil Entscheidungen ĂŒber Kriegswaffenlieferungen "in den Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung" fielen.

VerÀnderte Situation im Gaza-Krieg

Zudem hat sich die Situation im Gaza-Krieg im Vergleich zu der Lage unmittelbar nach dem beispiellosen Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 maßgeblich geĂ€ndert, wie die Richter betonten. Die Genehmigung, um die es ging, war zu Beginn des militĂ€rischen Einsatzes erteilt worden.

Um die deutschen Waffenlieferungen an Israel gibt es seit Monaten Diskussionen. Nach dem Terrorangriff der Hamas hatte die Bundesregierung ihre RĂŒstungsexporte nach Israel erheblich gesteigert und priorisiert bearbeitet. Im August jedoch ordnete Bundeskanzler Merz als Reaktion auf das seinerzeit zunehmend aggressive Vorgehen der israelischen StreitkrĂ€fte an, vorerst keine Ausfuhren von RĂŒstungsgĂŒtern nach Israel mehr zu genehmigen, die im Gaza-Krieg verwendet werden können.

Danach genehmigte die Bundesregierung im September RĂŒstungslieferungen im Wert von mindestens 2,46 Millionen Euro, wie aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorging. Zum Vergleich: Vom 1. Januar bis zum 8. August 2025 wurden Exporterlaubnisse im Wert von gut 250 Millionen Euro fĂŒr Israel erteilt.

KlÀger: Waffenruhe fragil

Im Gaza-Krieg gilt seit 10. Oktober eine Waffenruhe. Allerdings kam es seither mehrmals erneut zu Kampfhandlungen, bei denen drei israelische Soldaten und mehr als 240 Bewohner des Gazastreifens getötet wurden.

Die KlĂ€ger bezeichneten die derzeitige Waffenruhe als fragil und die humanitĂ€re Situation als eine Katastrophe. Die Anordnung des Bundeskanzlers zu Waffenlieferungen reichen ihnen nicht aus, wie sie erklĂ€rten. Ihre AnwĂ€lte zeigten sich enttĂ€uscht ĂŒber das Urteil.

Arzt: Zerstörungskraft der Waffen

Der seit 22 Jahren in Berlin lebende Sohn des KlÀgers im ersten Verfahren war zunÀchst mit seinem Vater gemeinsam vor Gericht gezogen. Die MÀnner hatten bereits in mehreren Eilverfahren ohne Erfolg versucht, Kriegswaffenexporte zu stoppen. Am Rande der Verhandlung erklÀrte der 41 Jahre alte Oberarzt, er habe nicht mit einem Erfolg gerechnet. Er wolle aber alles versuchen. "Ich will meinen Eltern in die Augen schauen können", sagte er.

Sichtlich angefasst berichtet er von den Geschehnissen im Gazastreifen, wo er nach eigenen Angaben mehrfach als Arzt war. Er sei Zeuge von Verletzungen geworden und habe die Zerstörungskraft von "Waffen made in Germany" gesehen, sagte der Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit.

@ dpa.de