London und Peking nÀhern sich an - Visafreie Reisen
29.01.2026 - 14:37:35(neu: mehr Details und Hintergrund)
PEKING (dpa-AFX) - Angesichts der Turbulenzen im VerhĂ€ltnis zu den USA unter PrĂ€sident Donald Trump wĂ€chst das Interesse der westlichen US-VerbĂŒndeten an mehr NĂ€he zu China. GroĂbritanniens Premierminister Keir Starmer, der in dieser Woche mit einer groĂen Wirtschaftsdelegation in Peking ist, lobte nach einem GesprĂ€ch mit Staatschef Xi Jinping die "guten und starken Beziehungen" beider LĂ€nder.
Es ist der erste Besuch eines britischen Regierungschefs seit acht Jahren. Auch Kanzler Friedrich Merz will der zweitgröĂten Volkswirtschaft der Welt laut Medien Ende Februar einen Besuch abstatten.
Das britisch-chinesische VerhĂ€ltnis war zuletzt stark abgekĂŒhlt. Sowohl der Kurs Pekings in der frĂŒheren Kronkolonie Hongkong als auch der Umgang mit der Minderheit der Uiguren und SpionagevorwĂŒrfe hatten zu Kritik und ZurĂŒckhaltung aus London gefĂŒhrt.
China will neues Kapitel aufschlagen
Doch nun soll es eine AnnĂ€herung geben. "Wir haben einige wirklich gute Fortschritte gemacht", zitierte der Sender Sky News den britischen Regierungschef nach dem Treffen mit Xi. So habe es Beratungen ĂŒber eine Reduzierung der Zölle fĂŒr Whisky aus GroĂbritannien, visafreie Reisen nach China und Zusammenarbeit bei der BekĂ€mpfung irregulĂ€rer Migration gegeben. Durch engere Handelsbeziehungen mit China erhofft sich Starmer niedrigere Preise fĂŒr britische Verbraucher und neue ArbeitsplĂ€tze.
Beim Thema Visafreiheit verkĂŒndete London kurze Zeit spĂ€ter eine Einigung. Demnach sollen Briten bald bis zu 30 Tage ohne Visum nach China reisen dĂŒrfen. FĂŒr Deutsche und BĂŒrger anderer europĂ€ischer Staaten gilt eine Ă€hnliche Regel bereits. Ein neues Partnerschaftsabkommen solle zudem britischen Unternehmen den Marktzugang in China in den Bereichen Gesundheit, Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, juristische Dienstleistungen sowie Bildung erleichtern, teilte der Londoner Regierungssitz 10 Downing Street mit.
Der in GroĂbritannien ansĂ€ssige Pharmakonzern Astrazeneca kĂŒndigte zeitgleich mit dem Besuch Investitionen in China von 15 Milliarden US-Dollar (etwa 12,5 Milliarden Euro) an.
PrĂ€sident Xi erklĂ€rte nach offiziellen chinesischen Angaben, China sei bereit, mit GroĂbritannien eine langfristige und stabile umfassende strategische Partnerschaft zu entwickeln. Er sei ĂŒberzeugt, dass der Besuch ein Erfolg sein werde und beide LĂ€nder ein neues Kapitel der chinesisch-britischen Beziehungen aufschlagen könnten.
"Respektvolle Diskussion" ĂŒber Menschenrechte
Trotz des Tauwetters bleiben Spannungsfelder zwischen China und GroĂbritannien bestehen. Dazu zĂ€hlen aus britischer Sicht Sicherheits- und Spionagebedenken sowie der Umgang mit chinesischen Investitionen in kritische Infrastruktur. Erst kĂŒrzlich hatte London nach lĂ€ngerem Zögern dem Bau einer neuen chinesischen "Mega-Botschaft" in der britischen Hauptstadt zugestimmt. Kritiker befĂŒrchten, das GebĂ€ude im Bankenviertel City of London könne als Basis fĂŒr Spionage und Repression gegen im Exil lebende Dissidenten genutzt werden.
Auch angesichts der ausstehenden VerkĂŒndung des StrafmaĂes gegen den inhaftierten Hongkonger Medienmogul Jimmy Lai, der auch einen britischen Pass hat, gibt es Spannungen. Lai droht lebenslange Haft, nachdem ihn ein Gericht in der chinesischen Sonderverwaltungsregion bereits schuldig gesprochen hatte. Starmer betonte, man habe dieses und weitere kritische Themen in einer "respektvollen Diskussion" angesprochen. Kommentatoren in GroĂbritannien mutmaĂten, Starmer habe allenfalls sanfte Töne in Peking angeschlagen.
Westliche Regierungschefs stehen Schlange in Peking
Auch Kanada hatte jahrelang keinen Regierungschef mehr nach Peking entsandt, bevor es Mitte Januar wieder zu einem hochrangigen Treffen kam, bei dem auch neue Handelsabsprachen getroffen wurden. Die Regierungschefs von Irland und Finnland waren im Januar ebenfalls zu GesprĂ€chen in China. Im Dezember hatte zudem Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron bei einem Besuch fĂŒr stabilere Beziehungen mit Peking geworben.
Angesichts der strikt nach dem Motto "America First" ausgerichteten AuĂenpolitik Trumps und seiner aggressiven Zollpolitik sind viele traditionelle VerbĂŒndete mehr oder minder auf Distanz zur Regierung in Washington gegangen. In vielen LĂ€ndern wird darĂŒber diskutiert, wie man sich in unberechenbaren Zeiten wirtschaftlich und militĂ€risch unabhĂ€ngiger von den Vereinigten Staaten machen kann - ohne den mĂ€chtigen US-PrĂ€sidenten zu verprellen.

