Pernod Ricard Aktie: Mauve Croizat folgt auf de Tissot
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 03:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pernod Ricard steht vor einem bedeutenden personellen Umbruch in der Führungsebene und einer strategischen Neuausrichtung in einem seiner wichtigsten Märkte. Der französische Spirituosenkonzern besetzt die Position der Finanzchefin intern neu, während ein langwieriger Steuerstreit in Indien in eine neue Phase tritt.
Interne Nachfolge an der Finanzspitze
Das Unternehmen hat Mauve Croizat mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 zur neuen Executive Vice President Finance & Tech ernannt. Sie tritt damit die Nachfolge von Hélène de Tissot an, die den Konzern nach 23 Jahren verlässt, um als Global CFO zum Luxusgüterhersteller Chanel zu wechseln. Croizat blickt auf eine über zwanzigjährige Karriere innerhalb von Pernod Ricard zurück, die im Jahr 2004 als Praktikantin begann. Zuletzt verantwortete sie als Global Senior Vice President das Transformationsprogramm der Gruppe und war zuvor als CEO für Schweden und Nordeuropa tätig.
Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, wird Croizat bereits ab dem 24. August 2026 als stellvertretende Finanzchefin agieren. In ihrer neuen Rolle wird sie Mitglied des Executive Committee sein und direkt an den CEO Alexandre Ricard berichten.
Taktikwechsel im indischen Milliardenmarkt
Parallel zu den personellen Veränderungen sorgt eine Entscheidung in Indien für Aufsehen. Medienberichten zufolge hat Pernod Ricard eine Klage vor dem High Court in Delhi gegen eine Steuerforderung in Höhe von 314 Millionen US-Dollar zurückgezogen. In dem seit Jahren schwelenden Konflikt geht es um den Vorwurf, das Unternehmen habe die Werte von importiertem Scotch-Whisky zu niedrig angegeben, um Zölle zu sparen.
Pernod Ricard plant nun, den Rechtsweg direkt über die zuständige Steuerbehörde fortzusetzen. Die Risiken für das Unternehmen sind erheblich: Sollte das Verfahren endgültig verloren gehen, könnten die Gesamtzahlungen inklusive möglicher Strafen auf über 600 Millionen US-Dollar ansteigen. Dies würde etwa ein Fünftel des jährlichen Umsatzes in Indien ausmachen, der zuletzt mit 2,9 Milliarden US-Dollar beziffert wurde. Indien ist gemessen am Absatzvolumen der weltweit größte Markt für den Hersteller von Marken wie Absolut Vodka und trägt rund 10 Prozent zum globalen Umsatz bei.
Marktreaktion und Ausblick
Der Spirituosenriese, der im Geschäftsjahr 2025 einen Gesamtumsatz von 10.959 Millionen Euro erwirtschaftete, sieht sich neben dem Steuerstreit weiteren Herausforderungen in Südasien gegenüber. Dazu gehören laufende Kartellverfahren und Einschränkungen bei Verkaufslizenzen in der Hauptstadtregion Neu-Delhi.
An der Börse spiegelt sich die angespannte Lage wider. Am Mittwoch verzeichnete das Papier einen Kursrückgang von 4,55 Prozent und schloss bei 63,40 Euro. Damit entfernt sich die Aktie weiter von ihrem 52-Wochen-Hoch, das im August 2025 noch bei 103,10 Euro markiert wurde. Trotz der rechtlichen Unsicherheiten in Indien gibt es jedoch optimistische Stimmen am Markt. Analysten bewerten den Titel weiterhin positiv und rufen vereinzelt Kursziele von bis zu 117 Euro auf, was auf ein signifikantes Erholungspotenzial hindeutet, sofern die rechtlichen Hürden überwunden werden.
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