Polen alarmiert nach Angriff auf Zug von Kiew nach Warschau
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 18:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Die Eskalation von russischer Seite ist nun RealitĂ€t geworden, und die Beispiele dafĂŒr rĂŒcken immer nĂ€her an unsere Grenze heran", sagte Polens Regierungschef Donald Tusk bei einer Sitzung des Krisenstabs. Auch westliche Politiker sind bei ihren Reisen nach Kiew auf die Bahnverbindung von Polen in die Ukraine angewiesen - der Luftraum ĂŒber dem Land ist gesperrt.
Am Sonntag war nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn die Lokomotive des Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen worden. Die Passagiere wurden rechtzeitig evakuiert, niemand sei zu Schaden gekommen, hieà es. Die polnische Eisenbahn PKP teilte am Abend mit, der Zug sei mit sechs Stunden VerspÀtung in Warschau eingetroffen.
Zwei polnische GrenzĂŒbergĂ€nge zeitweise evakuiert
Wegen der Gefahr von LuftschlĂ€gen stellten zwei GrenzĂŒbergĂ€nge auf der polnischen Seite zeitweise den Betrieb ein. Wie der Chef des Grenzschutzes bei der Sitzung des Krisenstabs in Warschau sagte, gab es in den frĂŒhen Morgenstunden rund zwei Kilometer vom GrenzĂŒbergang Dorohusk entfernt einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle. Rund 280 Reisende seien von dem GelĂ€nde des GrenzĂŒbergangs evakuiert worden, GrenzschĂŒtzer und Zollbeamte hĂ€tten sich in einen Schutzraum begeben.
SpĂ€ter habe sich eine weitere Drohne dem GrenzĂŒbergang Hrebenne genĂ€hert. Auch hier seien mehr als 300 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Es sei aber am Ende nicht zu einem Angriff in der NĂ€he gekommen. Am Nachmittag hatte sich die Situation an der Grenze demnach wieder normalisiert.
Tusk warnt vor weiteren Störaktionen an der Grenze
Regierungschef Tusk verwies darauf, dass Russland in der Vergangenheit bereits versucht habe, GrenzĂŒbergĂ€nge in Moldawien lahmzulegen. Man habe von VerbĂŒndeten zuvor Hinweise bekommen, dass der russische Plan Versuche beinhalten wĂŒrde, die ukrainischen GrenzĂŒbergĂ€nge zu desorganisieren und möglicherweise auch zu zerstören - dies könne auch Polen betreffen.
Man mĂŒsse mit verstĂ€rkten Aktionen Russlands in den kommenden Wochen und Monaten rechnen, sagte Tusk weiter. "Wir können nicht ausschlieĂen, dass diese Eskalation auch unser Staatsgebiet betreffen wird." Russland sei auch bereit, gegen Polen dĂŒsengetriebene Drohnen einzusetzen, warnte er.
Kiew: Moskau muss Konsequenzen spĂŒren
Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj schrieb, Moskaus Angriffe hÀtten nahe der polnisch-ukrainischen Grenze in der Region Wolyn eine Lokomotive in Brand gesetzt und eine Tankstelle beschÀdigt.
Der ukrainische AuĂenminister Andrij Sybiha forderte hĂ€rtere Konsequenzen fĂŒr Moskau. Russische Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien nicht einfach eine FortfĂŒhrung der Attacken auf die ukrainischen Staatsgrenzen, schrieb er auf der Plattform X. "Das ist Putins Terror, der direkt an die TĂŒren der EU und der Nato "klopft"."
Polens Regierungschef Tusk hatte fĂŒr den SpĂ€tnachmittag eine Krisensitzung der Ressortchefs und der uniformierten Dienste einberufen. "Wir nehmen diese Ereignisse Ă€uĂerst ernst", schrieb Innenminister Marcin Kierwinski auf X.
Moskau bestÀtigt Angriffe
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestĂ€tigte am Morgen unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Diese wĂŒrden den Transport von MilitĂ€rgĂŒtern aus europĂ€ischen LĂ€ndern gewĂ€hrleisten, hieĂ es.
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Bei russischen Angriffen gibt es immer wieder auch Tote und SchÀden im Zugverkehr und an Bahnhöfen.
