Prima, Hirn-Erkrankungen

Prima: KI erkennt Hirn-Erkrankungen in Sekunden

10.02.2026 - 07:44:12

Ein neues KI-System der University of Michigan analysiert MRT-Scans mit bis zu 97,5% Genauigkeit und priorisiert Notfälle, um überlastete Radiologen zu unterstützen.

Ein neues KI-Modell der University of Michigan analysiert Hirnscans in Sekunden und erkennt mit hoher Genauigkeit über 50 neurologische Erkrankungen. Das System könnte die Notfallmedizin revolutionieren und überlastete Radiologen entlasten.

Die Entwicklung namens Prima wurde kürzlich im Fachjournal Nature Biomedical Engineering vorgestellt. Es handelt sich um einen umfassenden diagnostischen „Co-Pilot“, der mit einer Trefferquote von bis zu 97,5% arbeitet. Der Durchbruch kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Weltweit steigt die Nachfrage nach medizinischen Bildgebung rasant, während gleichzeitig ein Mangel an Fachärzten herrscht. Prima soll die erste Analyse komplexer MRT-Aufnahmen automatisieren und lebensbedrohliche Zustände wie Schlaganfälle sofort markieren.

Anzeige

Passend zum Thema klinische KI – die EU‑KI‑Verordnung bringt neue Pflichten für Hersteller und Betreiber von Diagnose‑Systemen wie Prima. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt kompakt Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen, Dokumentationsanforderungen und Übergangsfristen, damit Entwickler und Kliniken den Regulierungsweg sicher planen. Besonders relevant für Teams, die KI‑Systeme in Notaufnahmen oder radiologischen Abteilungen einsetzen wollen. KI‑Verordnung: Umsetzungsleitfaden kostenlos herunterladen

Vom Spezialwerkzeug zum universellen Diagnose-Assistenten

Prima unterscheidet sich grundlegend von früheren medizinischen KI-Modellen. Statt auf schmal trainierte Systeme setzen die Forscher auf ein Vision-Language Model (VLM). Diese Architektur verarbeitet visuelle Daten aus den MRT-Scans und textuelle Informationen aus der Patientenakte gleichzeitig – ähnlich wie ein menschlicher Radiologe.

„Das Modell denkt in einem klinischen Kontext“, erklären die Erstautoren der Studie. Wurde der Scan wegen plötzlicher Kopfschmerzen angeordnet? Diese Information fließt in die Analyse ein. Für das Training nutzten die Forscher einen gewaltigen Datensatz: über 200.000 MRT-Untersuchungen und etwa 5,6 Millionen Bildsequenzen aus dem Klinikalltag der Universitätsklinik. Diese breite Basis aus realen Fällen, nicht perfekten Labordaten, macht die KI robust und vielseitig. Beobachter sprechen bereits von einem „ChatGPT für die medizinische Bildgebung“.

Priorisierung in der Notaufnahme: Jede Minute zählt

Die größte klinische Bedeutung könnte Primas Fähigkeit zur Triage haben. In Notaufnahmen entscheiden Minuten über den Behandlungserfolg. Das System analysiert einen Scan sofort nach der Aufnahme und alarmiert das Behandlungsteam, wenn es eine kritische Anomalie wie eine Hirnblutung erkennt.

„Es bestimmt effektiv, welche Fälle sofortiges Eingreifen erfordern“, sagt der leitende Studienautor, Neurochirurg Dr. Todd Hollon. Erkennt die KI eine Blutung, kann sie automatisch Alarme an Stroke-Spezialisten oder Neurochirurgen senden. Diese automatisierte Priorisierung stellt sicher, dass lebensbedrohliche Fälle in überlasteten Kliniken sofort bearbeitet werden – ein großer Engpass im Klinikalltag könnte so überwunden werden.

Antwort auf die Überlastung der Radiologie

Prima adressiert ein systemisches Problem: Die Nachfrage nach MRT-Untersuchungen steigt seit Jahren, während die Zahl der Radiologen nicht Schritt hält. Die Folge sind Überlastung, Burnout und Verzögerungen bei der Diagnose.

Die KI soll die Ärzte nicht ersetzen, sondern entlasten. Sie sichtet Bilder vor, erstellt Vorberichte und markiert auffällige Regionen. Der menschliche Experte kann sich dann effizienter auf die Bewertung konzentrieren. Routineaufnahmen oder klar identifizierbare Pathologien könnte die KI übernehmen, sodass Radiologen mehr Zeit für komplexe, grenzwertige Fälle haben, die menschliche Urteilskraft erfordern. Diese symbiotische Zusammenarbeit aus menschlicher Expertise und maschineller Geschwindigkeit gilt vielen Klinikmanagern als Weg zu einer nachhaltigen Patientenversorgung.

Wettlauf der medizinischen KI-Modelle

Die Vorstellung von Prima ist Teil einer Innovationswelle in der medizinischen KI. Erst Tage zuvor stellten Forscher des Mass General Brigham „BrainIAC“ vor, ein Modell zur Vorhersage von Demenzrisiko und Krebsüberleben. Ende 2025 präsentierten Teams von UC Berkeley und UCSF „Pillar“ für 3D-Bildanalysen.

Analysten sehen Prima jedoch durch seinen Fokus auf die akute Diagnose und Triage im Vorteil. Während Konkurrenzprodukte oft auf Langzeitprognosen setzen, zielt Prima auf den klinischen Arbeitsablauf „hier und jetzt“. Seine Ausbildung mit vollständigen Krankenakten neben Bilddaten gibt ihm einen einzigartigen Vorteil, den tatsächlichen diagnostischen Prozess nachzubilden. Der Trend geht klar weg von Einzweck-KIs hin zu vielseitigen, allgemeinen Systemen – eine Entwicklung, die der bei großen Sprachmodellen in der Tech-Branche gleicht.

Ausblick: Von der Hirn-MRT zum universellen Scanner

Das Team der University of Michigan plant bereits, Primas Fähigkeiten auszubauen. Die zugrunde liegende VLM-Technologie ist anpassbar und könnte auch auf andere Bildgebungsverfahren wie CT, Röntgen oder Ultraschall sowie andere Körperregionen angewendet werden.

Langfristig wollen die Forscher noch detailliertere Daten wie elektronische Gesundheitsakten und genetische Informationen integrieren, um die Diagnosepräzision weiter zu verfeinern. Der Weg zur Kommerzialisierung und Zulassung durch Behörden wie die FDA ist vorgezeichnet. Zwar ist Prima derzeit ein Forschungsprototyp, doch seine Leistung in einer realen Klinikumgebung spricht für eine erfolgreiche Validierung.

Für die medizinische Gemeinschaft könnte 2026 das Jahr werden, in dem die KI zu einem echten Partner in der neurologischen Versorgung wird. Tools wie Prima dürften künftig zur Standardausstattung radiologischer Abteilungen gehören und eine Zukunft einläuten, in der medizinische Diagnosen schneller, sicherer und für alle zugänglicher sind.

Anzeige

PS: Sie wollen Prima oder ähnliche Bildgebungs‑KI klinisch einsetzen? Der kostenlose Leitfaden zur EU‑KI‑Verordnung liefert praktische Checklisten für Dokumentation, Risikobewertung und Kennzeichnung – ideal, um Zulassungs‑ und Betriebsfragen rechtzeitig zu klären. Vermeiden Sie Verzögerungen bei der Implementierung durch fehlende Compliance‑Vorbereitung. Jetzt KI‑Verordnung‑Leitfaden anfordern

@ boerse-global.de