Psychotherapeuten-Honorare, KĂŒrzung

Psychotherapeuten-Honorare sinken ab April um 4,5 Prozent

19.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

Die KĂŒrzung der GrundvergĂŒtung fĂŒr Psychotherapie durch den Bewertungsausschuss fĂŒhrt zu realen Einnahmeverlusten fĂŒr Praxen und bedroht die Versorgung in lĂ€ndlichen Regionen.

Psychotherapeuten-Honorare sinken ab April um 4,5 Prozent - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Psychotherapeuten-Honorare sinken ab April um 4,5 Prozent - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat die GrundvergĂŒtung fĂŒr Psychotherapie gekĂŒrzt. Die Entscheidung trifft auf massiven Widerstand von ÄrzteverbĂ€nden und löst Sorgen um die Versorgung auf dem Land aus.

Finanzielle LĂŒcke trotz ZuschlĂ€gen

Mitte MĂ€rz setzte der GKV-Spitzenverband im Schiedsgremium die Absenkung durch. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) stimmte geschlossen dagegen, konnte die Entscheidung aber nicht verhindern. Zwar steigen gleichzeitig die StrukturzuschlĂ€ge fĂŒr Personalkosten um 14,25 Prozent. Laut Bundespsychotherapeutenkammer gleicht das die Verluste jedoch nicht aus.

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Selbst bei voller Ausschöpfung der ZuschlĂ€ge bleibt fĂŒr die Praxen ein reales Minus von durchschnittlich 2,8 Prozent. Viele Therapeuten können diese ZuschlĂ€ge in der RealitĂ€t gar nicht voll abrufen. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen kritisiert die „RasenmĂ€hermethode“. Die Krankenkassen verweisen hingegen auf prekĂ€re Kassenfinanzen und frĂŒhere HonorarzuwĂ€chse.

LĂ€ndlicher Raum steht vor dem Kollaps

Besonders dramatisch sind die Folgen fĂŒr den lĂ€ndlichen Raum. Dort sind die Wege fĂŒr Patienten schon heute weit und Praxisnachfolger extrem rar. „Eine HonorarkĂŒrzung wird perspektivisch zu noch grĂ¶ĂŸeren VersorgungsengpĂ€ssen fĂŒhren“, warnt Dr. Kristina SchĂŒtz, PrĂ€sidentin der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen.

In FlĂ€chenlĂ€ndern wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern ist die Lage Ă€hnlich angespannt. Catrin Steiniger, Vorstandsvorsitzende der KassenĂ€rztlichen Vereinigung Brandenburg, warnt vor einem mutwilligen BeschĂ€digung des Versorgungsnetzes. Wenn Praxen aus wirtschaftlichen GrĂŒnden schließen, bricht fĂŒr viele Landbewohner die einzige erreichbare Anlaufstelle weg.

Stigma und FachkrÀftemangel als Doppelproblem

Auf dem Land kommen spezifische HĂŒrden hinzu. In kleinen Dorfgemeinschaften ist die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen oft stĂ€rker. Die Sorge vor dem Verlust der AnonymitĂ€t hĂ€lt viele Betroffene vom Praxisbesuch ab.

Gleichzeitig fehlen differenzierte Angebote, etwa fĂŒr Kinder oder spezifische Behandlungen. Wird die Grundversorgung finanziell unattraktiver, schwindet auch der Anreiz fĂŒr junge Therapeuten, sich fernab der StĂ€dte niederzulassen. Der Beschluss droht, jahrelange BemĂŒhungen um Nachwuchs fĂŒr die Provinz zunichte zu machen.

Mehr Bedarf, weniger PlÀtze

Der Zeitpunkt der KĂŒrzung gilt als besonders kritisch. Der Bedarf an psychologischer Hilfe steigt seit Jahren signifikant an. Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen ist im letzten Jahrzehnt um rund die HĂ€lfte gestiegen, wie die GrĂŒnen-Politikerin Katrin Eder betont.

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FĂŒr Patienten bedeutet die Entwicklung vor allem eines: noch lĂ€ngere Wartezeiten. Schon jetzt warten Hilfesuchende oft monatelang. Chronische Erkrankungen könnten unbehandelt bleiben – was langfristig zu weit höheren Folgekosten im Gesundheitssystem fĂŒhren dĂŒrfte.

VerbĂ€nde kĂŒndigen juristischen Widerstand an

Die Entscheidung wird nicht kampflos hingenommen. Eine Online-Petition gegen die KĂŒrzung sammelte innerhalb von 24 Stunden ĂŒber 100.000 Unterschriften. Die Bundespsychotherapeutenkammer prĂŒft gemeinsam mit anderen VerbĂ€nden rechtliche Schritte.

Mehrere regionale KassenĂ€rztliche Vereinigungen fordern in Resolutionen die sofortige RĂŒcknahme. Die Protestierenden argumentieren, die ambulante Psychotherapie bilde das RĂŒckgrat der KrisenbewĂ€ltigung und dĂŒrfe nicht zum Sparposten degradiert werden.

Unsicherheit bis zur ÜberprĂŒfung

Die Honorarabsenkung soll planmĂ€ĂŸig zum 1. April in Kraft treten. Der Bewertungsausschuss hat jedoch angeordnet, die Datengrundlage bis Ende September grundlegend zu ĂŒberprĂŒfen.

Bis dahin bleibt die Unsicherheit fĂŒr Praxisinhaber und Patienten hoch. Branchenkenner warnen vor einem schleichenden Praxissterben in der Provinz, sollte die Politik nicht korrigierend eingreifen. Die Zukunft der psychosozialen Versorgung auf dem Land steht auf dem Spiel.

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