PwC, UiPath

PwC und UiPath setzen neue Maßstäbe für KI-Governance

10.02.2026 - 18:30:12

PwC führt ISO-42001-Zertifizierung ein, während UiPath mit einer Übernahme den KI-Compliance-Markt konsolidiert. 2026 wird zum Jahr auditiert verantwortungsvoller KI.

Die Ära der unkontrollierten Künstlichen Intelligenz geht zu Ende. Während weltweit scharfe Regulierungen in Kraft treten, etablieren Marktführer jetzt erstmals zertifizierbare Standards für verantwortungsvolle KI-Nutzung in Unternehmen.

PwC Kanada kündigte heute als erste der Big-Four-Prüfgesellschaften in Nordamerika einen Zertifizierungsservice für ISO 42001 an. Dieser internationale Managementstandard speziell für Künstliche Intelligenz gibt Unternehmen erstmals einen klaren, extern überprüfbaren Rahmen für den ethischen Einsatz von KI-Systemen. Parallel übernimmt der Automatisierungsspezialist UiPath mit WorkFusion einen führenden Anbieter für KI-gestützte Compliance-Lösungen im Finanzsektor. Beide Entwicklungen signalisieren: 2026 wird zum Jahr, in dem KI-Governance von theoretischen Prinzipien zu auditierten Unternehmensstandards wird.

ISO 42001: Vom Ethik-Diskurs zum Prüfbericht

Bisher scheiterten viele Unternehmen daran, ihre ethischen KI-Grundsätze in die Praxis umzusetzen. Eine aktuelle PwC-Studie zeigt: Weniger als die Hälfte der kanadischen Vorstandsvorsitzenden hat formalisierte Prozesse für verantwortungsvolle KI implementiert. Global verfügen nur 29 Prozent der Organisationen über umfassende Governance-Pläne.

„Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei KI-Ethik schließt sich jetzt“, analysiert ein Branchenbeobachter. Der neue ISO-Standard biete erstmals eine „Blaupause für vertrauenswürdige KI“ – von der Entwicklung über das Training bis zum produktiven Einsatz. Für Aufsichtsräte und Vorstände wird Governance damit messbar. Sie können Regulierern, Kunden und Investoren nachweisen, dass ihre KI-Systeme sicher, fair und transparent arbeiten.

PwCs Angebot integriert den neuen Standard mit bestehenden Cybersecurity-Rahmenwerken. Damit setzt die Prüfgesellschaft einen neuen Maßstab für sichere und konforme KI-Einführung in Unternehmen.

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Marktkonsolidierung: Compliance wird zur Kernkompetenz

Die strategische Übernahme von WorkFusion durch UiPath unterstreicht den wachsenden Stellenwert des KI-Compliance-Markts. WorkFusion spezialisiert sich auf KI-Agenten für die Finanzkriminalitätsbekämpfung – etwa bei Kundenprüfungen oder Transaktionsüberwachungen.

UiPath stärkt damit gezielt seine Lösungen für den hochregulierten Banken- und Finanzsektor. Die Integration soll Finanzinstituten eine mächtige Plattform bieten, um komplexe Workflows zu automatisieren und gleichzeitig strenge Compliance-Vorgaben einzuhalten.

„Diese Akquisition ist ein klares Signal“, kommentiert eine Analystin. „KI-gestützte Compliance ist keine Nischenfähigkeit mehr, sondern wird zur kritischen Komponente jeder Enterprise-IT.“ Große Plattformanbieter würden zunehmend spezialisierte KI-Compliance-Firmen übernehmen, um den dringenden Bedarf risikointensiver Branchen zu bedienen.

Der regulatorische Druck wächst weltweit

Die Branchenentwicklungen sind eine direkte Antwort auf eine globale Regulierungswelle. Die EU-KI-Verordnung, die als globaler Benchmark gilt, tritt ab August 2026 vollständig in Kraft. Sie stellt strenge Anforderungen an Datenqualität, Transparenz und Risikomanagement für „hochriskante“ KI-Systeme in Bereichen wie Personalwesen, Finanzen und kritischer Infrastruktur.

In den USA entsteht ein fragmentierteres, aber ebenso dynamisches Regulierungsumfeld. Colorados umfassendes KI-Gesetz tritt noch dieses Jahr in Kraft und verpflichtet Entwickler und Nutzer hochriskanter KI-Systeme zur Vermeidung algorithmischer Diskriminierung. Kalifornien bereitet eigene KI-Transparenzgesetze vor, die ebenfalls im August 2026 wirksam werden.

Dieser Flickenteppich aus nationalen und internationalen Vorschriften schafft erhebliche Komplexität für global operierende Unternehmen. Einheitliche, international anerkannte Standards wie ISO 42001 werden damit unverzichtbar für den rechtssicheren Betrieb.

Die neue Realität: Governance als Betriebsmodell

Die Konvergenz aus neuen Standards, Marktkonsolidierung und regulatorischen Fristen erzwingt einen grundlegenden Wandel. KI-Governance entwickelt sich von einer theoretischen Diskussion zu einer praktischen Betriebsdisziplin.

Experten fordern, Governance nicht als Softwaretool oder juristische Checkliste zu begreifen, sondern als integriertes Betriebsmodell. Dies erfordere die Zusammenarbeit von Recht, Risikomanagement, IT und Data Science über traditionelle Abteilungsgrenzen hinweg.

Besondere Dringlichkeit erhält diese Entwicklung durch eine paradoxe Situation: Während Strafverfolgungsbehörden wie das US-Justizministerium zunehmend KI für ihre eigenen Ermittlungen nutzen, halten sie Unternehmen gleichzeitig zu höheren Standards bei der Risikominderung ihrer KI-Systeme an.

Ausblick: Zertifizierung wird zum neuen Due-Diligence-Standard

Die Einführung des PwC-Zertifizierungsservices dürfte einen Dominoeffekt auslösen. Andere große Prüfgesellschaften werden unter Druck geraten, ähnliche KI-Audit-Angebote zu entwickeln. Die externe Zertifizierung der KI-Governance könnte sich damit als neuer Standard der unternehmerischen Sorgfaltspflicht etablieren.

Die UiPath-Übernahme deutet zudem auf anhaltende Konsolidierung im KI-Compliance-Technologiesektor hin. Spezialisierte Anbieter werden zu begehrten Übernahmezielen für große Plattformanbieter, die End-to-End-Lösungen anbieten wollen.

Für Unternehmen ist die Botschaft von 2026 eindeutig: Die Schonfrist für experimentelle KI-Einführung ist vorbei. Die Frage lautet nicht mehr, ob KI reguliert werden soll, sondern wie verantwortungsvolle Governance nachgewiesen werden kann. In der KI-Ära wird Vertrauen künftig auf überprüfbarer Compliance und einem proaktiven, integrierten Risikomanagement basieren.

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