Redfin und Zumper starten KI-Immobiliensuche in ChatGPT
06.02.2026 - 14:43:12Die großen Immobilienportale verlagern die Wohnungssuche in den Chat: Mit neuen Apps für OpenAI’s ChatGPT ersetzen Redfin und Zumper Filter durch Dialog.
Die digitale Immobiliensuche hat diese Woche eine entscheidende Wende genommen. Die Branchengrößen Redfin und Zumper starteten gleichzeitig eigene Anwendungen innerhalb der ChatGPT-Plattform. Diese Doppelstrategie markiert den Abschied vom traditionellen Filter-System. Stattdessen entdecken Käufer und Mieter Objekte jetzt im natürlichen Gespräch mit der KI.
Die Ankündigungen zwischen dem 4. und 6. Februar 2026 positionieren beide Unternehmen an der Spitze von OpenAIs expandierendem App-Ökosystem. Indem sie ihre Marktplätze direkt in die populärste KI-Schnittstelle der Welt einbetten, zielen sie auf eine wachsende Nutzergruppe ab. Diese stellt lieber komplexe Fragen, statt Kästchen auf Suchformularen anzukreuzen.
Redfin: Chat statt Kartenansicht für Käufer
Am Freitag startete Redfin offiziell seine Immobilien-App für ChatGPT. Sie soll Käufer durch den komplexen Prozess der Objektsuche führen. Die Integration erlaubt es Nutzern, mit Redfins riesiger Datenbank an Listings und Marktdaten in einfacher Sprache zu interagieren. Die starren Parameter klassischer Suchmaschinen entfallen.
Laut der Ankündigung können Nutzer die Suche mit groben Kriterien beginnen – etwa einem Budgetrahmen in einer bestimmten Stadt. Anschließend verfeinern sie die Ergebnisse durch Nachfragen. Ein Nutzer könnte nach Häusern in Seattle unter einem bestimmten Preis fragen. Im nächsten Schritt filtert er dann nach kurzen Pendelzeiten ins Zentrum oder Vierteln mit bestimmten Schulbewertungen.
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Ariel Dos Santos, Senior Vice President für Produkt und Design bei Redfin, betonte den strategischen Ansatz. Die Einführung solle die Wohnungssuche intuitiver machen. Indem das Unternehmen einen zusätzlichen Einstiegspunkt zu seinen Listings schaffe, wolle es die digitale Suche an die natürliche Denkweise der Menschen anpassen. Wohnen werde weniger als Reihe isolierter Datenpunkte, sondern als ganzheitliche Lebensstilentscheidung behandelt.
Die ChatGPT-App baut auf Technologie auf, die Redfin Ende 2025 einführte. Im November startete der Maklerdienst ein konversationelles Suchfeature auf seiner eigenen Website und iOS-App, betrieben von der KI-Plattform Sierra. Die neue ChatGPT-Integration erweitert diese Fähigkeit und trifft die Nutzer dort, wo sie ohnehin digitale Zeit verbringen.
Zumper: Pionierarbeit für den Mietmarkt
Bereits am 4. Februar verkündete Zumper seinen eigenen Meilenstein. Das Unternehmen ist die erste mietfokussierte Plattform, die ChatGPTs App-Ökosystem betritt. Die Integration des San Francisco-basierten Anbieters ist speziell auf den schnelllebigen Mietmarkt zugeschnitten. Die Tools adressieren die typischen Probleme bei der Wohnungssuche.
Die Zumper-App erlaubt es Mietern, mit präzisen, dialogbasierten Anfragen nach verfügbaren Apartments zu suchen. Nutzer können Befehle wie „Zeig mir haustierfreundliche Zwei-Zimmer-Apartments in Austin unter 2.500 Dollar mit Waschmaschine in der Einheit“ eingeben. Die KI generiert dann eine kuratierte Liste passender Objekte inklusive Fotos und Details.
Ein herausstechendes Feature ist der Bereich „Miettrends“. Dieses Tool liefert sofortigen Marktkontext, indem es Echtzeit-Mietdaten für die gesuchte Stadt anzeigt. Russell Middleton, Mitgründer von Zumper, erklärte, die Integration in einen natürlichen Gesprächsfluss befähige Mieter mit Daten, die bisher schwer zu synthetisieren waren. Das Ziel sei, die Suche zu verbessern und gleichzeitig Vermietern moderne Tools an die Hand zu geben, um neue Zielgruppen zu erreichen.
Der Start fällt mit einem messbaren Wandel im Nutzerverhalten zusammen. Von Zumper zitierte Daten zeigen: Der Anteil der Mieter, die KI-Tools bei der Wohnungssuche nutzen, hat sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Er stieg von etwa 4,4 Prozent 2024 auf fast 10 Prozent 2025.
Vom Filter zur „agentischen“ Entdeckung
Die Einführung dieser Apps signalisiert einen breiteren Wandel, wie Proptech-Unternehmen Nutzerakquise und -bindung angehen. Zwei Jahrzehnte lang dominierte das „Portal-Modell“ den Online-Immobilienmarkt. Erfolg wurde dadurch definiert, Nutzer auf eine eigene Website zu locken, um dort mit kartenbasierten Filtern zu interagieren. Der Schritt zu ChatGPT deutet auf eine Zukunft hin, in der die Entdeckung in dezentralen, KI-gehosteten Umgebungen stattfindet.
Branchenanalysten sehen hier den Beginn „agentischer“ Such-Erlebnisse. Die Software agiert dabei mehr wie ein menschlicher Makler als wie eine Datenbank. Statt einer statischen Liste von 50 Häusern, die eine Quadratmeter-Anforderung erfüllen, können diese KI-Apps Nuancen interpretieren. Ein Nutzer könnte etwa nach Häusern „mit Brooklyn-Vibe, aber in Chicago“ fragen. Eine solche Anfrage scheitert an traditionellen Filtern, große Sprachmodelle (LLMs) können sie jedoch interpretieren.
Diese Entwicklung unterstreicht auch den Wettbewerbsdruck, generative KI zu adaptieren. Nachdem Zillow Ende 2025 seine eigene ChatGPT-Integration vorgestellt hat und der europäische Riese ImmoScout24 diese Woche ein ähnliches Tool startete, kämpfen die großen Player um Anteile im konversationellen KI-Markt. Der Konsens lautet: Die nächste Generation von Wohnungssuchenden erwartet, dass ihre Suchtools Kontext, Präferenzen und Abwägungen verstehen – auf eine Weise, wie es Keyword-Matching niemals konnte.
Technische Integration und Nutzererfahrung
Sowohl Redfin als auch Zumper haben ihre ChatGPT-Apps als nahtlose Erweiterungen ihrer Kernplattformen designed. Findet ein Nutzer ein vielversprechendes Inserat in der Chat-Oberfläche, erhält er eingebettete Links. Diese leiten ihn zurück zur Website oder Mobil-App des jeweiligen Unternehmens. Diese „Übergabe“ ist für das Geschäftsmodell kritisch. Sie verbindet die Entdeckungsphase (in ChatGPT) mit der Transaktionsphase (Besichtigungstermine vereinbaren, Makler kontaktieren, Mietvertrag unterzeichnen).
Bei Redfin nutzt die Integration dieselbe Datenpipeline, die auch die Maklertools antreibt. Nutzer können den „Redfin Estimate“ für Immobilienwerte abrufen und detaillierte Markteinblicke direkt im Chat einsehen. Das System ist darauf ausgelegt, Kontext zu behalten. Nutzer müssen ihr Budget oder ihre Ortspräferenzen nicht bei jeder neuen Eingabe wiederholen – ein häufiger Reibungspunkt bei traditionellen Suchleisten.
Zumpers Implementierung konzentriert sich auf Geschwindigkeit und Genauigkeit. Beides sind entscheidende Faktoren auf dem Mietmarkt, wo das Angebot sich schnell dreht. Die App unterstützt alle bestehenden Filter von Zumper. Das stellt sicher, dass die KI keine fiktiven Listings erfindet oder abgelaufene Objekte anzeigt. Indem das LLM direkt mit der Live-Datenbank verbunden wird, will Zumper das „Aktualitäts“-Problem lösen, das allgemeine KI-Chatbots oft plagt.
Ausblick: Der KI-Immobilienmakler
Im weiteren Verlauf des Jahres 2026 wird die Rolle der KI in der Immobilienbranche voraussichtlich von der einfachen Suche zu komplexen Beratungsaufgaben expandieren. Während sich aktuelle Versionen auf die Entdeckung konzentrieren, könnten künftige Updates Terminvereinbarungen, das Verfassen von Kaufangeboten oder sogar Mietverhandlungen umfassen.
Die rasche Adoption dieser Tools legt nahe, dass die „Suchleisten“-Ära des Internets ihrem Ende entgegengeht. Für Unternehmen wie Redfin und Zumper besteht die Herausforderung darin, ihre Markenidentität und ihren Wertversprechen innerhalb eines fremden Ökosystems wie OpenAIs zu bewahren. Der frühe Schritt, in ChatGPT Präsenz zu zeigen, deutet jedoch auf die Bereitschaft hin, den eigenen traditionellen Web-Traffic zu kanibalisieren. Der Preis für die Führungsposition in der aufkeimenden KI-Ökonomie.
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