Reformpaket, Sicht

Reformpaket geht aus Sicht von Ökonomen nicht weit genug

Veröffentlicht am: 03.07.2026 um 10:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Das geplante Reformpaket der Bundesregierung geht nach ĂŒbereinstimmender EinschĂ€tzung fĂŒhrender Ökonomen nicht weit genug, um die deutsche Wirtschaft aus der jahrelangen Dauerkrise zu fĂŒhren.

DafĂŒr wĂ€ren weitergehende Schritte erforderlich, heißt es beim Ifo-Institut in MĂŒnchen, dem DIW in Berlin, dem ZEW Mannheim und dem Kiel Institut fĂŒr Weltwirtschaft.

DIW: Beschneidung von BesitzstÀnden muss folgen

"Die schweren Reformen, die eine Beschneidung von BesitzstĂ€nden beinhalten, werden nun folgen mĂŒssen", sagte DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher der Deutschen Presse-Agentur. Das Reformpaket sei nicht mehr als ein erster Schritt, um eine Trendwende bei der MentalitĂ€t und Wahrnehmung in Deutschland herbeizufĂŒhren. "Wer glaubt, die Bundesregierung hĂ€tte nun den schwersten Teil der Reformen hinter sich, der irrt."

Notwendig wĂ€ren nach EinschĂ€tzung des DIW-PrĂ€sidenten drei große Reformen. An erster Stelle nannte Fratzscher eine große Investitionsoffensive sowohl bei privaten als auch bei öffentlichen Investitionen. Als Zweites plĂ€dierte der Ökonom fĂŒr eine grundlegende Reform des Steuersystems, bei der vor allem kleine und mittlere Einkommen, aber auch Unternehmen steuerlich deutlich entlastet und Abgaben reduziert werden mĂŒssten.

Und als dritten Punkt nannte Fratzscher die Reform und Integration Europas. "Wir haben in Deutschland noch immer nicht verstanden, dass ein starkes, geeintes und integriertes Europa unsere einzige Chance ist, uns global gegen immer aggressivere und nationalistische Hegemone in den USA und in China zu schĂŒtzen."

Ifo: Wachstum der Staatsausgaben begrenzen

Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest sieht das Paket als wichtigen Beitrag, mahnt aber ebenso weitere Schritte an. "GrĂ¶ĂŸter Schwachpunkt des Reformpakets ist, dass Maßnahmen zur Konsolidierung der Staatsausgaben fehlen." Mittelfristig seien steuerliche Entlastungen unmöglich, wenn das Wachstum der Staatsausgaben nicht eingedĂ€mmt werde. Positive Wachstumswirkung werden nach EinschĂ€tzung des Ifo-PrĂ€sidenten vor allem die Maßnahmen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und zur StĂ€rkung der Leistungsanreize entfalten.

Positiv hob der MĂŒnchner Ökonom auch das geplante Verbot der Enteignung von Immobilien hervor. "Die EnteignungsplĂ€ne in Berlin schrecken private Investoren im Wohnungsbau ab und verschĂ€rfen die Wohnungsnot." FĂŒr verbesserungsbedĂŒrftig hĂ€lt Fuest die geplante Einkommensteuerreform. "Positiven Wirkungen der Entlastung mittlerer Einkommen stehen höhere Belastungen von mittelstĂ€ndischen Personengesellschaften durch den höheren Spitzensteuersatz gegenĂŒber, der jetzt inklusive SolidaritĂ€tszuschlag knapp unter 50 Prozent liegt."

ZEW: teure Energie, ĂŒbermĂ€ĂŸige BĂŒrokratie und fehlende FachkrĂ€fte

In Mannheim glaubt auch ZEW-PrĂ€sident Achim Wambach, dass das Reformpaket positive Effekte entfalten wird. "Der wirtschaftliche Druck ist aber enorm", sagte Wambach. "Um Deutschland als Investitionsstandort wieder an die Spitze zu bringen, werden weitere Schritte erforderlich sein." Hohe Energiekosten, ĂŒbermĂ€ĂŸige Regulierung und FachkrĂ€ftemangel hemmten die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen.

Union und SPD hatten sich in der Nacht zum Donnerstag auf das Reformpaket verstĂ€ndigt, das die bereits in die Wege geleiteten Änderungen bei Rente und Gesundheit einschließt. Hinzu kommen sollen nun unter anderem Steuerentlastungen von zehn Milliarden Euro und der Abbau von BĂŒrokratie.

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