Rentensystem, Experten

Rentensystem: Experten warnen vor Krise, Gewerkschaften starten Gegenoffensive

24.01.2026 - 15:42:13

Deutschlands Rentensystem steht vor einem tiefgreifenden Generationenkonflikt. Während Wirtschaftsexperten vor einer drohenden Finanzkrise warnen, starten die Gewerkschaften eine eigene Initiative, um das Rentenniveau zu sichern. Die Debatte eskalierte in den letzten Tagen, nur Wochen nachdem die Ampelkoalition ein kurzfristiges Stabilisierungspaket beschlossen hatte.

Das Herzstück der deutschen Rente ist das Umlageverfahren: Die Beiträge der heutigen Arbeitnehmer finanzieren direkt die Pensionen der aktuellen Rentner. Dieses Modell gerät durch den demografischen Wandel massiv unter Druck. Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentner aufkommen. Das im Dezember 2025 verabschiedete Rentenpaket garantiert zwar bis 2031 ein Rentenniveau von mindestens 48 Prozent. Kritiker monieren jedoch, dass dies die strukturellen Probleme nur aufschiebt, nicht löst.

Ökonomen fordern mutigere Reformen

Führende Wirtschaftswissenschaftler werden deutlicher: Sie werfen der Politik vor, notwendige, aber unpopuläre Entscheidungen zu scheuen. Der Ökonom Axel Börsch-Supan kritisierte kürzlich eine parteiübergreifende Reformunwilligkeit. Seiner Ansicht nach wurden frühere Meilensteine wie die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 durch spätere Entscheidungen systematisch ausgehöhlt – Stichwort „Rente mit 63“.

Wirtschaftsforschungsinstitute wie das IW Köln und das DIW Berlin fordern seit langem strukturelle Anpassungen. Eine zentrale Forderung: die stärkere Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung, um die Generationengerechtigkeit zu wahren. Doch der politische Widerstand gegen längere Arbeitszeiten bleibt enorm.

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DGB kontert mit eigener Rentenkommission

Als deutliches Signal starteten die Gewerkschaften diese Woche eine Gegenoffensive. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gab am 20. Januar die Einsetzung einer hochrangigen Expert*innenkommission Rente bekannt. Unter Leitung von DGB-Chefin Yasmin Fahimi soll das 13-köpfige Gremium bis Sommer 2026 eigene Konzepte für ein nachhaltiges und faires System entwickeln.

Ziel ist es, der aus Sicht des DGB vorherrschenden „Krisen- und Opfernarrative“ etwas entgegenzusetzen. Die Gewerkschaften wollen die Debatte aktiv mitgestalten – mit Fokus auf Leistungserhalt statt nur auf Sparmaßnahmen.

Zwei Grundsatzvisionen prallen aufeinander

Der aktuelle Streit offenbart einen grundlegenden Zielkonflikt. Auf der einen Seite stehen Ökonomen, die fiskalische Nachhaltigkeit und Anpassung an demografische Realitäten betonen. Oft plädieren sie für längere Erwerbsbiografien und eine stärkere private Vorsorge.

Auf der anderen Seite verteidigen Gewerkschaften und Sozialverbände die soziale Schutzfunktion des Systems. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Verhinderung von Altersarmut und dem Erhalt des Lebensstandards. Die Komplexität zeigt sich auch in jüngsten Gerichtsentscheidungen, etwa zu Fragen der Krankenversicherung bei Teilrenten.

Der deutsche Diskurs ist kein Einzelfall. In der Schweiz etwa streiten Regierungsstellen über die politische Entscheidung, eine Rentenaltererhöhung auszusetzen. Der Druck auf die öffentlichen Rentenkassen ist ein gesamteuropäisches Phänomen.

Entscheidendes Jahr für die Rentenpolitik

Die kommenden Monate werden richtungsweisend. Die Vorschläge der DGB-Kommission werden die Narrative der Wirtschaftsinstitute herausfordern. Parallel plant die Bundesregierung eine Kommission für die Zeit nach 2031, wenn die aktuellen Garantien auslaufen.

Die Debatte wird sich zuspitzen um Kernfragen: Müssen Deutsche länger arbeiten? Wie lässt sich die Finanzlast fair zwischen Aktiven und Ruheständlern verteilen? Und welche Rolle sollen kapitalgedeckte Säulen neben dem Umlagesystem spielen? Die Antworten werden Deutschlands sozialen Zusammenhalt für kommende Generationen prägen.

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