Rocket Lab: 17,2 Prozent Sprung in fünf Tagen
04.07.2026 - 23:50:02 | boerse-global.de
Ein Raketenstart in unter 17 Stunden Vorlaufzeit, ein 8-Milliarden-Dollar-Deal und ein Dutzend bullische Analysten — Rocket Lab hat gerade eine seiner turbulentesten und zugleich stärksten Wochen hinter sich. Die Aktie legte binnen fünf Handelstagen um 17,2 Prozent zu, während der S&P 500 nur 1,7 Prozent gewann. Zum Wochenschluss stand der Kurs bei 100,46 Dollar.
Fünf Tage, die den Trend drehten
Die jüngste Rally kam nach Wochen heftiger Schwankungen. Erst fiel die Aktie von einem Junihoch bei rund 122 Dollar bis in die niedrigen 80er, dann erholte sie sich Ende Juni auf etwa 97 Dollar. Zur Jahresmitte steht dennoch ein Plus von 192,12 Prozent binnen zwölf Monaten zu Buche.
Der Monatsvergleich zeigt allerdings ein anderes Bild: minus 19,85 Prozent. Die Aktie bleibt damit ein Papier für Anleger mit starken Nerven — selbst wenn die langfristige Kursentwicklung beeindruckt.
Analysten werden optimistischer
Den Ausschlag für die Erholung gaben mehrere positive Analystenstimmen. KeyBanc hob Rocket Lab auf "Overweight" mit einem Kursziel von 135 Dollar an. Die Bank bezeichnete den vorangegangenen Ausverkauf bei Raumfahrtwerten als unberechtigt und stufte Rocket Lab als klare Nummer zwei hinter SpaceX ein — gestützt auf ein Rekordumsatzquartal, einen großen Auftragsbestand und die kommende Neutron-Rakete, die in der Klasse der Falcon 9 mithalten soll.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte der CEO selbst. Er sprach bei CNBC über die geplante 8-Milliarden-Dollar-Übernahme des Satellitenkommunikationsanbieters Iridium — ein Deal, der bei Analysten weiter für Gesprächsstoff sorgt. Aktuell bewerten 17 Analysten die Aktie mit "Buy", das Konsensziel liegt bei 103 Dollar. Über die vergangenen sechs Monate haben 15 Analysten Kursziele genannt, der Median liegt bei 115 Dollar.
Operative Erfolge stützen die These
Neben den Deal-Schlagzeilen sammelt Rocket Lab auch operativ Punkte. Bei der VICTUS-HAZE-Mission für die US Space Force stellte das Unternehmen einen globalen Rekord auf: Nur 16 Stunden und 42 Minuten vergingen zwischen Startbefehl und Abheben. Hinzu kam ein vor Ort produziertes Raumfahrzeug samt Orbitbetrieb — genau die Art von Fähigkeit, die zu Folgeaufträgen und Premiumpreisen im Verteidigungsgeschäft führen kann.
Auch zivil läuft es rund. Die NASA beauftragte Rocket Labs Electron-Rakete für drei dedizierte Starts der PolSIR-CubeSats und der TSIS-2-Mission von Neuseeland aus, geplant ab Anfang 2027. Für den Kunden Synspective gelangen zehn erfolgreiche Starts in Folge, 17 weitere sind bereits bis Ende des Jahrzehnts gebucht.
Die Bewertung wirft Fragen auf
Nicht jede Stimme ist ungebremst positiv. Einige Analysten verweisen auf eine ambitionierte Bewertung, selbst wenn die Wachstumsgeschichte intakt bleibt. Über drei Jahre hat die Aktie etwa das 16-Fache zugelegt — sowohl das Discounted-Cash-Flow-Modell als auch gängige Marktmultiplikatoren deuten inzwischen auf einen Aufschlag hin. Das setzt die Messlatte für weitere Kursgewinne hoch.
Bei der Profitabilität zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Umsatz der vergangenen zwölf Monate liegt bei rund 601,8 Millionen Dollar, die Bruttomarge bei 36,6 Prozent. Die operative Marge bleibt jedoch negativ, im letzten Quartal floss ein Free Cashflow von minus 77,4 Millionen Dollar ab. Immerhin: Die Bilanz zeigt rund 1,21 Milliarden Dollar Cash bei niedriger Verschuldung.
Die nächsten Quartalszahlen stehen erst im August an. Bis dahin dürfte sich der Kurs vor allem an Fortschritten bei der Neutron-Rakete und an weiteren Reaktionen auf den Iridium-Deal orientieren. Electron-Geschäft und die Raumfahrtsparte liefern bereits starkes Umsatzwachstum und einen Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar — ob Rocket Lab aber langfristig profitabel wird, hängt maßgeblich davon ab, ob die größere, wiederverwendbare Neutron-Rakete termingerecht an den Start geht.
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