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Rocket Lab Aktie: 57 Prozent unter Mai-Hoch trotz 266-Millionen-Auftrag

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 19:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz eines 266-Millionen-Dollar-Vertrags der US Space Force setzt Rocket Lab seinen Kursrutsch fort. Anleger sorgen sich um die Finanzierung der Iridium-Übernahme.

Rocket Lab: Rekordauftrag der Space Force, Aktie dennoch im Sinkflug
Abstrakte Darstellung einer Raumrakete vor einem blauen Hintergrund als Symbol für die Luft- und Raumfahrtbranche. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die US Space Force hat Rocket Lab den größten Startvertrag der Firmengeschichte erteilt – und trotzdem bricht die Aktie weiter ein. Der Widerspruch zwischen operativen Erfolgen und Kursverlauf prägt die aktuelle Lage des Raumfahrtunternehmens.

Größter Verteidigungsauftrag der Firmengeschichte

Die Space Systems Command vergab an Rocket Lab einen Vertrag über 266 Millionen US-Dollar für bis zu 18 suborbitale Starts von Alaska aus. Die Vereinbarung umfasst zwölf feste sowie sechs optionale Missionen und läuft vom geplanten ersten Start Ende 2026 bis ins Jahr 2028. Ausgangspunkt ist der Pacific Spaceport Complex in Kodiak, Alaska. Eine modifizierte Electron-Rakete soll dabei Nutzlasten von bis zu 1.500 Pfund bei mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit befördern – die Flüge dienen Tests im Bereich Hyperschall- und Raketenabwehrtechnologie. Firmenchef Peter Beck bezeichnete den Auftrag als Ausdruck des Vertrauens des Militärs in die Startfähigkeiten seines Unternehmens. Ergänzend läuft bereits ein separater, im März geschlossener Vierjahresvertrag mit dem Pentagon über bis zu 190 Millionen US-Dollar für 20 Hyperschall-Testflüge.

Wenige Tage zuvor hatte Rocket Lab zudem die Victus-Haze-Mission für die Space Force abgeschlossen: Eine Electron-Rakete brachte einen Satelliten binnen 16 Stunden und 42 Minuten nach finaler Startfreigabe ins All, der Satellit war nach rund 38 Stunden aktiv und näherte sich innerhalb von weniger als 59 Stunden einem Zielobjekt. Rocket Lab agierte dabei erstmals als alleiniger Hauptauftragnehmer für Rakete, Raumfahrzeug und Betrieb zugleich.

Kurs bricht trotz Auftragsflut ein

Von den operativen Fortschritten ist an der Börse wenig zu spüren. Die Aktie notiert aktuell bei 57,40 Euro und verliert allein am heutigen Handelstag 2,38 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von 33,26 Prozent zu Buche – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark der Titel unter Druck geraten ist. Zum 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, erreicht am 27. Mai, klafft mittlerweile eine Lücke von 57,10 Prozent.

Auslöser des Ausverkaufs war die Ende Juni angekündigte Übernahme von Iridium Communications für rund acht Milliarden US-Dollar Unternehmenswert, finanziert unter anderem über einen Brückenkredit von 3,6 Milliarden US-Dollar. Iridium-Aktionäre sollen je Anteil 54 US-Dollar erhalten, bestehend aus Bar- und Aktienkomponenten. Anleger befürchten eine Verwässerung und ein erhöhtes Verschuldungsrisiko, obwohl das operative Geschäft zuletzt solide lief: Im ersten Quartal erzielte Rocket Lab einen Umsatz von 200,3 Millionen US-Dollar, ein Plus von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Nettoverlust von 45 Millionen US-Dollar. Der Auftragsbestand belief sich auf 2,2 Milliarden US-Dollar, die Prognose für das zweite Quartal lag bei 225 bis 240 Millionen US-Dollar Umsatz.

Die Analystenhäuser bewerten den Kursrückgang unterschiedlich. Citizens bekräftigte seine Einstufung "Market Outperform" mit einem Kursziel von 130 US-Dollar und verweist auf die anhaltende Startnachfrage sowie Fortschritte bei der Neutron-Rakete. Piper Sandler dagegen startete die Coverage mit "Neutral" und einem deutlich niedrigeren Kursziel von 83 US-Dollar. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt spürbar über dem zuletzt gehandelten Niveau, was auf erhebliche Skepsis gegenüber der aktuellen Marktbewertung hindeutet.

Neutron-Fortschritte und Insiderverkäufe

Parallel zum Tagesgeschäft treibt Rocket Lab die Entwicklung der neuen Trägerrakete Neutron voran. Ein aktueller Test des Archimedes-Triebwerks erzeugte nach Unternehmensangaben eine Schubkraft von knapp 1,5 Millionen Pfund. Der Zeitplan für den Erstflug hatte sich zuvor wegen eines Risses in einem Treibstofftank verzögert, Beck betonte jedoch, technische Reife habe für ihn Vorrang vor festen Terminen. Der Debütflug bleibt für das laufende Jahr angesetzt.

Auf der Aktionärsseite zeigt sich ein gemischtes Bild: Während der Public Employees Retirement System of Ohio seinen Bestand im ersten Quartal um 14,4 Prozent aufstockte, verkauften Insider Aktien in erheblichem Umfang – darunter Firmenchef Beck, der Anfang Juli fast eine Million Aktien veräußerte. Für Anleger bleibt damit die Kernfrage, ob die operative Auftragsdynamik den finanziellen Kraftakt der Iridium-Übernahme mittelfristig rechtfertigt.

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