Ryanair Aktie: Sprit frisst Gewinn
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 07:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ryanair hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen deutlichen Gewinneinbruch gemeldet — und verfehlte damit auch die Erwartungen der Analysten. Der Aktienkurs reagierte darauf kaum. Das zeigt: Der Markt hatte die Schwäche längst eingepreist.
Der Gewinn nach Steuern fiel im Quartal bis Ende Juni um 34 Prozent auf 538 Millionen Euro, nach 820 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt mit 579 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz legte dagegen nur leicht um 1 Prozent auf 4,38 Milliarden Euro zu.
Unhedged Fuel als Hauptbremse
Die Ursache liegt vor allem im Treibstoff. Ryanair hat 80 Prozent seines Kerosinbedarfs für das laufende Geschäftsjahr bei 67 Dollar je Barrel abgesichert — die restlichen 20 Prozent verteuerten sich im Quartal auf über 150 Dollar je Barrel. Hinzu kamen um 6 Prozent niedrigere Durchschnittsfares, die Ryanair mit Kaufzurückhaltung wegen des Nahost-Konflikts, Sorgen um EU-Kerosinknappheit und einer verschobenen Osterperiode erklärt.
Die Passagierzahlen entwickelten sich dagegen robust: 61,3 Millionen Fluggäste bedeuten ein Plus von 6 Prozent, die Auslastung blieb bei stabilen 94 Prozent. Auch die Nebenerlöse aus Zusatzleistungen wuchsen um 5 Prozent. Das reichte aber nicht, um die um 11 Prozent gestiegenen Gesamtkosten von 3,81 Milliarden Euro zu kompensieren — höhere Umweltabgaben, Tarifsteigerungen für Personal und steigende Wartungskosten trugen zusätzlich bei.
Bilanz bleibt Trumpf
Trotz der schwächeren Ergebnisse betont Ryanair seine finanzielle Stärke. Im Mai zahlte die Airline eine letzte Anleihe über 1,2 Milliarden Euro zurück und ist damit schuldenfrei — bei einer Kassenposition von rund 2,8 Milliarden Euro zum Quartalsende. Der Aktienrückkauf über 750 Millionen Euro ist zu über 90 Prozent abgeschlossen, im Schnitt zu 26,35 Euro je Aktie, und soll bis zur Hauptversammlung im September auslaufen. Eine Dividende von 0,195 Euro je Aktie ist für September vorgesehen, vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Management weiterhin mit 216 Millionen Passagieren, ein Plus von 4 Prozent. Das Wachstum konzentriert sich stark auf die erste Jahreshälfte mit 6 Prozent, während im zweiten Halbjahr wegen der geringeren Absicherung nur 2 Prozent geplant sind. Für das zweite Quartal erwartet Ryanair leicht sinkende Fares — der endgültige Ausgang hänge stark von kurzfristigen Buchungen im August und September ab. Für die zweite Jahreshälfte gebe es derzeit keinerlei Visibilität, eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr sei deshalb verfrüht.
Langfristig setzt Ryanair auf die bestellten 300 Boeing MAX 10, die ab Frühjahr 2027 ausgeliefert werden sollen und bis März 2034 das Wachstum auf 300 Millionen Passagiere pro Jahr tragen sollen. Die ersten 15 Maschinen sind laut Boeing-Angaben trotz einer möglichen Zertifizierungsverzögerung bis Herbst weiterhin für den geplanten Liefertermin vorgesehen.
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