Salesforce, Aktie

Salesforce Aktie: 3,6 Milliarden für Fin

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 09:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz eines Kursverlusts von über 36 Prozent seit Jahresbeginn überzeugt Salesforce mit starken Quartalszahlen und KI-Strategie.

Salesforce Aktie: Starke Quartalszahlen trotz deutlichem Kursrückgang
Abstraktes, modernes Bürogebäude in goldenem Licht als Symbol für große Investitionen im Finanz- und Technologiesektor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Kurssprung von 4,60 Prozent auf 144,26 Euro am Freitag ändert nichts an der Gesamtbilanz: Salesforce liegt seit Jahresbeginn 36,38 Prozent im Minus. Auf den ersten Blick sieht das nach einer Aktie aus, die ihre Story verloren hat. Mein Blick auf die Zahlen dahinter zeichnet ein anderes Bild.

Die Diskrepanz zwischen Kursverlauf und operativer Realität ist bei Salesforce derzeit außergewöhnlich groß. Im jüngsten Quartal lieferte der Konzern ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 3,88 Euro – deutlich über der Analystenschätzung von 3,13 Euro. Der Umsatz wuchs um 13,3 Prozent auf 11,13 Milliarden Euro, gestützt auch durch einen Dreijahresvertrag mit dem US-Veteranenministerium über 1,6 Milliarden Dollar.

Das ist keine Aktie mit gebrochenem Geschäftsmodell. Das ist eine Aktie, deren Kurs der eigenen Ertragskraft davonläuft – nur in die falsche Richtung.

Die Angst vor dem AI-Umbruch trifft den Falschen

Der eigentliche Belastungsfaktor für Salesforce – und den gesamten SaaS-Sektor – ist eine Verunsicherung, die IBM mit seiner jüngsten Gewinnwarnung befeuert hat. Kunden verschieben demnach Budget von Software hin zu KI-Hardware. Diese Furcht vor einer "AI-Verdrängung" hat den Sektor pauschal abgestraft, Salesforce eingeschlossen.

Nur: Salesforce liefert bereits Gegenbeweise. Die Plattform Agentforce 360 soll den durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer um 60 bis 80 Prozent steigern, wie Berichte von Branchenveranstaltungen nahelegen. Bei 60 Prozent der Großkunden-Deals bündelt Salesforce mittlerweile KI- und Datenabonnements. Der Übergang von klassischem CRM zu KI-gesteuerter Automatisierung wird also nicht nur versprochen – er wird bereits bezahlt.

Die Übernahme von Fin (Intercom) für 3,6 Milliarden Dollar in bar passt ins Bild. Salesforce kauft sich Marktführerschaft bei KI-gestützten Kundenservice-Agenten, statt auf organisches Wachstum zu warten. Für mich ist das ein Signal von Stärke, nicht von Nervosität.

Institutionelle Anleger sind gespalten

Lombard Odier Asset Management hat seine Position im ersten Quartal um 19 Prozent reduziert. Andere Häuser wie OMERS Administration und Delta Global Management bauen ihre Bestände dagegen aus. Diese Uneinigkeit unter Großanlegern spiegelt exakt die Marktlage wider: Niemand ist sich sicher, ob der Ausverkauf gerechtfertigt war.

Ein Vergleich mit Alphabet liefert dabei einen interessanten Kontrast. Während Alphabet wegen massiver KI-Infrastrukturinvestitionen zuletzt einen negativen freien Cashflow auswies, fährt Salesforce einen kapitalschonenden Software-Ansatz. Wer sich KI-Exposure ohne die schweren Investitionslasten der Hardware-Seite wünscht, findet in Salesforce womöglich die passendere Adresse.

Mein Fazit: Die Lücke dürfte sich schließen

Der Analystenkonsens sieht das Kursziel bei 212,48 Euro – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 47,3 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Bei einem RSI von 48,9 ist die Aktie weder überkauft noch überverkauft, sondern schlicht neutral bewertet. Das ist selten der Zustand einer Aktie kurz vor dem nächsten Einbruch.

Für eine nachhaltige Erholung muss Salesforce den Markt überzeugen, dass Agentforce eine mögliche Abkühlung bei klassischen Software-Ausgaben mehr als ausgleichen kann. Die Ertragslage spricht dafür. Gelingt es der Aktie zudem, den 50-Tage-Durchschnitt von 147,84 Euro zurückzuerobern, sehe ich gute Chancen, dass sich die Lücke zum Kursziel in den kommenden Monaten schrittweise schließt.

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