Produktion/Absatz, Zusammenfassung

Betrieb am BER bis in die Nacht gestört

19.07.2024 - 17:05:06

SCHÖNEFELD - Nach der IT-Störung am Hauptstadtflughafen BER laufen die Systeme zwar wieder - der Flugbetrieb in Schönefeld wird aber noch bis in die Nacht hinein beeintrĂ€chtigt sein.

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SCHÖNEFELD (dpa-AFX) - Nach der IT-Störung am Hauptstadtflughafen BER laufen die Systeme zwar wieder - der Flugbetrieb in Schönefeld wird aber noch bis in die Nacht hinein beeintrĂ€chtigt sein. Zahlreiche Passagiere mĂŒssen deshalb weiter am Flughafen ausharren, sagte ein Sprecher. Viele Gesellschaften versuchten derzeit, ihre FluggĂ€ste in umliegenden Hotels unterzubringen. "Bei dieser GrĂ¶ĂŸenordnung ist das nicht ganz leicht." Mit einer vollstĂ€ndigen Normalisierung des Betriebs rechnen die Flughafenbetreiber frĂŒhestens fĂŒr Samstagmorgen.

Flutleitstelle betroffen

Die weltweit aufgetretene technische Störung infolge eines fehlerhaften Software-Updates eines Sicherheitsprogramms hatte in Schönefeld ersten Erkenntnissen zufolge die Flugleitstelle getroffen. Am Morgen kam der Flugbetrieb deshalb nahezu zum Erliegen. Betroffen waren auch die Systeme einiger Fluggesellschaften, vor allem bei KLM, Eurowings oder Ryanair IE00BYTBXV33.

Allein bis zum frĂŒhen Nachmittag seien insgesamt 113 der rund 550 geplanten FlĂŒge am BER gestrichen worden, sagte der Flughafensprecher- 51 AnkĂŒnfte und 62 AbflĂŒge. Es sei davon auszugehen, dass sichdiese Zahl im Tagesverlauf weiter erhöhen werde. WĂ€hrend die Systeme am Flughafen seit dem Vormittag wieder uneingeschrĂ€nkt funktionierten, kĂ€mpften manche Airlines weiter mit Problemen.

Ferienbeginn verzögert sich fĂŒr zahlreiche FluggĂ€ste

Ausgerechnet zum Ferienbeginn in Berlin verzögerte sich damit der Urlaubsbeginn fĂŒr viele Reisende auf unbestimmte Zeit. Das Hauptterminal 1 des BER war am Nachmittag weiter sehr voll. Vor den Check-in-Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Flughafenmitarbeiter verteilten Trinkwasser. Es sei auch ein Team zur psychosozialen UnterstĂŒtzung im Einsatz gewesen, sagte der BER-Sprecher.

Olympia-Teilnehmerin betroffen

Betroffen von den EinschrĂ€nkungen war auch die deutsche Wasserspringerin Saskia Oettinghaus, die unterwegs zu den Olympischen Spielen nach Paris ist. Oettinghaus reagierte gelassen auf die Verzögerung. "FĂŒr uns ist es nicht so schlimm, es ist erst mal ein bisschen verspĂ€tet, aber ich denke, dass es nachher noch weiter gehen wird", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Andere FluggĂ€ste Ă€ußerten sich verĂ€rgerter. Es habe keine Durchsagen gegeben. Urlauber Wardan Baghdasaryan war auf dem Weg ĂŒber Rom nach Armenien, "weil wir dort auf zwei Hochzeiten eingeladen sind und die werden wir wohl jetzt verpassen". Eine weitere Passagierin fĂŒrchtete um ihren Anschlussflug in New York.

Störungen weltweit

Die Computerprobleme haben weltweit zu weitreichenden Störungen gefĂŒhrt, die vor allem den Luftverkehr betrafen. In Deutschland kam es auch am Hamburger Flughafen zu EinschrĂ€nkungen. Die niederlĂ€ndische Fluggesellschaft KLM stellte den Großteil des Betriebs ein. Die Störung wirkte sich auch auf den Reisekonzern Tui DE000TUAG505 und die Flugtochter Tuifly aus. Bisher gebe es aber keine FlugausfĂ€lle, sagte ein Sprecher der dpa.

In anderen LĂ€ndern wurde laut Medienberichten neben dem Luftverkehr der Betrieb von Banken und KrankenhĂ€usern gestört. Die australische Regierung berief eine Krisensitzung ein. Der Fernsehsender Sky News sendete vorĂŒbergehend kein Programm und zeigte ein Standbild.

In Berlin vor allem BER betroffen

In Berlin und Brandenburg wiederum waren außer dem Flughafen ersten Erkenntnissen zufolge keine grĂ¶ĂŸeren Einrichtungen betroffen. Der Regional- und Nahverkehr lief wie gewohnt. Auch die Berliner Stadtwerke blieben verschont, ebenso der ostdeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz.

Die Berliner Verwaltung sei ebenfalls nicht betroffen, teilte eine Sprecherin der Innensenatsverwaltung mit. "Wir stehen im stÀndigen Kontakt mit unseren Sicherheitsbehörden. Die Sicherheitsarchitektur funktioniert." Die Landesverwaltung im benachbarten Bundesland Brandenburg meldete ebenfalls keine IT-Störungen.

KrankenhÀuser laufen stabil

Die Krankenversorgung lief stabil weiter. Die Landeskrankenhausgesellschaft in Brandenburg habe keine Information erhalten, dass es in einem Krankenhaus Konsequenzen gebe, sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Michael Jacob. Die Medizinische UniversitĂ€t Lausitz - Carl Thiem teilte mit, ihre IT-Systeme seien nicht betroffen, weil sie keine Produkte der Sicherheitssoftware von Crowdstrike einsetze. Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam und die Klinikgruppe sind nach Angaben einer Sprecherin ebenfalls nicht betroffen.

Keine Hinweise auf Cyberangriff

Aus Sicherheitskreisen in Deutschland hieß es, man gehe von einer technischen Störung infolge eines fehlerhaften Software-Updates aus. Auslöser ein Fehler in einem Programm-Update der IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike. Der Fehler wurde inzwischen behoben.

@ dpa.de | DE000TUAG505 PRODUKTION/ABSATZ