Schuhrebell Staudinger zahlt Steuern nicht – aus Protest
26.01.2026 - 12:44:12Heinrich Staudinger, Gründer der Waldviertler Schuhmarke GEA, hält einen Teil seiner Unternehmenssteuern zurück. Der bekannte „Schuhrebell“ setzt damit seinen angekündigten Protest gegen chinesische Online-Giganten wie Temu und Shein in die Tat um. Konkret behielt er rund 50.000 Euro für den Monat Januar ein.
In einem offenen Brief an den Finanzminister nennt Staudinger den Schritt einen Akt des zivilen Ungehorsams. Es sei eine „Notwehrhandlung“ gegen ein System, das heimische Betriebe mit hohen Abgaben belaste, während asiatische Billiganbieter den Markt nahezu steuerfrei fluteten.
Der kalkulierte Regelbruch: 50.000 Euro als Druckmittel
Staudinger hat das Geld nicht einfach einbehalten, sondern auf ein Treuhandkonto überwiesen. Die Botschaft ist klar: Das Geld ist da, wird aber aus Protest vorenthalten. Seine Rechnung ist simpel und brisant:
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- Auf einem in Österreich produzierten Schuh für 180 Euro lasten etwa 80 Euro an staatlichen Abgaben.
- Konkurrenzprodukte von Plattformen wie Shein kommen oft ohne vergleichbare Belastung zum Kunden.
Der Unternehmer wirft der Politik vor, durch Untätigkeit die Zerstörung lokaler Arbeitsplätze in Kauf zu nehmen. Solange chinesische Plattformen ihre Waren oft unter Umgehung von Zöllen in die EU liefern könnten, sei fairer Wettbewerb unmöglich.
Das Schlupfloch: Warum die „China-Paketflut“ möglich ist
Im Zentrum der Kritik steht die EU-weite „De-Minimis-Grenze“ von 150 Euro. Sendungen unter diesem Wert dürfen zollfrei eingeführt werden. Kritiker wie der österreichische Handelsverband bemängeln seit Jahren, dass diese Regelung massiv ausgenutzt wird.
Allein 2024 kamen schätzungsweise 4,6 Milliarden Pakete unter dieser Wertgrenze in die EU. Oft, so der Vorwurf, würden Sendungen falsch deklariert oder Produktsicherheitsstandards ignoriert.
Zwar haben sich die EU-Finanzminister Ende 2025 auf Gegenmaßnahmen geeinigt – etwa eine Paketgebühr ab Juli 2026. Für viele heimische Händler kommen diese Schritte aber zu spät und gehen nicht weit genug. Staudingers Aktion soll den Druck erhöhen, die Reformen zu beschleunigen.
Reaktion aus Wien: Härte gegen die Methode
Aus dem Finanzministerium ließ man umgehend verlauten: Steuerverweigerung ist kein akzeptables Mittel. Das Nichtbezahlen von Steuern könne den Straftatbestand der Abgabenhinterziehung erfüllen und schade der Allgemeinheit.
Auch der Handelsverband befindet sich in einer Zwickmühle. Geschäftsführer Rainer Will teilt die inhaltliche Kritik an der Wettbewerbsverzerrung und fordert seit langem „Fair Commerce“. Von illegalen Protestformen wie Steuerverweigerung distanzieren sich die Interessenvertretungen jedoch deutlich.
Experten zufolge riskiert Staudinger mit seiner Aktion nicht nur Nachzahlungen und Säumniszuschläge, sondern auch ein Finanzstrafverfahren.
Provoziert Staudinger bewusst den Gerichtssaal?
Beobachter gehen davon aus, dass der Unternehmer eine juristische Eskalation nicht nur in Kauf nimmt, sondern sie sogar sucht. Bereits in der Vergangenheit nutzte er Gerichtsverfahren als öffentliche Bühne – etwa im Streit mit der Finanzmarktaufsicht FMA, der zu einer Gesetzesänderung führte.
Vor Gericht dürfte Staudinger versuchen, den „rechtfertigenden Notstand“ geltend zu machen. Seine Argumentation: Der Staat komme seiner Schutzpflicht für die heimische Wirtschaft nicht nach, ziviler Ungehorsam sei somit das letzte Mittel.
Ob diese Strategie vor Gericht Erfolg hat, ist ungewiss. Die mediale Aufmerksamkeit ist dem Waldviertler Rebellen jedoch sicher. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie hart das Finanzamt durchgreift – und ob die Politik den öffentlichen Druck für schnellere EU-Reformen nutzt.
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