Ergebnisse, Produktion/Absatz

TrÀge Solarindustrie und schwache Bauwirtschaft belasten Wacker Chemie

28.01.2025 - 10:11:39

Schwache GeschĂ€fte mit Polysilizium fĂŒr die Solarindustrie haben Wacker Chemie DE000WCH8881 im vergangenen Jahr zugesetzt.

Eine weiterhin gute Nachfrage nach höchstreinem Polysilizium zur Herstellung von Elektronik- und Computerchips konnte das nicht auffangen. Zudem schwĂ€chelte die Nachfrage etwa der Autobranche und der Bauwirtschaft in einem insgesamt eher tristen Konjunkturumfeld. Der MDax-Konzern legte am Dienstag vorlĂ€ufige Zahlen fĂŒr das Gesamtjahr 2024 vor.

Das GeschĂ€ft mit Polysilizium fĂŒr Solaranlagen litt unter einem NachfragerĂŒckgang und ÜberkapazitĂ€ten in China. Hinzu kamen Diskussionen um Anti-Dumping-Zölle der USA gegen Solarprodukt-Importe aus einigen sĂŒdostasiatischen LĂ€ndern, was fĂŒr Verunsicherung an den MĂ€rkten fĂŒhrte. Dem stand zwar eine weiterhin gute Nachfrage nach höchstreinem Polysilizium fĂŒr Elektronik- und Computerchips gegenĂŒber - ein GeschĂ€ft, das weiter ausgebaut werden soll. Per Ende 2024 hatte Wacker die Auslastungsrate der Polysilizium-Sparte dennoch auf nur noch 50 Prozent reduziert. Letztendlich brach das operative Ergebnis (Ebitda) des Bereichs 2024 um fast 40 Prozent ein.

Unter Druck stand auch die Polymer-Sparte, die zwar den Absatz steigerte, im schwachen Marktumfeld aber niedrigere Verkaufspreise zu spĂŒren bekam. So leidet dieser Bereich besonders unter einer schwachen Bauwirtschaft. Die Polymere des Konzerns sind nĂ€mlich die Basis fĂŒr Klebstoffe, werden aber auch in BodenbelĂ€gen, Farben und Beton beigemischt, um Eigenschaften zu verĂ€ndern.

Einen deutlichen Gewinnanstieg verzeichnete hingegen die Silikon-Sparte, die im Jahresverlauf schon von einer guten Nachfrage im Bereich Industrielacke bei Beschichtungen und aus der Textilindustrie profitiert. Vor allem ein höherer Anteil von profitableren Spezialprodukten zahlte sich hier 2024 aus. Und auch der kleinste GeschĂ€ftsbereich Biosolutions legte im vergangenen Jahr zu. "Hier war die Eröffnung unseres neuen mRNA-Kompetenzzentrums in Halle Mitte des Jahres ein wichtiger Meilenstein, mit dem wir die Weichen fĂŒr weiteres Wachstum gestellt haben", so Wacker-Chemie-Chef Christian Hartel laut Mitteilung.

Alles in allem sank der Konzernumsatz 2024 um 11 Prozent auf gut 5,7 Milliarden Euro. Als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieben davon mit 770 Millionen Euro 7 Prozent weniger hĂ€ngen als im vorangegangenen Jahr. Das Ergebnis unter dem Strich fiel indes um ein FĂŒnftel auf 265 Millionen Euro. Detaillierte Resultate und den Ausblick fĂŒr das laufende Jahr wird es dann im MĂ€rz geben.

WĂ€hrend der Umsatz etwas unter der durchschnittlichen AnalystenschĂ€tzung lag, ĂŒbertrafen operativer Gewinn und Übeschuss diese. Analyst Chris Counihan vom Investmenthaus Jefferies wies allerdings darauf hin, dass im operativen Ergebnis ein Betrag von 30 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem US-Inflation Reduction Act (IRA) enthalten sei. Diesen herausgerechnet, liege das operative Ergebnis eher leicht unter den Erwartungen. Mit dem von der alten Biden-Regierung verabschiedeten IRA fördern die USA massiv die heimische Produktion auch im Solarbereich, was Investitionsanreize fĂŒr Unternehmen schafft.

Die Aktien des im Index der mittelgroßen Werte notierten Unternehmens fiel am Dienstag kurz nach dem Handelsstart um rund ein halbes Prozent auf 64,26 Euro. Der Kurs leidet schon lĂ€nger unter dem schwachen Chemie-Branchenumfeld sowie dem Druck auf dem Polysilizium-GeschĂ€ft. Im noch jungen Jahr 2025 summieren sich die Kursverluste bereits auf gut 8 Prozent. Seit dem Zwischenhoch Anfang 2023 hat der Kurs mittlerweile um rund 60 Prozent nachgegeben.

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