Frankfurt-News, Berichtssaison

Börse Frankfurt-News: Wir erwarten unverÀndert eine gute Berichtssaison

20.10.2025 - 10:55:04

SchwÀchelnde US-Regionalbanken, Seltene Erden-Streit, Frankreich-Krise - all das kann der Börse aktuell nicht viel anhaben.

Die Kurse steigen wieder, der Preis der "KrisenwÀhrung" Gold sinkt. Viele rechnen mit einer guten Berichtssaison. An der Frankfurter Börse feiert thyssenkrupp den erfolgreichen Spin-off der Marine-Sparte TKMS.

20. Oktober 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Sorgen um KreditausfĂ€lle bei US-Regionalbanken haben die Laune an den Börsen nicht lange belasten können. FĂŒr den DAX geht es zu Wochenbeginn wieder klar nach oben. Die US-MĂ€rkte hatten sich schon im Laufe des Freitags erholt.

Vergangenen Donnerstag hatten zwei kleinere US-Regionalbanken einen möglichen Kreditbetrug im Zusammenhang mit notleidenden Immobilienfonds gemeldet. "Dies weckt böse Erinnerungen an das FrĂŒhjahr 2023", bemerkt Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Damals hatten die Pleiten der Silicon Valley Bank und der Signature Bank die MĂ€rkte weltweit nach unten gerissen.

Auch S&P senkt Daumen fĂŒr Frankreich

Ungelöst bleibt zudem der Streit um Seltene Erden. China hatte fĂŒr die Ausfuhr dieser wichtigen Metalle ein verschĂ€rftes Lizenzverfahren angekĂŒndigt, US-PrĂ€sident Trump daraufhin mit zusĂ€tzlichen Strafzöllen gegenĂŒber China in Höhe von 100 Prozent gedroht. Auch aus Europa kommen schlechte Nachrichten: Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die KreditwĂŒrdigkeit Frankreichs von "AA-" auf "A+" abgestuft. Damit hat das Land nun bei zwei der drei großen Rating-Agenturen die Doppel-A-Einstufung verloren.

Im Moment scheinen die Sorgen aber verflogen. Der DAX steht am Montagmorgen bei 24.103 Punkten nach nur 23.831 ZĂ€hlern am Freitag zu Handelsschluss. Der Goldpreis hatte vergangene Woche noch das neue Allzeithoch von 4.363 US-Dollar erreicht, jetzt sind es nur noch 4.234 US-Dollar fĂŒr die Feinunze.

"Gute Zahlen, besonders aus den USA"

Nach EinschĂ€tzung von Andreas Wex von der Commerzbank hĂ€ngt nun einiges von der Entwicklung bei den US-Regionalbanken ab. "Auch dĂŒrfte der Zollstreit fĂŒr Bewegung sorgen und die GesprĂ€che ĂŒber Verhandlungen im Ukraine-Krieg insbesondere die europĂ€ischen MĂ€rkte bewegen", ergĂ€nzt er. Die angelaufene Berichtssaison fĂŒr das dritte Quartal verlĂ€uft seiner EinschĂ€tzung nach bisher positiv. "Die Chancen stehen gut, dass dies auch so bleibt, da die Erwartungshaltung der Investoren recht niedrig ist", ergĂ€nzt er.

"Der Start in die Berichtssaison ist auf beiden Seiten des Atlantiks gelungen", meint Ulrich Kater von der DekaBank. Die US-Großbanken hĂ€tten die Prognosen ĂŒberwiegend ĂŒbertroffen, ebenso die beiden europĂ€ischen Index-Schwergewichte ASML und LVMH. "Wir erwarten unverĂ€ndert eine gute Berichtssaison, insbesondere fĂŒr die USA", erklĂ€rt er.

Technik: "Raum fĂŒr weitere Kursverluste"

Charttechnisch sieht es allerdings nicht gut aus, wie Ralf Umlauf von der Helaba feststellt. "Die technischen Perspektiven haben sich deutlich getrĂŒbt. Die Indikatoren stehen unisono auf Verkauf und/oder richten sich gen SĂŒden", erklĂ€rt er. Es sei Raum fĂŒr weitere Kursverluste eröffnet worden, zunĂ€chst bis zum September-Tief bei 23.285 Punkten, darunter beim Juni-Tief von 23.052 ZĂ€hlern. "Ob die gleitenden Durchschnitte wieder zurĂŒckerobert werden können, bleibt abzuwarten", meint er.

Viele Quartalsberichte - und endlich die US-Verbraucherpreise

Diese Woche legen 81 Unternehmen aus dem Stoxx Europe 600 ihre Zahlen vor, wie die Deutsche Bank meldet, darunter UniCredit, SAP, MTU Aero Engines, Sanofi und Porsche. Aus dem S&P 500 berichteten 92 Unternehmen, unter anderem Coca-Cola, 3M, General Motors, Tesla und Intel.

Konjunkturdaten aus den USA gibt es diese Woche hingegen kaum, denn der Regierungsshutdown dauert noch an. Eine Ausnahme: die US-Verbraucherpreise. Das fĂŒr die Verbraucherpreise zustĂ€ndige Bureau of Labor Statistics hatte einige Mitarbeiter zurĂŒckgerufen, wie die Commerzbank berichtet. So könnten am Freitag die September-Zahlen fĂŒr die Verbraucherpreisen veröffentlicht werden können, die eigentlich fĂŒr den 15. Oktober vorgesehen waren.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten Montag, 20. Oktober

9:00 Uhr. Frankfurt: Börsengang des Marineschiffbauers TKMS, einer Abspaltung von Thyssenkrupp. Die Aktien des Marinebereichs sind heute Morgen zu 60 Euro in den Handel gekommen, notieren nach wenigen Handelsstunden bereits bei knapp 90 Euro.

4.00 Uhr. China: BIP drittes Quartal. Chinas Wirtschaft wuchs nach offiziellen Angaben im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent, wie die LBBW berichtet. Das sei eine AbkĂŒhlung im Vergleich zu den 5,2 Prozent im zweiten Quartal. Dennoch halte sich die wirtschaftliche Dynamik angesichts der stĂ€ndigen US-Zollrisiken besser als noch im FrĂŒhjahr erwartet.

4.00 Uhr. China: Einzelhandelsumsatz/Industrieproduktion September. Die EinzelhandelsumsÀtze verzeichneten der LBBW zufolge im September mit 3 Prozent den geringsten Anstieg seit Jahresanfang. Die Industrieproduktion bleibe hingegen robust.

Mittwoch, 22. Oktober

8.00 Uhr. Großbritannien: Verbraucherpreise September. Der DekaBank zufolge hat die Inflation im September mit 4 Prozent wohl ihren diesjĂ€hrigen Höchststand erreicht. Getrieben werde die Teuerung unter anderem durch den Anstieg der Nahrungsmittelpreise.

Freitag, 25. Oktober

10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex Oktober. Insbesondere die europĂ€ische Industrie kann sich der DekaBank zufolge nur sehr langsam aus ihrer tiefen Krise befreien. Die Dienstleister hingegen leisteten ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung. Diese Entwicklung werde sich wohl auch in den Einkaufsmanagerindizes fĂŒr Oktober widerspiegeln.

14.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise September. Der Deutschen Bank zufolge wird mit einer Steigerung der jĂ€hrlichen Teuerungsrate von 2,9 auf 3,1 Prozent gerechnet. Die Kernrate, die volatile Komponenten ausschließt, werde bei 3,1 Prozent verweilen.

Von Anna-Maria Borse, 20. Oktober 2025, © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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