Polens, PrÀsident

Polens PrÀsident reist zu Trump - Sorge um Kurs in Europa

03.09.2025 - 06:32:43

Seine erste Auslandsreise im neuen Amt fĂŒhrt Polens Staatschef Karol Nawrocki zu US-PrĂ€sident Donald Trump ins Weiße Haus.

Wichtigstes Thema des Treffens sind die BemĂŒhungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine.

Der Rechtskonservative Nawrocki ist erst seit vier Wochen im Amt. Angesichts der geopolitischen Lage hĂ€tte man es in anderen europĂ€ischen HauptstĂ€dten lieber gesehen, wenn der Politik-Neuling vor seiner Reise nach Washington GesprĂ€che mit anderen EU- und Nato-Partnern gefĂŒhrt hĂ€tte. Doch dies stand fĂŒr Nawrocki nicht auf dem Plan.

Der 42 Jahre alte Historiker ist erklĂ€rter Trump-Fan. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden persönlich begegnen. Bereits im Mai, wĂ€hrend des polnischen PrĂ€sidentenwahlkampfs, gewĂ€hrte Trump dem von der rechtskonservativen PiS unterstĂŒtzten Kandidaten eine Audienz im Oval Office. Das Weiße Haus postete danach Bilder von beiden MĂ€nnern mit hochgereckten Daumen, was der Wahlkampagne des damals wenig bekannten Nawrocki mĂ€chtig Schwung verlieh.

TrÀgt Polens PrÀsident Trumps Agenda nach Europa?

Nun gibt es bei anderen EU-LĂ€ndern mit Blick auf die Ukraine-GesprĂ€che die Sorge, dass Nawrocki von seinem Besuch in Washington Trumps Agenda zurĂŒck nach Europa bringen könnte. Zumindest innerhalb Polens zeigt Nawrocki enorme Ambitionen. Er will den PrĂ€sidentenpalast zum neuen Machtzentrum machen und streitet mit Regierungschef Donald Tusk um die außenpolitische Linie des Landes. Gerade hat er ein Gesetz ĂŒber Sozialleistungen fĂŒr Ukraine-FlĂŒchtlinge per Veto gekippt.

Der von der Oppositionspartei PiS gestĂŒtzte Nawrocki und der in der EU angesehene Regierungschef Tusk sind Vertreter der beiden verfeindeten politischen Lager in Polen. Doch durch den Streit zwischen PrĂ€sident und Regierung könnte Polen sich in seiner neugewonnenen Rolle als wichtiger Spieler in Europa bald aus dem Rennen nehmen. Auch fĂŒr die Ukraine hĂ€tte das Folgen.

Nawrocki setzt auf Stimmungsmache gegen Ukraine-FlĂŒchtlinge

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs ist das EU- und Nato-Mitglied Polen einer der wichtigsten politischen und militĂ€rischen VerbĂŒndeten seines Nachbarlandes. Es hat 989.000 KriegsflĂŒchtlinge von dort aufgenommen und fungiert als wichtige logistische Drehscheibe fĂŒr die MilitĂ€rhilfe des Westens. Das Land fĂŒhlt sich auch selbst von Russland bedroht und rĂŒstet massiv auf.

Doch nach dreieinhalb Jahren Krieg dreht sich in Polen die Stimmung gegenĂŒber den GeflĂŒchteten aus der Ukraine. Nawrocki, der seinen Wahlsieg auch den Stimmen ultrarechter WĂ€hler verdankt, weiß das. Vor wenigen Tagen stoppte er per Veto ein Gesetz, das die VerlĂ€ngerung der Zahlung von Kindergeld und weitere Sozialleistungen fĂŒr die KriegsflĂŒchtlinge nach dem 1. Oktober regeln sollte. Er sei ĂŒberzeugt, dass nur diejenigen sie erhalten sollen, die auch in Polen Arbeit hĂ€tten, sagte er zur BegrĂŒndung. Es könnte auch nicht sein, dass FlĂŒchtlinge bei der staatlichen Gesundheitsversorgung bevorzugt wĂŒrden, sagte Nawrocki: "Polen zuerst, die Polen zuerst."

Veto des PrÀsidenten mit schwerwiegenden Folgen

Die polnische Verfassung gibt dem PrĂ€sidenten die Macht, fast jedes Gesetz mit Veto zu blockieren. Im Parlament braucht es eine DreifĂŒnftelmehrheit, um das prĂ€sidiale Veto aufzuheben. Doch der PrĂ€sident kann nur ganze Gesetze stoppen, nicht Teile davon.

Deshalb könnte Nawrockis Veto bald schwerwiegende Folgen fĂŒr die knappe Million GeflĂŒchteter in Polen haben, und das nicht nur beim Kindergeld. Weil die Ausnahmeregelungen wegfallen, stehen die erwerbstĂ€tigen Ukraine-FlĂŒchtlinge bald ohne Arbeitserlaubnis da. Dabei ist die Integration in den Arbeitsmarkt sehr hoch, wie eine Studie des UN-FlĂŒchtlingswerks zeigt: 69 Prozent der Ukraine-FlĂŒchtlinge im erwerbsfĂ€higen Alter haben Arbeit, im Vergleich zu 75 Prozent der Polen.

Polens Regierung warf dem PrĂ€sidenten zudem vor, er haben mit seinem Veto auch die Finanzierung fĂŒr den Satelliten-Kommunikationsdienst Starlink in der Ukraine gekappt, die den Menschen dort Zugang zum Internet gewĂ€hrt. Polen finanziert dies nach Regierungsangaben mit 43 Millionen Euro jĂ€hrlich.

Ukraine investiert in andere Partner in Europa

Angesichts des Hickhacks in Warschau hat sich die FĂŒhrung der Ukraine bislang mit Kritik zurĂŒckgehalten. In Statements wurde stets die SolidaritĂ€t zwischen beiden LĂ€ndern betont. Doch hinter den Kulissen sieht es offenbar anders aus.

Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sagte dem Magazin "Polityka", man sei sich der zunehmenden antiukrainischen Stimmung in Polen bewusst, weshalb die Leute von PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj nicht mehr so viel Energie in die Beziehungen zu Warschau investieren wie frĂŒher. Viel wichtiger seien jetzt die nordischen LĂ€nder, besonders Finnland, sowie Frankreich und Deutschland.

Mehr als drei Jahre lang habe Polen die Rolle eines wirksamen FĂŒrsprechers der Ukraine gespielt und gleichzeitig den anderen europĂ€ischen LĂ€ndern bewiesen, dass es recht hatte, als es seine Verteidigungsausgaben erhöhte und vor dem Moskaus Imperialismus warnte, resĂŒmierte die "Polityka" die Lage. "All dies wird nun in rasantem Tempo verspielt."

@ dpa.de