ServiceNow Aktie: Kehrtwende nach Handelsschluss
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 15:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Kurssturz von über sechs Prozent im regulären Handel, danach eine Erholung um mehr als acht Prozent nachbörslich — bei ServiceNow zeigte sich am Mittwoch, wie schnell sich das Blatt wenden kann, wenn Quartalszahlen die Erwartungen schlagen. Der Softwarekonzern legte Zahlen zum zweiten Quartal des Fiskaljahres 2026 vor, die auf breiter Front über den Prognosen lagen.
Zahlen übertreffen Konsens deutlich
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,90 Dollar, der Konsens hatte 0,86 Dollar erwartet. Der Umsatz kletterte auf 3,987 Milliarden Dollar gegenüber prognostizierten 3,927 Milliarden Dollar — ein Plus von 23 Prozent in konstanten Wechselkursen, nach 19 Prozent im Vorquartal. Das Abonnementgeschäft, das Rückgrat des Konzerns, wuchs mit 3,877 Milliarden Dollar ebenfalls über den Schätzungen und legte in konstanten Währungen um 23 Prozent zu.
Auch bei den laufenden vertraglichen Verpflichtungen (Current RPO) übertraf ServiceNow die Erwartungen: 13,2 Milliarden Dollar standen einem Konsens von rund 13,0 Milliarden Dollar gegenüber, das Wachstum beschleunigte sich auf 22 Prozent. Ein Wermutstropfen bleibt die Bruttomarge. Sie sank auf 77,9 Prozent und verfehlte damit die erwartete Marke von 79,2 Prozent — ein Rückgang gegenüber dem Vorquartal, der auf steigende Kosten im Zuge des KI-Ausbaus hindeutet.
Parallel zu den Zahlen hob das Management den Ausblick für das Abonnementgeschäft im Gesamtjahr an. Als Treiber nannte der Konzern die anziehende Nachfrage nach KI-gestützten Lösungen — ein Punkt, der bei Investoren offenbar schwerer wog als die schwächere Marge.
Analysten bleiben zuversichtlich
Die Investmentbank Citizens reagierte auf die Zahlen mit einer Bestätigung ihrer Einstufung "Market Outperform" und eines Kursziels von 157 Dollar. Trotz eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 57 gilt die Aktie bei einzelnen Bewertungsmodellen als unterbewertet — ein Hinweis darauf, dass Marktteilnehmer dem künftigen Wachstumstempo mehr Gewicht beimessen als der aktuellen Bewertung.
Im operativen Geschäft untermauert ServiceNow seine KI-Strategie derweil mit neuen Partnerschaften. Der Datenkonzern Experian baut seinen Einsatz der ServiceNow-KI-Plattform aus, um Prozesse wie das Onboarding von Mitarbeitern und das Risikomanagement mit Drittanbietern zu automatisieren. Die Kooperation verzahnt Experians Analyseplattform direkt mit den Workflow-Tools von ServiceNow und soll autonomen KI-Agenten mehr Entscheidungsspielraum geben — nach Unternehmensangaben ohne Abstriche bei Kontrolle und Nachvollziehbarkeit.
Die Kombination aus beschleunigtem Wachstum bei Abonnements und laufenden Vertragsverpflichtungen zeigt, dass die KI-Nachfrage bei Firmenkunden bislang trägt. Ob sich die schwächere Bruttomarge in den kommenden Quartalen stabilisiert, dürfte darüber entscheiden, wie nachhaltig die nachbörsliche Kurserholung ist.
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