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ROUNDUP 2 / Redcare senkt Prognose wegen brummendem E-Rezept - Aktie im Plus

04.10.2024 - 14:18:31

SEVENUM - Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy NL0012044747 rechnet dieses Jahr wegen höheren Werbeausgaben fĂŒr das E-Rezept mit einem geringeren Gewinn als bisher.

(neu: Kurse, Analysten, Details.)

SEVENUM (dpa-AFX) - Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy NL0012044747 rechnet dieses Jahr wegen höheren Werbeausgaben fĂŒr das E-Rezept mit einem geringeren Gewinn als bisher. Mit dem aufgestockten Marketingbudget will das Management den Schwung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten hochhalten und nimmt dafĂŒr weniger Rendite in Kauf. Die Anleger goutierten das mehrheitlich, die Aktie legte am Freitag zu.

Die Marge basierend auf dem bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwartet der Vorstand im laufenden Jahr jetzt zwischen 1,2 und 2,2 Prozent, wie der im Nebenwerteindex MDax DE0008467416 notierte niederlÀndische Konzern am Donnerstagabend in Sevenum mitteilte. Bisher hatte das Unternehmen 2 bis 4 Prozent in Aussicht gestellt. Redcare ist in Deutschland vor allem mit der Marke Shop Apotheke vertreten.

Unter den Anlegern der Online-Apotheke rangen nach der Mitteilung die Pessimisten und die Optimisten um die Vorherrschaft. Der Hoffnung auf gute GeschĂ€fte mit dem E-Rezept standen die Sorgen um die ProfitabilitĂ€t gegenĂŒber. Zuletzt hatten die Optimisten leicht die Oberhand: Am Mittag stand noch ein Plus von 1,3 Prozent auf 137 Euro zu Buche. Damit zĂ€hlten die Aktien zu den grĂ¶ĂŸten Gewinnern im MDax.

Nach dem schon guten Lauf der NiederlĂ€nder in den vergangenen Wochen an der Börse stieg der Kurs in der Spitze sogar um bis zu fĂŒnf Prozent auf fast 142 Euro. Dies war der höchste Stand seit Anfang August. Seit dem Anfang September erreichten Zwischentief belĂ€uft sich der Kursanstieg auf rund 19 Prozent. Der Zuwachs an Börsenwert seit Jahresbeginn betrĂ€gt hingegen nur vier Prozent.

Analyst Martin Comtesse vom Analysehaus Jefferies sah ein "Highlight" im stark anziehenden Umsatz mit dem E-Rezept in Deutschland. Der Experte begrĂŒĂŸte die Entscheidung des Managements, die Marketingausgaben zu erhöhen, um die Wachstumschancen zu nutzen - auch wenn dies zulasten der ProfitabilitĂ€t in diesem Jahr gehe.

Analyst Volker Bosse von der Baader Bank Ă€ußerte sich Ă€hnlich. Am wichtigsten fĂŒr die Anlagestory sei die massiv zunehmende Dynamik im RezeptgeschĂ€ft. DarĂŒber hinaus lobte der Fachmann die starken Eckdaten der Online-Apotheke. Sie hĂ€tten seine Erwartungen ĂŒbertroffen. Analyst Yannik Siering von der Investmentbank Stifel hob die Aussage des Redcare-Finanzchefs Jasper Eenhorst hervor, dass der Nutzen des aufgestockten Werbebudgets die Kosten langfristig klar ĂŒbersteige.

UBS CH0244767585-Experte Olivier Calvet allerdings sprach von einem weiteren Beweis dafĂŒr, dass das GeschĂ€ft mit den elektronischen Rezepten die Online-Apotheken mehr Geld koste als gedacht. Er verwies dabei auch auf die jĂŒngste Gewinnwarnung des Konkurrenten DocMorris CH0042615283.

Etwas optimistischer wird Redcare bei seinem Umsatzziel. Beim Erlös peilt der Konzern jetzt 2,35 bis 2,5 Milliarden Euro an. Damit wurde das untere Ende der Spanne um 50 Millionen erhöht. Umgerechnet in absolute Werte bedeuten die neuen Prognosen im laufenden Jahr einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen rund 28 und 55 Millionen Euro. Bisher hatte das Unternehmen mit einem operativen Ergebnis zwischen 46 und 100 Millionen Euro gerechnet. Die neue Ergebnisprognose liegt damit deutlich unter der bisherigen durchschnittlichen SchÀtzung von Experten.

2023 hatte Redcare 1,8 Milliarden Euro umgesetzt und dabei operativ 53 Millionen Euro verdient. Die operative Marge lag im vergangenen Jahr damit bei drei Prozent.

Mit Blick auf das Wachstum im dritten Quartal konnte Redcare die Erwartungen mehr als erfĂŒllen. Der Umsatz zog in den drei Monaten bis Ende September im Vergleich zum Vorjahr um etwas mehr als ein FĂŒnftel auf 574 Millionen Euro an. Das war etwas mehr, als Analysten im Schnitt erwartet hatten. Der Erlös mit nicht verschreibungspflichtigen Produkten wuchs um 20 Prozent auf 383 Millionen Euro. Die Zahl der aktiven Kunden lag Ende September bei 11,9 Millionen und damit 400.000 höher als noch Ende Juni - im Vergleich zum Vorjahr sind es 1,4 Millionen mehr.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz kletterten die Erlöse im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um knapp 21 Prozent auf 469 Millionen Euro. Wachstumstreiber war hier vor allem das GeschĂ€ft mit rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland. Hier legte der Umsatz um etwas mehr als 80 Prozent auf 69 Millionen Euro zu. "Wir haben festgestellt, dass unsere Kunden seit der EinfĂŒhrung des elektronischen Rezepts von der unkomplizierten digitalen Bestellabwicklung begeistert sind", sagte Unternehmenschef Olaf Heinrich.

"Viele von ihnen bestellen bereits zum zweiten, dritten oder sogar vierten Mal bei uns", ergĂ€nzte Heinrich. Es sei also jetzt der richtige Zeitpunkt, das Potenzial, das sich durch das E-Rezept (E-Rx) bietet, voll auszuschöpfen. Aus diesem Grund will der Konzern die MarketingaktivitĂ€ten verstĂ€rken. "Diese Investition wird sich in der Zukunft ĂŒberproportional auszahlen", sagte Finanzvorstand Eenhorst. Die Redcare-Marke Shop Apotheke wirbt unter anderem seit einiger Zeit mit dem TV-Moderator GĂŒnther Jauch und den Schauspielern Christian Ulmen und Collien Ulmen-Fernandes.

Redcare ist seit Oktober 2016 an der Börse notiert. Damals wurden die Papiere noch unter dem Namen Shop Apotheke zu 28 Euro das StĂŒck an die Börse gebracht. Die Marktkapitalisierung lag so gerade mal bei rund 250 Millionen Euro.

In der Corona-Pandemie war der Kurs krÀftig gestiegen. Im Februar 2021 kostete das Papier zeitweise fast 250 Euro. Doch die Euphorie verpuffte schnell und der Kurs fiel Ende 2022 unter die Marke von 50 Euro. Seitdem ging es wieder allmÀhlich nach oben, unter anderem wegen der Hoffnungen auf gute UmsÀtze mit dem E-Rezept in Deutschland. Redcare Pharmacy ist derzeit mit einem Börsenwert von rund 2,8 Milliarden Euro bewertet und liegt damit im unteren Mittelfeld des MDax.

Das niederlĂ€ndische Unternehmen ist allerdings deutlich mehr wert als der in der Schweiz notierte Konkurrent DocMorris. Dieser kommt nach einem starken KursrĂŒckgang im laufenden Jahr umgerechnet auf knapp 540 Millionen Euro. Das Schweizer Unternehmen ist deutlich kleiner als Redcare Pharmacy und dazu nicht profitabel.

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