ROUNDUP, Redcare

Redcare enttÀuscht auf ganzer Linie - Aktie im Sinkflug

04.03.2026 - 15:16:42 | dpa.de

SEVENUM - Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy (Shop Apotheke) NL0012044747 hat im vergangenen Jahr operativ etwas weniger verdient als gedacht.

(neu: Kurs, Analystin, Langfristziel, Aufsichtsratswahl)

SEVENUM (dpa-AFX) - Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy (Shop Apotheke) NL0012044747 hat im vergangenen Jahr operativ etwas weniger verdient als gedacht. Auch die Erwartungen des Managements um Unternehmenschef Olaf Heinrich an 2026 sind nicht gerade ĂŒberschwĂ€nglich: So dĂŒrfte sich das Umsatzwachstum deutlich verlangsamen. Zudem wurde das mittelfristige Margenziel gesenkt. An der Börse sorgten Zahlen und Prognosen am Mittwoch fĂŒr lange Gesichter.

Die im MDax DE0008467416 notierte Aktie fiel prozentual zweistellig auf den tiefsten Stand seit Anfang 2023 zurĂŒck, am Nachmittag betrug das Minus noch 18,6 Prozent auf 48,40 Euro. Der bisherige Jahresverlust vergrĂ¶ĂŸerte sich damit auf mehr als ein Viertel. Tendenziell ist der Kurs schon seit einem Zwischenhoch im November 2024 bei gut 171 Euro im Abstiegsmodus, seitdem hat die Aktie rund 70 Prozent an Wert eingebĂŒĂŸt. Auf noch grĂ¶ĂŸeren Verlusten sitzen Anleger, die in der Corona-Hochphase Anfang 2021 zum Rekord bei 249 Euro eingestiegen sind.

Die Ziele fĂŒr 2026 enttĂ€uschten ĂŒber alle Kennziffern hinweg und lĂ€gen um fast ein FĂŒnftel unter dem Marktkonsens, bemĂ€ngelte Jefferies-Analyst Martin Comtesse. Zudem sei im Schlussquartal 2025 offenbar das starke Wachstum bei den verschreibungsfreien Produkten zulasten der Margen gegangen. Damit habe der Konzern 2025 nur das untere Ende seiner eigenen ProfitabilitĂ€tsziele erreicht.

Laut Expertin Sarah Roberts von der britischen Bank Barclays bedeuten die Ziele fĂŒr 2026 immensen Korrekturbedarf fĂŒr die KonsensschĂ€tzungen. Sie hob neben den Erlösen mit verschreibungspflichtigen auch enttĂ€uschende UmsĂ€tze mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten hervor. Dies untermauere im frei verkĂ€uflichen Bereich die Bedenken hinsichtlich des Wettbewerbs in Deutschland.

Auch Baader-Experte Volker Bosse bezeichnete vor allem den Umsatzausblick fĂŒr das Deutschland-GeschĂ€ft mit rezeptpflichtigen Medikamenten als schwach. Hier habe er sich 2026 ein doppelt so starkes Wachstum erhofft, als der Konzern nun prognostiziere.

Seine Ziele fĂŒr 2026 hatte das Unternehmen bereits am Vorabend prĂ€sentiert. Sowohl beim Wachstum als auch der ProfitabilitĂ€t liegen sie unter den Erwartungen von Analysten. "Wir bauen Jahr fĂŒr Jahr die Basis fĂŒr ein wachstumsstarkes und profitableres GeschĂ€ft weiter aus", sagte Redcare-Chef Heinrich laut Mitteilung in Sevenum. "Mit unseren Investitionen in Automatisierung und KapazitĂ€tserweiterung werden wir unsere Wettbewerbsposition weiter stĂ€rken."

Laut Redcare dĂŒrfte der Erlös in diesem Jahr weitaus weniger wachsen als 2025. So rechnet die Online-Apotheke mit einem Umsatzplus von 13 bis 15 Prozent, das ergibt rechnerisch einen Umsatz von maximal knapp 3,4 Milliarden Euro. Getragen werde dieses Wachstum vor allem von einer weiteren Expansion im GeschĂ€ft mit verschreibungspflichtigen Mitteln, hieß es. Dagegen dĂŒrften sich rezeptfreie Produkte auf einem im Vergleich geringeren Wachstumsniveau von "ĂŒber 8 Prozent" stabilisieren.

Die ProfitabilitĂ€t soll aber Ă€hnlich stark ansteigen wie 2025: Der Vorstand peilt fĂŒr 2026 eine bereinigte operative Gewinnmarge (bereinigte Ebitda-Marge)von mindestens 2,5 Prozent an, nachdem diese im vergangenen Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent angezogen war. "Gleichzeitig sind wir auf dem besten Weg, mittelfristig eine bereinigte Ebitda-Marge von 5 Prozent zu erreichen", sagte Finanzvorstand Hendrik Krampe. Zuvor hatte sich Redcare allerdings noch eine bereinigte Marge von 8 Prozent zugetraut. Langfristig soll die ProfitabilitĂ€t auf ĂŒber 8 Prozent steigen.

Im vergangenen Jahr hatte Redcare erneut insbesondere vom anziehenden GeschĂ€ft mit elektronischen Rezepten in Deutschland profitiert. Sein Ergebnis konnte der Konzern dabei deutlich verbessern, Skaleneffekte und ein genauer Blick auf die Kosten halfen - die Kostenquoten fĂŒr Vertrieb und Verwaltung verbesserten sich.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 72 Prozent auf etwas mehr als 57 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Von Bloomberg befragte Experten hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet.

Der Umsatz kletterte - wie bereits bekannt - um rund ein Viertel auf 2,94 Milliarden Euro, wobei das GeschĂ€ft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten sich nach damaligen Angaben in einigen MĂ€rkten "verhalten" entwickelt hatte. Die Erlöse mit rezeptpflichtigen Medikamenten stiegen hingegen erstmals ĂŒber eine Milliarde Euro.

Ferner kĂŒndigte Redcare einen Wechsel im Aufsichtsrat an. Anja Hendel, Max MĂŒller und Peter Schmid von Linstow wurden fĂŒr das Gremium als Mitglieder nominiert. Die Wahl zum Aufsichtsrat soll im Rahmen der Hauptversammlung am 15. April erfolgen. Dabei wird Michael Köhler die Nachfolge von Björn Söder antreten, der seit 2021 Vorsitzender des Aufsichtsrats gewesen ist. Söder scheidet zusammen mit den bisherigen Aufsichtsratsmitgliedern JĂ©rĂŽme Cochet und Jaska de Bakker aus.

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