Siemens-Energy-Chef, Deutschland

Siemens-Energy-Chef: Deutschland wird besonders stark attackiert

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 06:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Energie-Infrastruktur in Deutschland wird nach Ansicht von Siemens-Energy-Chef DE000ENER6Y0 Christian Bruch stÀrker angegriffen als in anderen europÀischen LÀndern.

"Wir mĂŒssen anerkennen, dass kritische Infrastruktur nicht vollumfĂ€nglich geschĂŒtzt werden kann. Aus meiner Sicht hat die Bedrohungslage ĂŒber die letzten 12 bis 18 Monate deutlich zugenommen", sagte der Manager der Deutschen Presse-Agentur.

"Wir sind als großes Land, das in einem Konfliktfall ein Transitland wĂ€re und eine SchlĂŒsselrolle spielt, besonders exponiert", sagte Bruch. "Das mĂŒssen wir uns bewusst machen. Und das sollte auch der Bevölkerung bewusst sein."

Zuletzt hatten Angriffe auf das Stromnetz in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen fĂŒr Aufsehen gesorgt. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide VorfĂ€lle auf verfassungsfeindliche Sabotage zurĂŒckzufĂŒhren sind.

"Die VorfÀlle nehmen zu"

Bruch sieht die schnelle Ausarbeitung des zivilen Operationsplans als dringend erforderlich an, um auf KrisenfĂ€lle reagieren zu können. Es gehe um den Schutz der Strom- oder der Wasserinfrastruktur sowie der Versorgung mit Lebensmitteln im Falle einer Krise. "Da mĂŒssen wir uns vorbereiten. Denn man muss akzeptieren, dass dies alles Anzeichen von hybriden Angriffen sein können", sagte der Manager. "Die VorfĂ€lle nehmen zu und auch auf der Cyberseite steigt die Frequenz der Angriffe auf Infrastruktur deutlich."

Die neue Bedrohungslage erfordere ein strukturiertes Vorgehen. "Es gilt sicherzustellen, dass wir SchĂ€den schnell reparieren können. DafĂŒr wĂ€ren wir heute nicht ausreichend aufgestellt. Die rechtlichen Voraussetzungen liegen vor, jetzt geht es darum, schnell handlungsfĂ€hig zu werden."

"ReparaturfÀhigkeit stÀrken"

Kritische Infrastruktur sei schwer zu schĂŒtzen und könne mit einfachen Mitteln gestört werden, rĂ€umte der Konzernchef ein. Es gehe daher auch darum, die "ReparaturfĂ€higkeit" zu stĂ€rken, also mögliche SchĂ€den mithilfe von Eingriffstrupps rasch zu reparieren. Das sei etwa in der Ukraine, in der kritische Infrastruktur stĂ€ndig von Russland angegriffen wird, gut organisiert.

Dazu gehörten schnelle Meldeketten und das Wissen um die Lagerung von Ersatzteilen. "Das ist viel wichtiger, als zu glauben, ich könnte alles schĂŒtzen." Bei der Steuerung und dem Schutz von Infrastruktur mĂŒsse Resilienz mitgeplant werden. Und außerdem mĂŒsse man sagen: "Ich muss jetzt nicht an jede wichtige Infrastruktur "Achtung, wichtige Schaltanlage" hinschreiben. Wir machen das in Deutschland sehr sichtbar." Das sei nicht unbedingt ideal.

Siemens Energy spaltete sich 2020 vom Siemens-Konzern DE0007236101 ab und ging als eigenstĂ€ndiges Unternehmen an die Börse. Der Energietechnikkonzern entwickelt, produziert und liefert Technologien und Lösungen fĂŒr die Stromerzeugung und -ĂŒbertragung, fĂŒr erneuerbare Energien - darunter Windkraftanlagen - sowie fĂŒr industrielle Energieanwendungen. Das Unternehmen zĂ€hlt zu den weltweit fĂŒhrenden Energietechnikunternehmen. Im GeschĂ€ftsjahr 2025 beschĂ€ftigte Siemens Energy weltweit rund 103.000 Menschen, davon rund 27.000 in Deutschland.

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