Silber Preis: FĂ€llt auf 63,30 Dollar
Veröffentlicht am: 24.06.2026 um 04:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-Notenbank hat die EdelmetallmĂ€rkte auf dem falschen FuĂ erwischt. Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte beim jĂŒngsten FOMC-Meeting eine deutlich restriktivere Haltung â und Silber bezahlt dafĂŒr einen hohen Preis.
Drei Zinserhöhungen auf dem Tisch
Die Bank of America zog die Konsequenzen schnell. Ihre Ăkonomen sehen die Reaktionsfunktion der Fed als materiell verĂ€ndert an und rechnen nun mit drei Erhöhungen Ă 25 Basispunkte â im September, Oktober und Dezember. Das wĂŒrde den Leitzins auf 4,25 bis 4,50 Prozent treiben. Die Deutsche Bank erwartet zwei Schritte um insgesamt 50 Basispunkte.
Der Markt folgt dieser EinschÀtzung. Der CME FedWatch preist eine Dezember-Erhöhung inzwischen mit 88 Prozent ein. Vor dem FOMC-Meeting waren es 61 Prozent. Die September-Wahrscheinlichkeit liegt bei 72,8 Prozent.
Neun von 18 Fed-Teilnehmern erwarten bis Ende 2026 höhere Zinsen. Nur einer rechnet mit Senkungen. Das Bild ist eindeutig.
Silber trifft es hÀrter als Gold
Silber war vor Warschs erstem FOMC-Meeting noch ĂŒber 71 Dollar je Unze geklettert. Danach fiel das Metall auf 63,30 Dollar. Allein in der FOMC-Woche verlor es von 69,85 auf 64 Dollar.
Saxo-Bank-Chefstratege Ole Hansen erklĂ€rt das Muster: Golds Erholung war kurzlebig, Silber leidet noch deutlich stĂ€rker. Seit Beginn des Iran-Krieges hat das Metall mehr als 40 Prozent seines Wertes verloren. Der Mechanismus dahinter ist nicht offensichtlich: Silber fĂ€llt nicht, weil geopolitische Risiken verschwunden sind. Es fĂ€llt, weil der Iran-Konflikt die Inflation anheizt â und damit die Zinserwartungen. Ein stĂ€rkerer Dollar drĂŒckt die Metallpreise. Das ist der direkte Transmissionsweg.
Die US-Inflation lag im Mai bei 4,2 Prozent â dem höchsten Stand seit Anfang 2023. Der Kern-CPI verharrte bei 2,9 Prozent.
PCE-Bericht entscheidet ĂŒber den nĂ€chsten Schritt
Am Donnerstag folgt der PCE-Bericht. Er wird zeigen, ob Mays Inflation durch Ălpreise getrieben war oder durch Löhne und Dienstleistungen. Letzteres wĂ€re das gefĂ€hrlichere Szenario â denn nur dieser Typ Inflation rechtfertigt Zinserhöhungen wirklich.
Ein schwacher monatlicher PCE-Wert von 0,2 Prozent oder darunter wĂŒrde die September-Zinserhöhungswahrscheinlichkeit senken. Silber und Gold bekĂ€men Erholungsspielraum. Ein heiĂer Wert von 0,3 Prozent oder höher wĂŒrde BofAs Zinspfad bestĂ€tigen â und den Dollar erhöht halten.
Was die Zinssorgen nicht wegdiskutieren: Silber steckt im sechsten aufeinanderfolgenden jĂ€hrlichen Angebotsdefizit. Das Silver Institute beziffert es fĂŒr 2026 auf 46,3 Millionen Unzen. Der KI-getriebene Silberbedarf in der Chip-Fertigung bleibt ebenfalls unverĂ€ndert. Als im April kurzzeitig ein Waffenstillstand im Iran-Konflikt gemeldet wurde, legte Silber in einer einzigen Sitzung um 5 Prozent zu. Die industrielle Nachfragestory ist nicht verschwunden â sie wartet auf ihren Moment.
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