Punktehandel und Unfallflucht im Fokus beim Verkehrsgerichtstag
24.01.2024 - 06:35:02Der dreitÀgige Kongress zÀhlt jedes Jahr zu den wichtigsten Treffen von Verkehrssicherheits- und Verkehrsrechtsexperten in Deutschland. Er endet am Freitag mit Empfehlungen an den Gesetzgeber.
Zu den Topthemen zĂ€hlen in diesem Jahr der Umgang mit Fahrerflucht und der sogenannte Punktehandel. VerbĂ€nde und Experten fordern bei der Unfallflucht eine Reform. Es herrschte im Vorfeld aber Uneinigkeit darĂŒber, wie die genau aussehen könnte. Derzeit kann eine Fahrerflucht mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.
PlÀne des Justizministeriums
Aktuelle PlĂ€ne des Bundesjustizministeriums sehen vor, dass Unfallverursacher kĂŒnftig nicht mehr an der Unfallstelle warten mĂŒssen, sondern stattdessen den Unfall spĂ€ter online melden können sollen. Ein straffreier Zeitraum, innerhalb dessen ein Unfall gemeldet werden kann, findet bei vielen Fachleuten und VerbĂ€nden Anklang. Ob die Meldung beispielsweise digital oder etwa bei der Polizei erfolgen soll sowie ĂŒber die Dauer des straffreien Zeitraums gehen die Meinungen allerdings auseinander. Uneinig sind sich Experten auch dabei, ob Unfallflucht kĂŒnftig nur eine Ordnungswidrigkeit statt einer Straftat sein soll.
Einig sind sich VerbĂ€nde hingegen dabei, dass der sogenannte Punktehandel unterbunden werden soll. Bisher gibt es ein gesetzliches Schlupfloch, das es in bestimmten FĂ€llen ermöglicht, Punkte in Flensburg fĂŒr andere Menschen auf sich zu nehmen. Einige Unternehmen aus dem EU-Ausland haben daraus gar ein GeschĂ€ftsmodell gemacht. Manche Experten wollen daher einen neuen Straftatbestand fĂŒr dieses Vorgehen, andere halten die bisherige Rechtslage fĂŒr ausreichend.
Auch Bahnthema im Fokus
Ein ungewohntes Thema ist in diesem Jahr die Haftungsfrage bei sogenannten multimodalen Reisen. Dabei geht es nicht um Autothemen, sondern um ZĂŒge, Flugzeuge und Schiffe. Zur Debatte steht, ob das bisherige Haftungsrecht fĂŒr Reisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln ausreicht, wenn es um verpasste AnschlĂŒsse geht. Nein, sagen VerbĂ€nde und fordern Reformen. "Ist zum Beispiel ein Zug verspĂ€tet und verpasst der Reisende dadurch seinen Flug, bleibt er hĂ€ufig auf den Kosten sitzen", sagt MobilitĂ€tsexperte Gregor Kolbe vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Es brauche weitergehende Regelungen, "die ausdrĂŒcklich multimodale Reisen im Fokus haben".
Weitere Themen in Goslar sind der Umgang mit VorschĂ€den an Autos bei der Schadensregulierung nach einem Unfall sowie die Frage, ob bei Rauschfahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss das TĂ€terfahrzeug eingezogen werden soll. Letzteres ist bisher nur bei illegalen Autorennen möglich. Einige Experten halten das fĂŒr denkbar, andere sehen rechtliche HĂŒrden.

