Produktion/Absatz, Frankreich

Sonnencreme-Mythen im Check: Was stimmt wirklich?

25.07.2024 - 06:10:05 | dpa.de

Sommer, Sonne, Strand: Die heißen Tage locken ins Freie.

Und wie jedes Jahr haben dann Mythen ĂŒber Sonnencreme Konjunktur. Hilft ein hoher Lichtschutzfaktor wirklich mehr? TrĂ€gt eine vegane ErnĂ€hrung zum Schutz der Haut bei? VerlĂ€ngert Nachcremen den Sonnenschutz? Dieser Faktencheck zeigt, was stimmt.

Behauptung

Nachcremen verlÀngert den Sonnenschutz.

Bewertung

Falsch.

Fakten

Das Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz rĂ€t, die Sonnencreme 20 bis 30 Minuten vor dem Aufenthalt in der Sonne aufzutragen. Um die Schutzwirkung der Sonnencreme aufrechtzuerhalten, sei regelmĂ€ĂŸiges Nachcremen wichtig: "Mindestens alle zwei Stunden und vor allem nach dem Baden und dem Abtrocknen". Voraussetzung ist, dass der Sonnenschutz ĂŒberhaupt so lange anhĂ€lt.

Denn das Nachcremen könne die Schutzzeit in der Sonne nicht verlĂ€ngern, erklĂ€rt Dermatologe Christoph Liebich aus MĂŒnchen. "Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Zehner-Schutzfaktor auftrage und eine Eigenschutzzeit von zehn Minuten habe, ist es nach 100 Minuten vorbei. Dann nĂŒtzt es auch nichts mehr, wenn ich den Zehner oder sogar den FĂŒnfziger nachschmiere." Die Strahlung hat dann bereits die Haut durchdrungen und die Schutzzeit ist erschöpft. Trotzdem ist das Nachcremen in den angegebenen FĂ€llen sinnvoll, um den vorhandenen Schutz zu erhalten.

Nötig ist es, von Anfang an genug Sonnencreme aufzutragen: Laut Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz gilt der Lichtschutzfaktor bei einer Menge von zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. Das entspreche bei einem Erwachsenen etwa vier gehĂ€uften Esslöffeln fĂŒr den ganzen Körper.

Behauptung

Eine Tagescreme ist als leichter Sonnenschutz ausreichend.

Bewertung

In einigen FĂ€llen richtig.

Fakten

FĂŒr den Sonnenschutz durch eine Tagescreme ist es essenziell, dass sie ĂŒberhaupt einen UV-Filter beinhaltet. Wenn diese Vorgabe nicht erfĂŒllt sei, gĂ€be es natĂŒrlich keinen Sonnenschutz, betont Kerstin Effers, Referentin fĂŒr Umwelt und Gesundheitsschutz der nordrhein-westfĂ€lischen Verbraucherzentrale. Der Lichtschutzfaktor sollte auf der Verpackung angegeben sein. "Ohne diese Angabe lĂ€sst sich die Schutzwirkung fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher nicht einschĂ€tzen", sagt Effers. Auch bei Tagescremen raten Fachleute zu einem hohen Lichtschutzfaktor.

Außerdem ist es bei der Tagescreme genauso wie bei Sonnencreme wichtig, eine ausreichende Menge davon zu verwenden. Dermatologe Liebich fĂŒrchtet, dass manche Menschen sich bei teuren Cremen vielleicht nicht ausreichend davon ins Gesicht schmieren - schließlich handelt es sich oft um ein Luxusprodukt. "Wenn man die empfohlene Menge nicht auftrĂ€gt, bietet ein niedriger Schutzfaktor noch weniger Schutz", erklĂ€rt Liebich. Wer zögere, genĂŒgend zu verwenden, solle lieber zur klassischen Sonnencreme greifen.

Behauptung

VorbrĂ€unen im Solarium schĂŒtzt die Haut.

Bewertung

Falsch.

Fakten

Wer sich in die Sonne oder ins Solarium legt, bekommt ultraviolette Strahlung auf die Haut. GrundsÀtzlich wird dabei zwischen drei Arten unterschieden: UVA, UVB und UVC. Die UVA-Strahlung ist der Teil der Strahlung, die bis in die Lederhaut (Dermis) wirkt. UVB-Strahlen treffen hingegen nur die Oberhaut. UVC-Strahlen sind so kurzwellig, dass sie schon von der Ozonschicht abgefangen werden.

Die Sonnenbank sorge nur fĂŒr eine "schmutzige BrĂ€une", die keinen richtigen Schutz aufbaut, sagt Dermatologe Liebich. Das in Solarien verwendete Licht besteht vorwiegend aus UVA-Strahlen, die fĂŒr eine schnelle, aber nicht dauerhafte BrĂ€une sorgen. HĂ€ufig wird die UVB-Strahlung herausgefiltert. "Zum Schutzaufbau brauchen wir eben auch einen UVB-Anteil, der im Solarium in einer wirksamen Dosis aber nicht vorhanden ist."

Generell entstehe beim VorbrĂ€unen im Solarium eine Strahlenbelastung. Nicht ohne Grund sind Solarien fĂŒr Menschen unter 18 Jahren verboten. "Jegliche zusĂ€tzliche Strahlung ist nicht gut", betont Liebich.

Behauptung

Vegane ErnĂ€hrung schĂŒtzt vor einem Sonnenbrand.

Bewertung

Falsch.

Fakten

Sich durch vegane ErnĂ€hrung geschĂŒtzt brĂ€unen - das klingt verlockend. Doch Experten verneinen das. Zwar können die vorwiegend in gesunden Nahrungsmitteln vorhandenen Vitamin A und Beta-Carotine laut Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde Abda fĂŒr einen natĂŒrlichen Schutz der Haut - auch vor Sonne - sorgen. Dieser sei jedoch nicht alleine ausreichend, um die Haut bei einem hohen UV-Index vor einem Sonnenbrand zu bewahren.

Bei den Beta-Carotinen etwa sind fĂŒr den Menschen GemĂŒse und Obst die wichtigsten Quellen. Wer davon viel esse, bekomme "sekundĂ€re Pflanzenfarbstoffe, die dann einfach zusĂ€tzlich die Haut schĂŒtzen vor Sonnenbrand", erklĂ€rt Liebich. Die Basis mĂŒsse aber immer Sonnencreme sein, denn die ErnĂ€hrung alleine baue keinen richtigen Schutzfaktor auf, sagt der Dermatologe.

Behauptung

Sonnencreme kann verfallen.

Bewertung

Richtig.

Fakten

Auch Sonnenschutzmittel können schlecht werden. Dass man Creme und Co. nicht zu lange aufheben sollte, hat mehrere GrĂŒnde. So lĂ€sst der Schutz vor UV-Licht nach. Das kann kurzfristig zu Sonnenbrand fĂŒhren und langfristig das Risiko fĂŒr Hautkrebs erhöhen. Deshalb geben die Hersteller an, wie viele Monate lang ein Sonnenschutzmittel nach dem Öffnen verwendet werden sollte. Dazu dient ein kleines Symbol mit einer Zahl und einem "M". So bedeutet "12M" zum Beispiel zwölf Monate. Eine Notiz mit dem Öffnungsdatum auf der Flasche kann helfen.

ZusĂ€tzlich bildet sich in vielen Sonnencremes mit der Zeit das womöglich krebserregende Benzophenon. Das haben Forschende in einer Studie fĂŒr die "American Chemical Society" festgestellt. Benzophenon entsteht nach und nach aus Octocrylen. Viele Sonnencremes enthalten diese Chemikalie, weil sie vor UVB-Strahlung schĂŒtzt. Die Forscher haben im Experiment eine Alterung des Produkts von einem Jahr nachgestellt. AuffĂ€llig dabei und ein weiterer Grund, Sonnenmilch vom Vorjahr zu entsorgen: Benzophenon kann sogar in ungeöffneten Packungen entstehen.

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