SozialverbÀnde, Bedenken

SozialverbÀnde melden Bedenken bei 'Aktivrente' an

21.09.2025 - 15:11:04

SozialverbÀnde kritisieren die von der Koalition geplante "Aktivrente", die das Arbeiten im Rentenalter attraktiver machen soll.

Die PrĂ€sidentin des Verbandes VdK, Verena Bentele, glaubt, dass die Mehrzahl der Menschen, die im Alter noch berufstĂ€tig sind, davon nicht profitieren werden. Die PrĂ€sidentin des Deutschen Caritasverbands, Eva Maria Welskop-Deffaa, hĂ€lt die Maßnahme fĂŒr ungerecht gegenĂŒber jĂŒngeren Generationen.

Mit der im Koalitionsvertrag vereinbarten "Aktivrente" sollen Rentnerinnen und Rentner bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen können. Die Bundesregierung peilt einen Start zum 1. Januar 2026 an.

Mehrzahl der BeschÀftigten im Alter sind selbststÀndig oder Minijobber

VdK-PrĂ€sidentin Bentele erklĂ€rte: "Die Mehrheit der Ă€lteren Menschen, die im Ruhestand weiterarbeiten, werden von der Aktivrente nicht profitieren. Sie sind entweder selbststĂ€ndig tĂ€tig oder machen dies als Minijob. Minijobber arbeiten jetzt schon weitgehend steuerfrei." Die "Aktivrente" sei attraktiv fĂŒr gesunde Menschen in wenig belastenden Berufen, die ĂŒber die Regelaltersgrenze hinaus weiterarbeiten wollen. "Als Einzelmaßnahme wird sie statt zusĂ€tzlichen ArbeitsplĂ€tzen vor allem Mitnahmeeffekte und massive SteuerausfĂ€lle produzieren und dem FachkrĂ€ftemangel in nur geringem Maße entgegenwirken", stellte Bentele fest.

Die VdK-Chefin hat noch eine andere BefĂŒrchtung. Die Bundesregierung wird aus ihrer Sicht aus GrĂŒnden der verwaltungstechnischen Vereinfachung darauf verzichten, Alterseinkommen zu ĂŒberprĂŒfen. So könnten auch PensionĂ€re oder ehemalige SelbststĂ€ndige, die keine gesetzliche Rente beziehen, im Alter 2.000 Euro steuerfrei zu ihren BezĂŒgen hinzuverdienen. "Das schafft einen weiteren Flickenteppich und öffnet TĂŒr und Tor fĂŒr Klagen: Der allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz und das daraus abgeleitete Prinzip der Besteuerung nach der individuellen LeistungsfĂ€higkeit werden mit der Aktivrente offensichtlich verletzt", argumentiert Bentele.

Steuergeschenk zulasten der JĂŒngeren?

Widerspruch zu den RegierungsplĂ€nen kommt auch von der Caritas. Deren Chefin Welskop-Deffaa sagte dem Nachrichtenportal "t-online": "Es ist nicht hilfreich, den Älteren zulasten der Jungen teure Steuergeschenke zu machen." Die "Aktivrente" fĂŒhre "im GenerationenverhĂ€ltnis zu schwer erklĂ€rbaren Ungerechtigkeiten". Ältere könnten neben der vollen Rente 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. "Wenn aber junge Eltern ihre ErwerbstĂ€tigkeit wieder aufstocken, sobald die Kinder in der Schule sind, kommt jeder Euro, den sie mehr verdienen, in die volle Steuer-Progression", beanstandete sie.

Vielen SelbststÀndigen droht Altersarmut

Als ĂŒberfĂ€llig zur Stabilisierung der Rentenkassen bezeichnete Welskop-Deffaa die Einbeziehung von SelbststĂ€ndigen in die Rentenversicherung. Gerade diese seien von Altersarmut bedroht. Viele SelbststĂ€ndige unterschĂ€tzten diese Risiken. "Sie nutzen in den ersten Jahren der SelbststĂ€ndigkeit jeden Euro fĂŒr die GrĂŒndungsidee - und merken zu spĂ€t, dass sie damit große LĂŒcken in ihrer Altersabsicherung aufreißen." Auch werde die Arbeitswelt immer hybrider. Menschen wechselten zwischen Anstellung und SelbststĂ€ndigkeit oder kombinierten beides. Allerdings gingen dann auch nur fĂŒr Teile des Einkommens BeitrĂ€ge in die Rentenkasse.

Die Caritas-Chefin bezeichnete zugleich das Rentenniveau als eine "ĂŒberschĂ€tzte Kennzahl". Sie sage wenig darĂŒber aus, wie viel Rentnerinnen und Rentner tatsĂ€chlich im Geldbeutel haben. Die Koalition will die Haltelinie fĂŒr das Rentenniveau bei 48 Prozent - also das Absicherungsniveau der Rente im VerhĂ€ltnis zu den Löhnen - bis 2031 verlĂ€ngern.

Bei Rentenformel differenzieren

Welskop-Deffaa regte stattdessen an, die SpielrÀume solidarischer Umverteilung in der gesetzlichen Rente intensiver zu nutzen. "Es darf nicht sein, dass Menschen 40 Jahre lang BeitrÀge zahlen und am Ende trotzdem keine existenzsichernde Rente erhalten. Damit zerstören wir das Vertrauen in das System." Deshalb sollte in der Rentenformel unterschieden werden zwischen denen, die jahrelang aus kleinen Einkommen BeitrÀge gezahlt haben, und denen mit hohen Einkommen.

@ dpa.de